Meine jüdischen Autobiographien

Dieses Buch stellt die Autobiographien von 364 jüdischen Autoren und Autorinnen vor. Sie sind zwischen 1833 und 1963 geboren. Sie beschreiben im Kontext ihres Lebens die großen jüdischen Hoffnungen und Enttäuschungen im Zeitalter der Emanzipation und im 20. Jahrhundert die beiden größten historischen Ereignisse der jüdischen Geschichte, die Shoah und die Gründung des Staates Israel.

Aufgenommen wurden Autobiographien von Personen jüdischer Herkunft oder jüdischen Glaubens, die ihr Leben kontinuierlich und ausführlich darstellen. Wichtig für die Auswahl war, dass nicht nur die berufliche Karriere, sondern auch die familiäre Herkunft und das persönliche Leben beschrieben werden und dass eine Auseinandersetzung mit der jüdischen Identität oder mit einem positiv gelebten religiösen oder säkularen Judentum stattfindet.

Zurückgreifend auf eine viele Jahre lange Lektüreerfahrung und Sammlungstätigkeit beschreibt Evelyn Adunka die Autobiographien nicht ausschließlich werkimmanent; sie hat auch begleitende Materialien (Rezensionen, Nachrufe, Lexikaeinträge, Biographien, Briefausgaben etc.), soweit vorhanden, eingesehen und eingearbeitet.

Das Buch zeigt damit die Vielfalt jüdischer Identität und jüdischer Schicksale und zahlreiche Beispiele gelungener Lebensbeschreibungen der unterschiedlichsten Orte und Milieus.

Evelyn Adunka: Meine jüdischen Autobiographien. Eine Leseverführung und subjektive Auswahl. Wien: Verlag der Theodor Kramer Gesellschaft 2021, 616 S., Euro 30,00. Bestellbar über: theodorkramer.at oder office@theodorkramer.at

LESEPROBE AUS DEM VORWORT
von Evelyn Adunka

Dieses Buch beschreibt in chronologischer Abfolge Autobiographien von 364 jüdischen Autoren und Autorinnen (284 Männern und 79 Frauen) aus über 20 Ländern von den Geburtsjahren 1833 bis 1963. Die Auswahl ist subjektiv und erhebt keinerlei Anspruch auf Vollständigkeit. Sie beruht auf jahrelangen Lektüren und einer langen Sammlungstätigkeit.

Eine rasche Übersicht der besprochenen Bücher bietet eine alphabetische Liste der VerfasserInnen am Ende des Buches.

Aufgenommen wurden Autobiographien von Personen jüdischer Herkunft oder jüdischen Glaubens der letzten beiden Jahrhunderte, die ihr Leben zusammenhängend und ausführlich beschreiben. Wichtig für die Auswahl war, dass nicht nur die berufliche Karriere, sondern auch das persönliche und private Leben beschrieben werden, und dass eine Auseinandersetzung mit der jüdischen Herkunft oder mit einem positiv gelebten religiösen oder kulturellen Judentum stattfindet.*

Historisch lassen sich die vorgestellten Autobiographien in drei Gruppen einteilen: Bei den Geburtsjahrgängen im 19. Jahrhundert steht der Bruch mit den früheren Loyalitäten und religiösen Traditionen verbunden mit dem Generationenkonflikt und einem weitgehend noch ungebrochenen Fortschrittsglauben im Vordergrund. Bei den folgenden Generationen am Beginn des 20. Jahrhunderts steht nach dem Scheitern der Assimilation die Suche nach neuen Identitäten im Zionismus oder Sozialismus im Mittelpunkt; mit dem Ersten Weltkrieg beginnt ein erstes Krisenbewusstsein. Die Autoren der dritten Gruppe sind von den beiden größten historischen Ereignissen der jüngeren jüdischen Geschichte, der Shoah und der Gründung des Staates Israel, geprägt und beschreiben damit ihre je eigenen Überlebensgeschichten und Positionierungen.

Die vorgestellten Bücher geben damit nicht nur Einblicke in individuelle Lebensgeschichten, sondern entfalten auch ein vielgestaltiges, faszinierendes Panorama des jüdischen Lebens der Diaspora und Israels.

Die autobiographischen Zeugnisse über die Verfolgungen in der Shoah sind ein wichtiger Teilbestand jüdischer Autobiographien des vorigen Jahrhunderts. Sie sind in ihrer Menge unüberschaubar und eine eigene Literaturgattung. Bis auf wenige Ausnahmen wurden sie nicht berücksichtigt. Auf ein besonders lesenswertes, nicht zufällig auch weit verbreitetes Beispiel dieser Zeugnisse sei an dieser Stelle aber verwiesen: Alicia Appleman: Alicia. Überleben, um Zeugnis zu geben (1989). Das Buch ist nicht nur ein genauer Bericht über die Grausamkeiten der Shoah in Polen, sondern beschreibt auch überaus eindrucksvoll viele Akte jüdischer Sensibilität, Humanität und mutigen Handelns. 

* Siehe auch: Evelyn Adunka: Was ist eine gute jüdische Autobiographie? Einige persönliche Anmerkungen. In: Lebensspuren. Autobiografik von Exil, Widerstand, Verfolgung und Lagererfahrung. Hg. von Konstantin Kaiser, Irene Nawrocka, Corina Prochazka und Marianne Windsperger. Wien: Verlag der Theodor Kramer Gesellschaft 2020, S.57-68.

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