Israel zieht die Corona-Notbremse

Israel schien die Corona Krise lange Zeit vorbildlich zu meistern. Mit strikten Maßnahmen konnte die Zahl der Infektionen relativ gering gehalten werden und auch die Anzahl der Todesfälle in Folge einer Corona-Infektion blieb niedrig. Diesen Vorsprung hat Israel in den vergangenen Wochen verspielt und auch das Mutmaßen über die zweite Welle hat ein Ende – das Land steckt schon mittendrin…

Bis auf gut 1600 aktive Fälle war die Zahl der Infektionen zurückgegangen als in Israel die Restriktionen weitgehend gelockert wurden. Der Schulbetrieb wurde wieder aufgenommen, zunächst mit später ohne Klassenteilung, Restaurants, Bars, Fitnessstudios und Schwimmbäder öffneten, zuletzt auch Nachtclubs und Event Locations. Ergebnis: Derzeit gibt es um die 1000 Neuinfektionen täglich und ein Allzeithoch von mehr als 12.300 aktiven Fällen. Aus dem Gesundheitsministerium hieß es heute, dass Israel im weltweiten Vergleich einen den stärksten Anstiege von Neuinfektionen im Vergleich zur Vorwoche aufweist.

Wir sind nur einen Schritt von einem erneutem vollem Lockdown entfernt, sagte denn auch Premier Netanyahu bei einer Kabinettssitzung zur Beratung der Lage am Montag Nachmittag. Beschlossen wurde eine Reihe von Einschränkungen, die vor allem jene schwer trifft, die bereits jetzt ums geschäftliche Überleben kämpfen.

Nachtclubs, Fitnessstudios und Schwimmbäder bleiben ab sofort wieder geschlossen. Restaurants dürfen im Innenbereich lediglich 20, im Außenbereich 30 Gäste bewirtschaften. Alle öffentlichen Zusammenkünfte sind auf 20 Personen begrenzt. Sportveranstaltungen müssen ohne Publikum ausgetragen werden. Die Sommerschulen für die Klassen 1-4 werden weitergeführt, Ferienbetreuungen ab der 5. Klasse dagegen nicht. Busse dürfen ab sofort nur noch 20 Passagiere befördern, mit offenen Fenstern und ohne Klimaanlage. Mindestens 30% der Beschäftigten im öffentlichen Sektor müssen von zu Hause aus arbeiten.

Geöffnet bleiben dagegen die Synagogen, wobei die Anzahl der Betenden von derzeit 50 auf 19 Personen beschränkt wurde, ein Kompromiss zwischen dem ultraorthodoxen Innenminister Deri und dem restlichen Kabinett.

Bestehen bleibt natürlich die Maskenpflicht im öffentlichen Raum, sowohl in geschlossenen Räumen wie auch draußen. Die Strafe für Nichttragen einer Maske wurde auf 500 NIS, also etwa 135 Euro, erhöht.

Wie genau die zweite Welle ausfällt, werden die kommenden Wochen zeigen. Dann wird man sehen, wie stark die Zahl der Intensivpatienten steigt. Und vielleicht kann man in einigen Wochen auch bereits sehen, ob Israel durch unkluge Politik tatsächlich zum Negativbeispiel wurde oder ob das Land vielleicht ganz einfach alles nur ein wenig schneller abhakt und die zweite Welle auch in Europa Einzug hält.

Bild oben: Ein Mitarbeiter von Magen David Adom im Corona-Schutzausrüstung, (c) Talmoryair, wikicommons

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