Ein Rückblick auf die europäischen Kulturhauptstädte 2025
Von Christel Wollmann-Fiedler
Die Donaumonarchie war unendlich groß. Ein Vielvölkerstaat mit unterschiedlichen Ethnien, Kulturen und Religionen. Der Kaiser in Wien war bis 1918 das Oberhaupt. 1918 endete diese Monarchie, seitdem ist die Kaiserkrone in der Schatzkammer der Wiener Hofburg zu bewundern. Triest gehörte zu dieser Monarchie und das Städtchen Görz/Gorizia, gleich um die Ecke, ebenfalls.
Triest war eine wichtige Stadt, wurde „Klein Wien am Meer“ genannt, ist multikulturell bis heute. Als elegant wird die Stadt beschrieben, die Kaffeehauptstadt war sie in der Vergangenheit und noch heute.
50 Minuten Fahrzeit sind es Richtung Norden in Italien von Triest nach dem ehemaligen österreichischen Görz, dem heutigen Gorizia, in der Landschaft Friaul – Julisch Venetien. Eine Gegend mit kosmopolitischem Erbe, wo germanische, romanische und slawische Sprachgruppen zusammen kamen, wo in der Gegenwart Italienisch, Friaulisch, Slowenisch und zum Teil auch noch Deutsch gesprochen wird. Multikulturell seit eh und je.
Der Isonzo fließt behäbig durch die Stadt Görz/Gorizia. Er entspringt im Nordosten von Slowenien und mündet im Golf von Triest in die Adria.
Der Krieg am Isonzo im 1. Weltkrieg mit seinen 12 Schlachten zwischen dem Königreich Italien und den beiden verbündeten Mächten Österreich-Ungarn und dem Deutschen Kaiserreich ist bekannt. Über eine Million Soldaten mussten ihr Leben lassen.
Görz/Gorizia liegt im nordöstlichen Zipfel Italiens, die slowenische Grenze direkt vor der Tür. Die Slowenen liebten die Stadt ebenso und verzichteten bei der Teilung 1945 nicht so ganz auf ihre liebgewonnene kulturelle Metropole und schufen 1947 hinter der Grenze in Jugoslawien Nova Gorica (Neu-Görz) eine sozialistische Musterstadt, die jüngste Stadt Sloweniens.
Bis 1918 gehörte Görz und das gesamte Friaul-Venetien zur Habsburgermonarchie. Das gesamte Gebiet Slowenien bis südlich von Ljubljana/Laibach, weiter das anschließende heutige Kroatien mit der Hauptstadt Zagreb/Agram und weitere Landesteile waren Gebiete der Donaumonarchie bis der Thron in Wien ins Museum kam. Danach wurden die gesamten Landschaften bis in den Süden zur jugoslawischen „Einigkeit“. Erst nach 1989, nach der Öffnung der Grenzen in Europa, bekam auch Slowenien seinen Namen zurück. Görz-Gorizia blieb italienisch. Die neu entstandene Musterstadt Nova Gorica liegt in Slowenien. In früheren Zeiten bekam die alte Stadt den schönen Beinamen „Östereichisches Nizza“. Das ist lange her.
Lange Rede kurzer Sinn. Warum sind diese beiden Städte so wichtig? Alljährlich werden zwei Städte in Europa zu Kulturhauptstädten Europas gewählt. Im Jahr 2025 ist diese Doppelstadt Gorizia und Nova Gorica zusammen mit der deutschen Stadt Chemnitz in Sachsen ausgesucht worden. GO! 2025 BORDELESS ist die Bezeichnung der Kulturhauptstadt 2025.

Die österreichische Vergangenheit folgt auf Schritt und Tritt in der Architektur. Täglich lief ich gedanklich durch eine österreichische Kleinstadt. Oberhalb des Städtchens thront die Burg, das mittelalterliche Castello di Gorizia. Seit 1989 sind beide Städte wieder eng verbunden. Die beiden Städte waren in jugoslawischen Zeiten nur mit einem Drahtzaun und einem Schlagbaum geteilt, anders als die Stadt Berlin.

