30. Januar 2023 – 90-jähriges Gründungsjubiläum der Kinder- und Jugend-Aliyah

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Die Kinder- und Jugend-Aliyah wurde am 30. Januar 1933, dem Tag der „Machtergreifung“ Hitlers, von Recha Freier, der Frau eines Rabbiners, in Berlin gegründet. Das einzigartige Kinderhilfswerk hat bis heute 512.000 jüdische Kinder aus aller Welt aufgenommen und in Kibbuzim und Jugenddörfern in Israel ein Zuhause und eine Ausbildung gegeben.

„Die Jugend-Aliyah ist nicht nur ein Mittel, um den von ihr betreuten Kindern die physische und seelische Gesundheit wiederzugeben, sondern auch den Glauben an menschliche Liebe und Würde.“
Albert Einstein über die Kinder- und Jugend-Aliyah

Gegründet wurde die Kinder- und Jugend-Aliyah zunächst mit dem Ziel, jüdische Kinder aus Deutschland vor der Bedrohung des NS-Regimes nach Palästina zu retten. Bald musste sie auch Kinder aus dem besetzten Österreich, Polen und der Tschechoslowakei – oft auf geheimen Wegen – herausholen. Nach dem Krieg galt es, Kindern, die den Holocaust überlebt hatten und nun meist elternlos waren, wieder Geborgenheit und ein Zuhause zu geben und die vielen Jahre verlorener Schulausbildung in Israel nachzuholen.

Als mit der Gründung des Staates Israel 1948 die große Einwanderung nach Israel begann, kamen neue Aufgaben auf die Kinder- und Jugend-Aliyah zu. Gruppen aus Indien, Bulgarien, arabischen und nordafrikanischen Ländern, Ungarn, Rumänien, der Sowjetunion und den GUS-Staaten, dann auch aus Äthiopien mussten aufgenommen werden. Wo immer die Situation eines Landes ein normales jüdisches Kinder- und Jugendleben unmöglich machte, wurde und wird sie aktiv. Auch zahlreiche Kinder, die aus den Kriegsgebieten der Ukraine flüchten mussten, bietet die Jugend-Aliyah ein Zuhause in ihren Jugenddörfern.

Für die Kinder, die aus den unterschiedlichsten Kulturen und Hintergründen kommen, entwickelt die Kinder- und Jugend-Aliyah stets neue, pädagogisch innovative Programme, um den Bedürfnissen der Kinder gerecht zu werden und ihnen die Integration zu ermöglichen. Dies bedarf eines hohen Einsatzes an therapeutischen, wissenschaftlichen und technologischen Maßnahmen sowie der Entwicklung individueller Methoden für die Gestaltung der Jugenddörfer und der pädagogischen Betreuung.

Gegenwärtig leben rund 22.000 Heranwachsende im Alter von 12 bis 18 Jahren in 216 Einrichtungen der Jugend-Aliyah; darunter sind auch 55 jüdische Jugendliche aus Deutschland, die ohne ihre Eltern in Israel sind.

Heute sind viele der betreuten Kinder bereits in Israel geboren, Kinder von Neuzuwanderern oder gebürtigen Israelis, oft Halbwaisen, oder kommen aus schwierigen Verhältnissen.

Das Ziel der Kinder- und Jugend-Aliyah, die heute zum israelischen Erziehungsministerium gehört, auch in Zukunft jüdischen Kindern aus allen Teilen der Welt und israelischen Kindern die Chance zu geben, ein Haus und Heim zu haben, eine Ausbildung zu erhalten und freie und tolerante Menschen in einer integrierenden Gemeinschaft zu werden.

Das Deutsche Komitee der Kinder- und Jugend-Aliyah als unabhängiger, gemeinnütziger Verein steht mit zahlreichen Projekten den in den Jugenddörfern in Israel betreuten Kindern zur Seite. Ein Schwerpunkt unseres Engagements sind bilaterale Ausbildungs- und Begegnungsprojekte mit Deutschland.

Im Rahmen des Jubiläumsjahrs planen wir verschiedene Aktivitäten, u.a. eine Tagung in Kooperation mit der Jüdischen Akademie, Zentralrat der Juden in Deutschland, ein gemeinsames Konzert mit einem Kammerensemble der Jugend-Aliyah aus Israel und der Bayerischen Philharmonie. Dazu kommen zwei Jugendbegegnungsprojekte auf den geschichtlichen Spuren der Jugend-Aliyah in Deutschland und Israel, eines davon mit Umsetzung im künstlerischen Bereich.

Mehr unter: https://kiju-aliyah.de/

Bild oben: Die erste Gruppe der Kinder- und Jugend-Aliyah auf dem Weg zum Kibbutz Ein Harod. Foto: Zoltan Kluger, National Photo Collection of Israel, D842-065

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