„Das Gedenken an die Ermordeten durch die Insignien ihrer Feinde ersetzen“

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Tor des KZ Buchenwald, Foto: Pascal Rehfeldt / CC BY-SA 3.0

Gemeinsame Stellungnahme jüdischer und verbündeter Organisationen gegen die antisemitische Kampagne „Kufiyas in Buchenwald“ veröffentlicht

Das Netzwerk Jüdischer Hochschullehrender (NJH) veröffentlicht gemeinsam mit 16 weiteren Organisationen – darunter die Jüdische Landesgemeinde Thüringen und die Jüdische Gemeinde Frankfurt am Main, die WerteInitiative, das AJC Berlin und die Deutsch-Israelische Gesellschaft – eine Stellungnahme, die die Kampagne „Kufiyas in Buchenwald“ auf das Schärfste verurteilt. Die Unterzeichnenden wenden sich entschieden gegen den Versuch, die KZ-Gedenkstätte Buchenwald für antijüdische Agitation zu instrumentalisieren. Die Kampagne plant für den 11. und 12. April 2026 – den 81. Jahrestag der Befreiung – ein umfangreiches Protestprogramm in Weimar und am Ort der Gedenkstätte, darunter einen eigenen Rundgang durch das ehemalige Konzentrationslager, Vorträge und eine Podiumsdiskussion. Ein Instagram-Post der Kampagne kündigt für den 12. April eine „Mahnwache“ an der Gedenkstätte an – unter anderem am Glockenturm des Mahnmals.

Besorgniserregend ist ebenfalls die bundesweite Veranstaltungsreihe im Vorfeld der Aktion. Die Stellungnahme weist nach, dass es sich nicht um einen harmlosen Protest gegen ein angebliches Symbolverbot handelt, sondern um einen gezielten Angriff auf die Würde eines Ortes, an dem nahezu 11.800 Jüdinnen und Juden ermordet wurden.

Die Stellungnahme dokumentiert, dass die Kampagne von einem Netzwerk getragen wird, das den islamistischen Terror der Hamas verharmlost oder offen feiert. Die „Kommunistische Organisation“, eine der treibenden Kräfte, bezeichnete das Massaker vom 7. Oktober 2023 als „großartige Überraschung“. Die „Jüdische Stimme für einen gerechten Frieden in Nahost“, die die Kampagne maßgeblich organisiert, wird vom Bundesamt für Verfassungsschutz als gesichert extremistische Bestrebung geführt. Die Unterzeichnenden stellen sich uneingeschränkt hinter die Leitung der Stiftung Gedenkstätten Buchenwald und Mittelbau-Dora und teilen die Einschätzung des Antisemitismusbeauftragten der Bundesregierung, Dr. Felix Klein, der die Aktion als „neuen Tiefpunkt der leider so geläufigen Täter-Opfer-Umkehr“ und „frontalen Angriff auf die Würde des Erinnerns an die Opfer der Shoah“ verurteilte. Die Stellungnahme fordert, die Kampagne als antisemitische Provokation zu benennen und die angekündigten Protestaktionen mit allen rechtlich zulässigen Mitteln zu unterbinden. Sie fordert Hochschulen und wissenschaftliche Einrichtungen auf, sich unmissverständlich gegen jeden Versuch zu positionieren, KZ-Gedenkstätten für antisemitische Agitation zu missbrauchen, und ruft alle Menschen auf, am 12. April 2026 das offizielle Gedenken in Buchenwald zu besuchen.

Die Stellungnahme erinnert daran, dass Buchenwald in enger Verbindung zur zionistischen Bewegung steht: Nach der Befreiung gründeten jüdische Überlebende ein „Kibbuz Buchenwald“ und bereiteten ihre Auswanderung nach Eretz Israel vor. Am Ort des einstigen Lagers wurde die blauweiße Fahne mit dem Davidstern gehisst – als Ausdruck von Überleben, Selbstbestimmung und Emanzipation.

Die vollständige Stellungnahme mit Quellenbelegen steht auf der Website des Netzwerks Jüdischer Hochschullehrender zur Verfügung:
https://n-j-h.de/stellungnahme-zur-kampagne-kufiyas-in-buchenwald/

–> „Kufiyas in Buchenwald“ – Geschichtsrevisionismus von links?
Gegenwärtig zieht ein neuer geschichtspolitischer Sturm über der Gedenkstätte auf. In seiner Wolke trägt er Geschichtsrevisionismus sowie einen regressiven Antizionismus. Wo sich Letzterer einfindet, ist meist auch der Antisemitismus nicht weit entfernt. Vorangetrieben wird dieser aktuelle Angriff auf die Gedenkstätte unter dem Kampagnentitel „Kufiyas in Buchenwald“ nicht etwa von Rechtsaußen, wie es zu vermuten wäre. Die Protagonist*innen verorten sich vielmehr links. Einzelne gehören der altehrwürdigen Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes an.

–> Uni Köln verhindert Werbeveranstaltung für „Kufiyas in Buchenwald“
Im Hörsaal VI der Universität Köln sollte eine Werbeveranstaltung für eine am 11. und 12. April im ehemaligen Konzentrationslager Buchenwald geplante Demonstration für das Recht, die KZ-Gedenkstätte auch mit der Kufiya, dem Hasslappen der Palästinenser, besuchen zu können, stattfinden. Auch in Köln soll mobilisiert werden. Ein Zentrum hat eine geplante Veranstaltung bereits abgesagt, als es erfuhr, worum es geht.