Die Via Rafut führt von Gorizia auf die 175 m Anhöhe zum Park Rafuski in Nova Gorica. Bäume und Hecken aus der subtropischen Welt duften entgegen. Korkeichen, Zypressen und Zedern wurden im 19. Jahrhundert angepflanzt, hinzu kamen Mammutbäume, die Sumpfzypresse, der Lorbeerbaum, die Japanische Sicheltanne und sogar Weihrauchbäume. Inmitten dieser Pracht baute der Architekt Anton Laščak (Anton Lasciac), der 1856 in Görz geboren wurde, seine Villa Rafut im neoorientalischen Stil mit dem minarettartigen Turm und den jugendstil-und maurischen Elementen. Im ägyptischen Alexandria war er Jahrelang für den ägyptischen Königshof tätig, wurde deren wichtigster Architekt. 1946 starb Lasciac in Kairo.

In der Ferne ist das Kloster Konstanjevica in Nova Gorica zu sehen. Es thront geradezu oben auf einem Felsen. 1623 wird das Kloster errichtet und 1781 von Kaiser Joseph II. geschlossen. 1811 bekommt der Franziskanerorden das Kloster übergeben. Die Sarkophage der Nachfahren der im Exil lebenden Bourbonen, der französischen Königsfamilie, stehen in der Gruft. Karl X., der letzte König Frankreichs, wird 1775 in Versailles geboren und stirbt 1836 in Görz. Von 1824 bis 1830 regiert er als König. Nach der Julirevolution 1830 geht er ins Exil, kommt 1836 im österreichischen Görz an und stirbt kurz darauf an Cholera und wird, wie all die anderen in dieser Gruft, „Klein St. Denis“ genannt, beigesetzt.

Herunter vom Hügel, herunter in die jüngste Stadt Sloweniens. Moderne Gebäude und Plätze in Nova Gorica. Modernität seit 1947 und 1989.
Gleich nebenan, über den früheren Grenzzaun hinweg, wird italienisch gesprochen, doch lockt das alte Österreich mit seiner Burg, der Görzer Burg, in das uralte Städtchen mit seinen wunderbaren zahlreichen Palais und den österreichischen Bürgerhäusern. Eine über tausendjährige Geschichte trägt die Stadt auf dem Rücken. Der Neptunbrunnen (Fontana del Nettuno ) steht seit 1756 auf der Piazza della Vittoria (Siegesplatz). Der Bildhauer Marco Chiereghin hat diesen prächtigen Brunnen im barocken Stil gebaut und Nicolo Pacassi aus Wien entwarf ihn.

Der Philosoph und Maler Carlo Raimondo Mittelstaedter ist in der Stadt an vielen Ecken präsent. In Görz kommt er 1887 auf die Welt und beendet sein Leben mit 23 Jahren in dem Ort 1910. Eine Bronzestatue und eine Tafel an einer Hauswand geben Auskunft über ihn, der deutsch-jüdischer Herkunft war. Die bekannte Gießerei Bonvicini in Verona fertigt zum hundertsten Todestag des Philosophen und Dichters ein Monument. In den Sockel der Plastik wurde eingeritzt „e far di se stesso Mamma…“, also „sich selbst zur Mutter machen“, gemeint ist damit eine tiefere, fast alchemistische Selbst-Schaffung, bei der man sich selbst nährt, umsorgt und transformiert, um zu innerer Ganzheit und Autonomie zu gelangen.
Geistreiche Rezensionen verfasst er in Florenz über Ibsens und Tolstois Theaterstücke. Seine Lyrik entsteht durch drei seiner Liebesverhältnisse. Dominante Eltern, vor allem die Mutter, erziehen ihn. Am 56. Geburtstag der Mutter beendet er sein philosophisches Leben. Seine Geliebte, die Russin Nadja, tat das gleiche einige Zeit zuvor. Im Holocaust werden die Mutter, die Schwester und eine Tante ermordet. Seine Schwester Paula konnte sich in die Schweiz retten. Als bedeutende Persönlichkeit wird Carlo Mittelstaedter, trotz des jugendlichen Alters, bezeichnet.
