Die späte Bestätigung

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Sean Davitashvili, ein georgisch-jüdisches Opfer der Hamas, am Gedenkort des Nova-Festivals, Foto: Mikheil Khachidze

Mehr als zwei Jahre lang galt eine einfache Wahrheit als umstritten: Was die Hamas am 7. Oktober 2023 verübte, war weder „Widerstand“ noch „Kontext“ noch eine Tragödie ohne Täter. Es war eine gezielte Kampagne von Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit. Nun wurde diese Wahrheit endlich klar ausgesprochen – ausgerechnet von einer Organisation, auf die sich Israel-Kritiker oft berufen. 

Von Mikheil Khachidze

Amnesty International hat in einem neuen, umfassenden Bericht festgestellt, dass die Hamas beim Angriff auf Israel Kriegsverbrechen begangen hat. Der Bericht dokumentiert in erschütternder Detailtiefe die gezielte Ermordung von Zivilisten, Massaker, Entführungen, systematische Folter, sexuelle Gewalt, die bewusste Verweigerung medizinischer Hilfe sowie die Schändung von Leichen.

Die Ergebnisse werden offiziell an den Internationalen Strafgerichtshof und die Vereinten Nationen weitergeleitet.

Endlich! Aber diese Bestätigung kommt über zwei Jahre zu spät.

Über zwei Jahre lang war die Wahrheit für all jene unerschütterlich klar, die an Israels Position glauben. Wir haben uns von diesem Glauben nicht abbringen lassen – trotz der massiven Verleumdungskampagnen, der Propaganda, der Montagebilder und der schier ekelhaften medialen Desinformation, die einzig dazu diente, diese schmerzhafte Wahrheit zu verschleiern.

Nun, da Amnesty International die Brutalität des 7. Oktober als von der Hamas verübte Kriegsverbrechen definitiv bestätigt hat, stellt sich die drängende Frage: Was geschieht jetzt?

Die Realität ist ernüchternd: Diese bahnbrechende Nachricht erfährt kaum Verbreitung. Die Mainstream-Medien schenken ihr wenig Aufmerksamkeit. Die gezielten Lügen und die gefälschte Propaganda der Hamas haben sich jedoch bereits tief in das Bewusstsein eines großen Teils der Welt eingebrannt – und diese Desinformation hat den internationalen Diskurs über zwei Jahre hinweg dominiert.

Doch die Wahrheit hat eine unvermeidliche Eigenschaft: Sie kehrt immer zurück. Vielleicht verspätet – aber sie kommt. Manchmal zu spät, manchmal leise – aber unausweichlich. Für all jene, die sich am 7. Oktober und in den Tagen danach nicht weggeduckt haben, ist dieser Bericht keine Überraschung, sondern eine Bestätigung. Für andere ist er eine unbequeme Erinnerung daran, wie leicht sich die Welt täuschen lässt, wenn Ideologie über Menschlichkeit gestellt wird.

Mikheil Khachidze ist ein georgischer Journalist, der seit vielen Jahren über Israel, jüdisches Leben und die Kriege in der Ukraine und im Nahen Osten berichtet. Er schreibt für georgische und internationale Medien und verbindet persönliche Eindrücke mit politischer Analyse.