Neue Umfrage unter arabischen Bürgern Israels

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Arabische Israelis in Nazaret, Foto: Foto: TijsB / CC BY-SA 2.0

Eine neue Studie des Moshe-Dayan-Zentrums der Universität Tel Aviv untersucht die öffentliche Meinung unter arabischen Bürgern Israels nach dem Krieg der „Eisernen Schwerter“. Danach befürworten über 75 % der arabischen Israelis den Beitritt einer arabischen Partei zur Koalition nach den kommenden Wahlen. Dies stellt einen deutlichen Anstieg dar – zum Vergleich: Im Mai 2023 (vor dem Krieg) lag die Zustimmung bei lediglich 63 %.

Die Universität Tel Aviv hat eine neue Studie zur öffentlichen Meinung in der arabischen Gesellschaft veröffentlicht, die vom Konrad-Adenauer-Programm für jüdisch-arabische Zusammenarbeit am Moshe-Dayan-Zentrum durchgeführt wurde. Die Daten zeigen, dass die Wahlbeteiligung auf 61,8 % steigen und die Vereinte Liste 15,5 Sitze in der Knesset erringen würde, sollte sich die Vereinte Liste wieder zusammenfinden.

Die wichtigsten Ergebnisse im Überblick:

• Würden heute Wahlen stattfinden, läge die erwartete Wahlbeteiligung in der arabischen Gesellschaft bei 52,4 % und damit ähnlich hoch wie bei der Wahl zur 25. Knesset (53,2 %) im November 2022. In diesem Szenario würden Hadash-Ta’al (5,3 Sitze) und Ra’am (3,9 Sitze) die Sperrklausel voraussichtlich überschreiten, Balad (2,6 Sitze) hingegen nicht. Würde die Vereinte Liste jedoch, wie in der Vergangenheit, als Zusammenschluss der vier arabischen Parteien Hadash, Ta’al, Ra’am und Balad wiedergegründet, stiege die erwartete Wahlbeteiligung auf 61,8 %, und die Vereinte Liste könnte 15,5 Sitze gewinnen.

• Eine große Mehrheit (77,4 %) befürwortet die Beteiligung einer arabischen Partei an der nach den nächsten Wahlen zu bildenden Regierung: 45,6 % sprechen sich für einen Beitritt zu jeder beliebigen Regierung aus, und 31,8 % befürworten einen Beitritt zu einer Mitte-Links-Regierung. Diese Werte ähneln den Ergebnissen früherer Umfragen des Konrad-Adenauer-Programms während des Krieges.

• Eine überwältigende Mehrheit der Befragten (74 %) gab an, dass die Bekämpfung von Gewalt und Kriminalität das dringlichste Problem für die arabische Bevölkerung sei. Weitere wichtige Anliegen sind die Lösung des Palästinakonflikts (7,6 %) und die Regulierung von Planung und Bauwesen in arabischen Städten (7 %).

• Hinsichtlich der persönlichen Identität arabischer Bürgerinnen und Bürger stechen zwei Hauptkomponenten hervor: die arabische Identität (35,9 %) und die israelische Staatsbürgerschaft (31,7 %). Weitere Elemente sind die Religionszugehörigkeit (17,3 %) und die palästinensische Identität (14,7 %).

• Eine deutliche Mehrheit der arabischen Bevölkerung (76,6 %) berichtet von einem schlechten Sicherheitsgefühl. Hauptgrund für die negative Stimmung ist die hohe Anzahl gewalttätiger Vorfälle in arabischen Gemeinden (51,9 %), gefolgt von der Angst vor einem neuen Krieg in der Region (14,2 %), der Lage der Palästinenser im Gazastreifen (11,3 %) und wirtschaftlichen Schwierigkeiten (10 %). Gleichzeitig beschreibt eine große Mehrheit (73,4 %) der Befragten ihre wirtschaftliche Lage als relativ gut – der höchste Wert, der in den Umfragen des Konrad-Adenauer-Programms während des Krieges verzeichnet wurde.

• Eine große Mehrheit der Befragten (74,6 %) gab an, dass sich die Beziehungen zwischen arabischen und jüdischen Bürgern Israels in den letzten zwei Jahren infolge des Krieges verschlechtert haben; 45,8 % gaben sogar eine deutliche Verschlechterung an. Darüber hinaus gaben 37,5 % der Befragten an, dass ihr Zugehörigkeitsgefühl zum Staat in den letzten zwei Jahren aufgrund des Krieges geschwächt wurde. 50,8 % berichteten jedoch, dass der Krieg ihre Gefühle gegenüber dem Staat weder positiv noch negativ beeinflusst habe.

• Eine Mehrheit der arabischen Bevölkerung (64,6 % der Befragten) befürwortet eine arabisch-jüdische politische Zusammenarbeit, doch nur 44,7 % glauben, dass die jüdische Bevölkerung eine solche Zusammenarbeit tatsächlich unterstützt.

Etwa die Hälfte der arabischen Bevölkerung (47,3 %) hält eine Zwei-Staaten-Lösung auf Basis der Grenzen von 1967 für die realistischste Lösung des israelisch-palästinensischen Konflikts. Nur 14 % sehen einen gemeinsamen Staat für Israelis und Palästinenser als realistische Option, und 8,5 % befürworten eine regionale Lösung mit internationaler Vermittlung. Demgegenüber glauben 21 % der Befragten, dass derzeit keine politische Lösung in Sicht ist.

Dr. Arik Rudnitzky, Direktor des Konrad-Adenauer-Programms für jüdisch-arabische Zusammenarbeit am Moshe-Dayan-Zentrum kommentierte: „Die letzten zwei Jahre waren für arabische Bürgerinnen und Bürger nicht einfach, da der andauernde Krieg im Gazastreifen und das Leid der palästinensischen Bevölkerung sie zutiefst beunruhigt haben. Doch die Unterstützung für die Einbeziehung einer arabischen Partei in die Koalition sowie der Glaube an eine arabisch-jüdische politische Partnerschaft, selbst im Schatten eines langwierigen Krieges, zeigen, dass die arabische Öffentlichkeit bemerkenswerte politische Reife beweist, die Werte der öffentlichen Ordnung und der Demokratie hochhält und nun bestrebt ist, zum Wiederaufbau der israelischen Gesellschaft nach dem Krieg beizutragen. Trotz der härtesten und längsten Konfrontation in der Geschichte des israelisch-palästinensischen Konflikts bleibt der politische Kompass der arabischen Israelis auf die bürgerlichen Belange ausgerichtet, die sie täglich beschäftigen. Die Palästinafrage ist zwar stets präsent, bestimmt aber für die überwältigende Mehrheit der arabischen Bürgerinnen und Bürger nicht ihre politische Agenda.“