Stolz ist diese kleine Stadt, in der zahleiche Persönlichkeiten geboren wurden oder gelebt haben. Künstler, Politiker und Industrielle, Bischöfe und Architekten und ein wichtiger Rabbiner werden genannt.
Ernest Hemingway kommt im 1. Weltkrieg nach Europa und kämpft freiwillig in der italienischen Armee und beginnt seinen Roman „In einem anderen Land“ in diesem abseits gelegenen Städtchen Görz. „Einen Ort des Friedens für einen Moment, während ringsum alles stirbt“ ist eine Beschreibung von ihm, als eine sehr hübsche Stadt wird er Görz nennen. Ernest Hemingway war US Amerikaner, in Illinois wurde er 1899 geboren. Als Schriftsteller Kriegsberichterstatter, Abenteuer und vieles mehr ist er bekannt. Viele schöne Frauen lernt er in seinem rastlosen Leben kennen. 1939 bis 1960 verbringt er auf Kuba, 1954 wird ihm der Literaturnobelpreis übergeben. Zurück in den USA nimmt er sich im Jahr 1961 mit einer Flinte das Leben.
Die spätere Hollywoodschauspielerin Nora Gregor kommt 1901 in diesem österreichisch-ungarischen Görz auf die Welt und stirbt 1949 in Chile. Ihre Eltern waren mosaischen Glaubens. Schauspielunterricht nahm sie in Graz, in Hollywood wurde sie für einige Filme ausgesucht und in Los Angeles stand sie auf der Bühne im dortigen Theater. Im Wiener Burgtheater war sie zu Hause, wo ihr der begehrte Titel einer „Kammerschauspielerin“ verliehen wurde. In 2. Ehe heiratete sie den „Austrofaschisten“ Ernst Rüdiger Starhemberg, der vor den Nationalsozialisten im 2. Weltkrieg fliehen musste über Paris nach Argentinien. Nora bekam von Jean Renoir in Paris eine sehr interessante Filmrolle und später in Chile drehte der türkisch-französische Regisseur und Drehbuchautor Jacques Rémy ebenfalls mit ihr. Es soll ihr letzter Film gewesen sein. Das Ehepaar Gregor – Starhemberg trennte sich zwischenzeitlich, Nora zieht weiter nach Chile und stirbt 1949.

Ich komme zurück zum Palazzo Attems, bin die Via G. Carducci entlang gelaufen, vorbei an hübsch gestalteten Geschäften und Kaffeehäusern, geschmückt für die Europäische Kulturhauptstadt 2025, und sehe in der Ferne bereits das einladende Ausstellungsplakat des slowenischen Malers Zoran Mušič, der 1908 in einem kleinen Ort bei Görz im Slowenischen das Licht der weiten und künstlerischen Welt erblickte und auf der Gräberinsel San Michele in der Lagune zwischen Venedig und Murano 2005 begraben wird.
Den Palazzo Attems Petzenstein ließ Familie Attems erbauen. Der Görzer Architekt Nicolo Pacassi baute zu Beginn des 18. Jahrhunderts im Stil des Barock im Übergang zum Rokoko. Die sehr schönen Statuen, „Figuren aus dem Olymp“, oben auf dem Giebel sind von weitem zu sehen. Der Bildhauer Giovanni Batista Mazzoleni aus Bergamo schuf diese Kunstwerke und Antonio Paroli Gemälde und Fresken im Inneren. Der Sohn des Bauherrn des herrschaftlichen Palais war Sigmund Karl Anton Attems Petzenstein, 1708 wird er in diese adelige Görzer Familie geboren und stirbt dort 1758. Zum Abgeordneten der Grafschaft Görz und anderen Behörden wird er gewählt. Wichtige und schöne Kunstsammlungen sind heute in dem Palazzo untergebracht.
Im italienischen Stil wurde der kleine Park hinter dem Gebäude entworfen und angelegt. Mittendrin der Herkulesbrunnen und tropische Bäume mit Blüten und Früchten, die wir kaum kennen, zieren den verwunschenen Park. Die immergrüne Magnolie fällt besonders auf.
