Armin Pfahl-Traughber über antidemokratische Denker aus der Weimarer Republik
Der Politikwissenschaftler und Soziologe Armin Pfahl-Traughber hat ein neues Buch vorgelegt, das antidemokratische Denker aus der Weimarer Republik und ihren Einfluss bis heute, im Besonderen auf die sog. Neue Rechte untersucht. Der Begriff „Neue Rechte“ meint ein Intellektuellennetzwerk, das sich auf Gedankengut der „Konservativen Revolution“ der Weimarer Republik bezieht und eine „Kulturrevolution von rechts“ anstrebt. In seinem 2022 veröffentlichten Buch „Intellektuelle Rechtsextremisten“ hatte Pfahl-Traughber bereits über die „Konservativen Revolution“ der Weimarer Republik geschrieben. Jetzt widmet er sich ausführlicher einigen wichtigen dieser Intellektuellen im Hinblick auf ihre antidemokratischen Positionen.
Die einflussreichsten unter ihnen sind Arthur Moeller van der Bruck, Oswald Spengler, Carl Schmitt, Edgar Julius Jung, Ernst Niekisch und Ernst Jünger. Einige von ihnen sind nur in bestimmten politischen Kreisen oder der wissenschaftlichen Forschung bekannt, andere Namen kennt man auch heute noch. Alle sind sie aber Vordenker der Neuen Rechten.
Pfahl-Traughber liefert zu allen biografisch-politische Angaben, analysiert ihre Ablehnung moderner Demokratie und zeigt die jeweiligen Besonderheiten in ihrem Denken, ihre Ablehnung des politischen Liberalismus, etwaiges politisches Engagement und die Einstellung zum Nationalsozialismus.
Im Anschluss geht es dann noch ausführlich um die Fernwirkungen der Denker bis in die Gegenwart und zu den Einflüssen auf die Neue Rechte. „Auch auf die AfD wirken die erwähnten »Klassiker« und finden dort ideologische und politische Zustimmung“, konstatiert Pfahl-Traughber. „Ihr autoritäres Gedankengut kann so auch hundert Jahre später noch seine antidemokratische Relevanz entfalten. Man sollte daher diese ideologischen Auffassungen kennen und sie einer kritischen Reflexion unterziehen.“
Die Demokratiefeindlichkeit ist nach Pfahl-Traughbers Analyse nicht einfach nur ein weiterer Aspekt bei diesen Denkern, vielmehr lassen sich alle ihre Detailaussagen auf diese Positionen zurückführen. Entsprechend ist auch eine Berufung heute auf diese Intellektuellen davon beeinflusst. Man könne „nicht einzelne Bestandteile aus ihren Einstellungen herausfiltern, um sie als Elemente eines demokratischen Konservatismus zu deuten“, so Pfahl-Traughber. Und der Autor betont auch, dass zwar einige der Intellektuellen den Nationalsozialismus ablehnten, dass damit allerdings „nicht die Bejahung einer modernen Demokratie und deren Elemente“ einhergehe.
Ein wichtiges Buch, um die Neue Rechte zu verstehen. (al)
Armin Pfahl-Traughber, Politische »Klassiker« der Neuen Rechten. Antidemokratische Denker aus der Weimarer Republik, Dietz Verlag 2025, 208 S., Euro 20,00, Bestellen?



