Hanau

Ein Angriff auf die Demokratie, gar ein neuer „Aufstand der Anständigen“? Während es betroffene Worte regnet, wollen wir der Opfer gedenken…

Die Namen der Opfer sind noch nicht alle bekannt. Zwischen 21 und 44 Jahren alt sollen sie sein.
In einem Instagram-Account  werden einige erinnert.

Ferhat Unvar
Gökhan Gültekin
Hamza Kurtović
Said Nessar El Hashemi
Mercedes Kierpacz
Sedat Gürbüz
Kaloyan Velkov
Fatih Saraçoğlu
Vili Viorel Păun

Auch die Mutter des Attentäters gehört zu den Opfern.

Lasst uns die Opfer erinnern, nicht den Täter.

לכל איש יש שם
Jeder Mensch hat einen Namen.

 

Zentralrat Deutscher Sinti und Roma 

Der Zentralrat Deutscher Sinti und Roma ist tieferschüttert über den rassistischen Mord an neun Menschen in Hanau. Wie sich jetzt bestätigt, ist unter den Opfern des Mordanschlags in Hanau auch mindestens eine junge Romni, die als deutsche Staatsbürgerin Angehörige der nationalen Minderheit war. Möglicherweise befindet sich auch ein junger Sinto unter den Opfern. Auch unter den anderen Opfern und den Verletzten des Anschlags könnten sich weitere Angehörige der Minderheit befinden.

Der Vorsitzende des Zentralrats Deutscher Sinti und Roma, Romani Rose, erklärte : „Der Zentralrat und alle Sinti und Roma in Deutschland trauern mit den Angehörigen um die ermordete junge Frau, die Mutter von zwei Kindern. Wir trauern um sie und um alle Opfer dieses rechtsterroristischen Anschlags.“

„Dieser Anschlag zeigt, daß der Haß, den Rechtsextremisten und deren politische Vertreter seit langem gegen Minderheiten sähen und der in den rassistischen Internet-Foren sich immer mehr verstärkt, tödlich ist. Wie schon bei dem rechtsradikalen Anschlag auf das Olympia-Einkaufszentrum (OEZ) in München im Juli 2016 sind auch in Hanau Angehörige unserer Minderheit unter den Opfern. Der Generalbundesanwalt und alle Polizeibehörden – gerade auch in Hessen – sind aufgefordert, mit allen rechtsstaatlichen Mitteln endlich konsequent gegen Rechtsextremisten vorzugehen. Dies muß auf allen Ebenen geschehen“, so Rose weiter.

Für den Zentralrat Deutscher Sinti und Roma zeigt dieser mörderische Anschlag auf brutale Weise auf, wie weit die Hemmschwelle unter Rechtsradikalen und Rassisten gesunken ist, auch dadurch, daß demokratische Parteien der AfD immer mehr Raum geben und damit die Abgrenzung zu den Extremisten auch innerhalb der AfD unterlaufen wird. „Der rechtsradikale Terror zielt auf die Sicherheit und das Zusammenleben in Deutschland, um damit Rechtsstaat und Demokratie zu zerstören“, so Rose.

Zentralrat der Juden in Deutschland

Erschütterung über Bluttat in Hanau – Demokratische Kräfte stehen in gemeinsamer Verantwortung im Kampf gegen Rechtsextremismus

Die offenbar rechtsterroristische Bluttat in Hanau hat die jüdische Gemeinschaft tief erschüttert. Dazu erklärt der Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, Dr. Josef Schuster:

„Wir sind in Gedanken bei den Opfern. Unser tiefes Mitgefühl gilt ihren Angehörigen und Freunden. Den Verletzten wünschen wir rasche Genesung!
Es ist davon auszugehen, dass der Täter bewusst Menschen mit Migrationshintergrund treffen wollte. Nach der Mordserie des NSU zieht sich wieder eine rechtsextreme Blutspur durch Deutschland: die Ermordung des Kasseler Regierungspräsidenten Walter Lübcke im Juni vergangenen Jahres, der Anschlag in Halle an Jom Kippur und jetzt die Morde in Hanau. Es stellt sich die besorgniserregende Frage, wie sicher Minderheiten und Menschen, die sich für sie engagieren, noch in Deutschland leben können.

Zu lange ist die Gefahr durch den wachsenden Rechtsextremismus verharmlost und vernachlässigt worden. Polizei und Justiz scheinen zudem häufig auf dem rechten Auge eine Sehschwäche zu haben.

Das rächt sich jetzt. Für alle betroffenen Menschen ist dies eine besonders bittere Erkenntnis. Es ist überfällig, dass alle demokratischen Kräfte zusammenstehen, um die Bedrohung durch den Rechtsextremismus und weiterhin auch durch islamistischen Terror einzudämmen. Politik, Strafverfolgungsbehörden, Justiz und Zivilgesellschaft stehen dafür in der Verantwortung.“

Zum Thema:
Bewaffneter Arm der völkischen Bewegung

„Die Frage ist, warum sich diese Fälle nun so häufen. Die Antwort ist alles andere als beruhigend: Diese Leute schlagen zu, weil sie sich nicht mehr allein fühlen. Jahrelang erlebten sie sich als einsame Wölfe, ihre abseitigen Ideen wurden von ihren Freunden nicht ernst genommen, ihre Familien versuchten, sie zu beruhigen. Nun aber erleben sie, wie das völkische Gedankengut immer mehr in die Gesellschaft eindringt, wie es gesellschaftsfähig wird. Und sie fühlen sich plötzlich nicht mehr als verrückt, verschroben oder allein, sondern als wichtig: quasi als militärischer Arm einer völkischen Bewegung.“

Video des mutmaßlichen Täters – Verschwörungsmythen und Rassismus
Vor fast einer Woche postete Tobias R. im Netz ein Video, in dem er auf Englisch sagte, es sei Zeit zum Kämpfen. Auf seiner Website veröffentlichte er zudem eine Erklärung voller Rassismus und Verschwörungsmythen…

 

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