Wie bereits angedeutet ist für kurze Zeit die großartige Kunstausstellung von Zoran Mušič zu sehen. Wer ist Zoran Mušič? Ein slowenischer Künstler ist er, der aus Bukovica, einer kleinen slowenischen Gemeinde bei Görz stammt. In Zagreb studiert er und lebt in den 30er Jahren des vorigen Jahrhunderts in Dalmatien und später in Venedig. Kurzzeitig besucht er Spanien und verlässt das Land zu Beginn des Bürgerkriegs. Die Gestapo schnappt ihn 1944 in Venedig und deportiert ihn ins Konzentrationslager Dachau. Man verdächtigt ihn, sich in einer Gruppe slowenischer Antifaschisten zu bewegen und mit dem Britischen Geheimdienst zusammenzuarbeiten. Gefoltert wird auch er. Das Elend und die herabgewürdigten Menschen, die getötet werden, bleiben in seiner Erinnerung, haben sich eingebrannt in seine Seele. Die fürchterlichen und unmenschlichen Zustände wird er heimlich skizzieren. Ungefähr 180 Zeichnungen entstehen im KZ, doch nur 35 werden gerettet. Die übriggebliebenen Federzeichnungen zeigen die Grausamkeit und den Tot. Eine wichtige Dokumentation hat er geschaffen. Einige Jahre benötigt er zum Verarbeiten dieser grausamen Erlebnisse.

In der jetzigen Ausstellung hier in Gorizia sind die großen künstlerischen Werke auch aus dieser traumatischen Erfahrung und Erinnerung ausgestellt. Dunkle rußige Farben, kaum erkennbare unscharfe Motive aus dem KZ. Leichenberge von getöteten oder verhungerten Juden oder anderen Inhaftierten sind deprimierend. Entstanden in Öl auf Leinwand im großen Format. Die späteren Bilder mit Pferden und Landschaften in leichten schönen Pastellfarben ein regelrechter Genuss. Der Karst mit seinen felsigen Hügeln beeinflusste seine Kunst.

1945 geht er nach Venedig zurück und heiratet 1949 die venezianische Malerin Ida Cadorin Barbarigo, 1920 – 2018, die als schöne venezianische Malerin beschrieben wird. Zusammen pendelt das Paar zwischen Venedig und Paris. Seine Ausstellungen jagen durch die Welt. Zur Biennal in Venedig in den Jahren 1948, 1950, 1954, 1956, 1982 und 1985 wird er eingeladen und zur Documenta in Kassel 1955, 1959, 1979. Ausstellungen in unterschiedlichen Ländern und Städten sind in seiner Vita angegeben. Mit wichtigen Preisen werden er und seine Kunst geehrt, als beeindruckender Mensch und außergewöhnlicher Künstler wird er charakterisiert. Im Jahr 2025 kehren seine Bilder in seine Heimat zurück.
In der Via Graziadio Isaia Ascoli, gleich um die Ecke, befand sich das ehemalige jüdische Ghetto, wo sich im Jahr 1756 die Jüdische Gemeinde eine Synagoge bauen lässt. Emilio Lazzatto baut 1894 im neuen Stil das Gebäude um, und 1980 kann die heruntergekommene Synagoge durch Spenden gerettet werden. Im Parterre befindet sich seit 1998 das Jüdisches Museum, im 1. Stock die prächtige Synagoge. Die Helligkeit ist enorm und wirft Licht und Schatten auf den mit Natursteinen belegten glänzenden Boden. Rechts und links vom Thoraschrein sind vier gedrehte Säulen aus schwarzem Marmor angefügt. Oben im Hauptraum befindet sich ein hölzerner Balkon und rechts und links im Saal Sitzbänke. Im venezianischen Barockstil wird die prächtige Synagoge 1756 gebaut.

Die Jüdische Gemeinde wird 1969 aufgelöst, die wenigen Gemeindemitglieder gehören heute zur Jüdischen Gemeinde Triest. Jahrhundertelang hatte die Stadt eine große Gemeinde. Abwanderungen in Industriegebiete und zu anderen Arbeitsmöglichkeiten dezimierten die Mitgliedszahlen im Laufe der Jahre. 1938, vor dem 2. Weltkrieg, wohnten 183 jüdische Nachbarn im Städtchen. Als die Nazis kamen, versuchten einige Familien noch auszuwandern oder unterzutauchen. 78 Menschen wurden nach Auschwitz deportiert, mit ihnen der kleine, dreimonatige Bruno Faber. Der kleine Park neben der Synagoge ist nach ihm benannt. 1945 gab es kaum noch jüdische Bewohner.
