„Terezín Summer Academy“ widmet sich Rachel Danziger van Embden

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Die diesjährige Terezín Summer Academy beschäftigt sich mit der weitgehend vergessenen Komponistin Rachel Danziger van Embden (1870-1946?). Im Mittelpunkt steht ihre Operette „Die Dorfkomtesse“, die vom 14. bis 16. August von Studierenden und Gesangsabsolvent:innen verschiedener Musikhochschulen im ehemaligen Konzentrationslager Theresienstadt erarbeitet wird.

Die Aufführung mit fünf Sänger:innen und Klavier findet am 17. August in der Deutschen Botschaft Prag statt. Parallel dazu werden Wissenschaftler:innen in Terezín die Lebensstationen der Komponistin nachzeichnen. Weitere Aufführungen der „Dorfkomtesse“ sind für 2024 u. a. in Wien (Exilarte Zentrum für verfolgte Musik) und Dresden (Dresdner Musikfestspiele) geplant. Die Terezín Summer School findet seit 2021 als Projekt von Musica non grata statt. Sie wird von der Deutschen Botschaft in Prag finanziert und ist an die Prager Staatsoper angegliedert, deren Künstlerischer Leiter Per Boye Hansen ist.

Die Tatsache, dass mit der „Dorfkomtesse“ eine Operette von einer Frau komponiert worden war, stellte eine solche internationale Sensation dar, dass sogar die New York Times darüber berichtete. Ein Jahr nach der Uraufführung in Stockholm erfolgte 1910 die Premiere im Berliner Thalia-Theater. In leichter Manier erzählt sie vom Dorfidyll, der Liebe und den Irrungen und Wirrungen rund um die „Dorfkomtesse“ alias Prinzessin Flori. Musikalisch gelingt Danzinger dabei eine unterhaltsame Verbindung von Wiener und Berliner Operette mit eingängigen Melodien und charmanten Szenen. Die Musik ist vom Leiter der Terezin Summer Academy, PD Dr. Kai Hinrich Müller, Musikwissenschaftler an der Hochschule für Musik und Tanz Köln und bei Musica non grata, für die Einstudierung und Aufführung rekonstruiert und eingerichtet worden.

Von der „Dorfkomtesse“ wie auch von ihrer Schöpferin ist nur wenig bekannt. Rachel Danziger van Embden wurde 1870 in Amsterdam in eine jüdische Familie geboren. Der Schriftsteller, Musikpädagoge und Wagner-Biograf Jacques Hartog war ihr Kompositionslehrer. Später heiratete sie den Fabrikanten Oskar Danziger, mit dem sie ab 1892 in Berlin lebte. Neben kleineren Werken schrieb sie mehrere Operetten sowie Musik für den Film und zählte zu den erfolgreichsten Operettenkomponistinnen ihrer Zeit. Ihre Familie wurde von den Nationalsozialist:innen verfolgt, ihre Kinder wurden u. a. nach Theresienstadt deportiert; nur wenige Nachkommen überlebten. Nach 1939 verlieren sich die Spuren von Rachel Danziger van Embden. Lange hieß es, dass auch sie auf einem der Transporte nach Theresienstadt gewesen sei. Jüngste Forschungen scheinen aber zu bestätigen, dass ihr gemeinsam mit einer weiteren Tochter die Flucht nach England glückte und sie dort 1946 verstarb.

Auf dem Programm der Summer School stehen Vorträge sowie Begegnungen mit der Geschichte der Gedenkstätte Theresienstadt, u. a. mit einer Führung durch das Gelände. Ausgerichtet wird die Terezín Summer Academy in Kooperation mit dem Terezín Composers’ Institute, geleitet von Prof. Dr. Lubomír Spurný (Masaryk-Universität Brno), und dem deutsch-tschechischen Projekt Musica non grata des Nationaltheaters Prag und der Botschaft der Bundesrepublik Deutschland in der Tschechischen Republik.

Weitere Informationen finden Sie unter musicanongrata.cz.