Die Jerusalemsynagoge in Prag

Der Rathausturm am Altstädter Ring ist leicht zu erklettern. Gegenüber liegt die Teynkirche, das Wahrzeichen von Prag, zu Füßen die Pracht an der Moldau, eine der schönsten Städte der Welt. Alt ist die Pracht,  die Besiedlung unterhalb der Burg begann bereits im 6. Jahrhundert, Jüdische und Deutsche Kaufleute kamen im 9. und 10. Jahrhundert. 1230 wurde Prag Residenzstadt des Königreichs Böhmen. Im 13. Jahrhundert entstand das Ghetto, die Judenstadt, in der die eingewanderten jüdischen Familien leben mussten.

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Wenn du erwachsen wirst…

Leo Steiner, geboren 1912, war der Star einer der berühmtesten Gesangsgruppen im Prag der 1930er Jahre. „Zlata hvezda“ (‚Goldener Stern‘) wurde oft mit den Comedian Harmonists verglichen. 1941 wurde er von der Gestapo verhaftet und von einem ordentlichen deutschen Gericht zum Tode verurteilt. Am 24. Februar 1942 wurde er in Dresden hingerichtet. Seine Tochter wurde genau einen Monat vor der Hinrichtung geboren. Er hat sie niemals gesehen. Im Herbst 1942 wurden Leos Frau Hanna und seine Tochter Jirina deportiert. Im Winter 1942/43 wurden beide in Auschwitz ermordet. Hanna war 31 Jahre alt, Jirina knapp ein Jahr…

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Drascha zur Paraschat Bechukotai

Diese eindrucksvolle Synagoge hat infolge tragischer Ereignisse des 20. Jahrhunderts lange geschwiegen. Es wurde hier nicht gesprochen.  Es wurde hier nicht gesungen. Es wurde hier nicht gebetet. Vor fünf Jahren habe ich hier allein gestanden. Es war ein trauriger Moment. Die Synagoge war leer und lautlos. Ich erinnere mich daran, dass ich damals davon träumte, hier die Kinderstimmen wieder zu hören. Vielleicht, dachte ich, wird es eines Tages passieren und vielleicht wird eine dieser Stimmen zu meinem eigenen Kind gehören. Wenn ich mich jetzt umsehe, denke ich an die Unterschiede zwischen dem Moment vor fünf Jahren und heute…

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Die Tuch-Redlichs – Geschichte einer jüdischen Fabrikantenfamilie

Wenn im Brünn der vorvergangenen Jahrhundertwende die Rede auf die Tuch-Redlichs kam, wusste jeder, wer gemeint war. Die bekannte, in der Tuchfabrikation tätige Familie war in der mährischen Hauptstadt allseits geschätzt, und wurde mit dieser Bezeichnung von einem anderen Familienzweig, der sich dem Zuckergewerbe verschrieben hatte, den Zucker-Redlichs, unterschieden. Die Tuch-Redlichs hatten im 19. Jahrhundert maßgeblichen Anteil am wirtschaftlichen Aufschwung der Stadt; doch der Lauf der Geschichte, der barbarische Zivilisationsbruch des 20. Jahrhunderts hat die Erinnerung an diese bedeutende jüdische Familie sowohl im lokalen als auch privaten Umfeld zerstört…

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