Der „Mendelsohn Italiens“ wird er genannt, geboren 1748 in seiner Vaterstadt Görz. Bei seinem Vater, dem Rabbiner Abraham Vita Reggio, studiert er Hebräisch. Die deutsche Muttersprache, Latein, Italienisch und Französisch beherrscht er, die Thora übersetzt er ins Italienische, wird wie der Vater Rabbiner, und dessen Nachfolger in Görz. Er gründet mit anderen das Rabbinerseminar (Collegio Rabbinico) in Padua. Als Hauslehrer weilt er drei Jahre in Triest, kehrt 1807 nach Görz am Isonzo zurück. Dort heiratet er eine wohlhabende Dame, unterrichtet am Lyzeum bis es antijüdische Gesetze gibt und der Professor zurücktreten muss. Aufklärer wird er für die italienischen Juden, wie seinerzeit Moses Mendelssohn für die deutsche jüdische Bevölkerung. So entsteht die zu Beginn erwähnte Bezeichnung „Der Mendelssohn Italiens“. 1855 stirbt der österreichisch-italienische Gelehrte, Religionsphilosoph, Aufklärer und Rabbiner Isaac Samuel Reggio in seiner Geburtsstadt Görz/Gorizia.
Kein Motorflug ohne die Brüder Edvard und Josip Rusjan, Fluggeschichte Anfang des 20. Jahrhunderts haben sie geschrieben. In Triest wird Josip der Ältere 1874 geboren, der jüngere Bruder Edvard 1886 ebenso in Triest. 1898 zieht die gesamte Familie Rusjan nach Görz. In der Görzer Küferwerkstatt des Vaters lernen die beiden Brüder ein Handwerk. Die Leidenschaft zum Flugzeugbau ermutigt sie. Didaktiker sind die Brüder im Bauen und Fliegen. In der Nähe von Gorizia konstruieren sie in ihrer Werkstatt ihr erstes Flugzeug und weitere sechs folgen in Zagreb. Mit selbstgebasteltem Flugzeug starten sie in die Lüfte. Edvard ist erfolgreich und wird berühmt in Österreich-Ungarn, als erster slowenischer Pilot. 2009 feiern die Slowenen den 100. Jahrestag des 1. Motorflugs über Slowenien. Edvard stürzt mit 24 Jahren, 1911, über Belgrad ab und sein beeindruckendes junges Leben ist beendet. Ca. 14.000 Menschen sollen seinen Sarg zum Neuen Friedhof in Belgrad (novo groblje) begleitet haben.
Im Westen Sloweniens wird 2007 in einem Observatorium ein Asteroid entdeckt und bekommt den Namen Rusjan. Josip wandert später nach Argentinien aus und stirbt 1953 in Buenos Aires.
Nicht nur alte Villen, Palais und Bürgerhäuser sind in der Stadt zu sehen, auch so manches Gebäude in der Architektur des 20. Jahrhunderts.
Markthallen haben eine besondere Atmosphäre. Freude und Geselligkeit beim Einkauf frischer Waren, beim Glas von diesem oder jenem, ein Schwatz mit dem Nachbarn oder Fremden werden an diesem Ort täglich zelebriert. In Gorizia musste die Historische Markthalle einem wichtigen Gebäude irgendwann weichen. An der Via G. Boccacio baute der östereichisch-italienische Architekt Riccardo del Neri eine neue Markthalle im Jugendstil der späten 1920er Jahre. Die Stadtverwaltung ernannte diese Mercato Coperto zum Kulturgut und stellt sie unter Denkmalschutz.
Riccardo del Neri wird 1886 geboren studiert später am Polytechnikum in Wien. In Görz arbeitet er als Bauingenieur im Technischen Amt der Stadt. 1964 wird er in seiner Heimatstadt Görz beerdigt.
