Theodor Herzl – Staatsmann ohne Staat

Theodor Herzl, der heute vor 162 Jahren geboren wurde, ging als Begründer des modernen politischen Zionismus in die Geschichte ein. In Israel als „Prophet des Staates“ verehrt, legte er durch seine kluge und unermüdliche Agitation den Grundstein für die Zionistische Bewegung als politische Kraft. Viele Biographien wurden über Herzl geschrieben. Dass noch immer nicht alles gesagt ist, zeigt der in Harvard lehrende Historiker Derek Penslar mit seiner jetzt auf Deutsch erschienenen sehr lesenswerten Biographie.

Penslar zeichnet Herzls Weg nach, von Budapest nach Wien über Paris zurück nach Wien, und zeigt ihn dabei als den komplizierten Menschen, der er offenbar war. Dabei bleibt Penslar stets sachlich und versteigt sich nicht in psychologische Vermutungen – und ja, auch solche Biographien hat es zu Herzl schon gegeben.

Penslar lässt die Quellen sprechen, neben Herzls eigenen Schriften, Tagebucheinträgen und Briefen, auch immer die andere Perspektive, die manchmal ein anderes Bild zeichnet. Oft gilt es dabei, einen Widerspruch zwischen Mythos und Realität zu entlarven. Penslar zeigt neben den politischen Agitationen Herzls immer auch seine privaten Verbindungen und Konflikte, ein Aspekt, der in früheren Biographien deutlich zu kurz kam. 

Das englische Original trägt den passenderen Untertitel als die deutsche Übersetzung: „The Charismatic Leader“. Denn Herzls Charisma war einer der entscheidenden Faktoren für seinen Erfolg. Herzl war schon zu Lebzeiten zu einem Symbol geworden, das die unterschiedlichsten Gruppen vereinen konnte. Als solches wurde es dann von der Zionistischen Bewegung auch bewusst genutzt.

Alle Aspekte aus Herzls Leben und Persönlichkeit sind gut erforscht. Penslar schafft es trotzdem die Stränge von Herzls vielschichtiger Biographie zu einem spannenden neuen Bild auf den Staatsmann und die Legende Herzl zu verbinden. Unbedingte Leseempfehlung.

Derek Penslar, Theodor Herzl: Staatsmann ohne Staat. Eine Biographie. Aus dem Englischen übersetzt von Norbert Juraschitz, Wallstein Verlag 2022, 256 S., Euro 24,00, Bestellen?

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