Eine Straße weiter, in der Via Cadorna steht ein großes sehr auffallendes elegantes Eckgebäude am Corso Guiseppe Verdi, des slowenischen Architekten und Stadtplaners Max Fabiani. Als Vater der modernen Architektur wird er definiert. In Kobdilj bei Stanjel im Küstenland Sloweniens wird er 1865 geboren, in Laibach/Ljubljana ging er zur Schule und studierte Architektur an der Technischen Hochschule in Wien, promovierte und wurde Dr. Maximilian Fabiani. Mit einem wichtigen Chega-Reisestipendium im Jahr 1892 unternahm er eine Studienreise in für ihn wichtige europäische Länder. Nach dem 1. Weltkrieg wird er Professor in Wien, fand den Weg nach Görz zurück und leitete den Wiederaufbau von Görz und wirkt in seinem Geburtsort Kobdilj /Stanjel eine zeitlangt als Bürgermeister.
Unzählig viele Gebäude, Denkmäler und Gärten in Wien, Opatja und Ljubljana an der dalmatinischen Küste, in Triest, in Graz und Kroatien, in Salzburg und Bozen, in Tirol und Oberösterreich, am Attersee, in Tschechien und Schlesien sind verzeichnet. Die am häufigsten Architekturen von ihm sind in Wien entstanden, an nächster Stelle ist Ljubljana zu nennen. Auf der Weltausstellung 1900 in Paris entwarf er den Empfangssalon („Kaiserzimmer“) des Österreichischen Pavillons und gewann den Grand Prix.
Im Jahr 1912 klopfte der junge Adolf Hitler an seine Tür und lernte eine zeitlang im Atelier von Max Fabiani Zeichnen. Nach drei Monaten verabschiedete Fabiani Hitler.
Bis ins hohe Alter hat Max Fabiani, der österreichisch-italienisch-slowenische Architekt gearbeitet und soll verarmt 1962 in Görz gestorben sein. In seinem Geburtsort Kobdilj in Slowenien wurde er begraben
Unter dem Castello di Gorizia wird von den Habsburgern im 19. Jahrhundert ein 300 Meter langer Tunnel gebaut. Er soll die Görzer Stadtmitte mit dem Pferdemarkt in Rafut verbinden. Im 2. Weltkrieg schützt er die Bevölkerung vor Bombenangriffen, später ist er ein Fußgänger- und Fahrradtunnel. Saniert wurde der Tunnel aus dem 19. Jahrhundert zum Kulturjahr 2025.
Zum Ende der Kulturhauptstadt eröffnen Politiker von Italien und Slowenien die großartige, sensationelle KI-Kunst in der Galleria Bombi dem Tunnel. Der Tunnel im Berg unter dem Castello wird regelrecht zum fantastischen Spektakel einer absolut neuen Kunstrichtung. Refik Anadol, der türkisch-amerikanische Medienkünstler bietet eine audiovisuelle Live-Performance, die neue, andere Kunst im öffentlichen Raum. Ungefähr 100 Meter läuft der begeisterte Kunstinteressierte durch noch nie dagewesene Farbwolken, die oben, unten und daneben in ständigem Wandel der Motive und der Farben durch den Tunnel kreisen. Millionen Daten zur Poesie der Natur in atmosphärischen Rhythmen.

1985 wird der Künstler Refik Anadol in der Türkei, in Istanbul, geboren und lebt heute in Los Angeles. Als Medienkünstler und Architekt ist er weltberühmt geworden. In bedeutenden Galerien und Museen der gesamten Welt hat der noch recht junge Künstler seine KI-Kunst gezeigt.
Sein Kunstwerk ist mit Farbigkeit nicht zu übertreffen. Der gesamte Tunnel wirkt wie ein farbiger Schlangentunnel. Ein Spaziergang durch Europas größter digitaler Galerie in Gorizia ist ein überwältigendes sinnliches Erlebnis. Im gesamten Jahr ist der Tunnel zu bestimmten Zeiten geöffnet. Schauen Sie sich an, was Gorizia und Nova Gorica, die kleinen Städte am Ende von Italien und Slowenien, zu bieten haben. Auch im kommenden Jahr.




