Schoah: Für viele Überlebende geht es noch immer ums Überleben

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Ido Dueiv ist ein guter Mensch. Vor ungefähr zehn Tagen, am 25. November, ging er in Beer Sheva spazieren, einer Stadt im Süden Israels. Es war ein kühler Abend und der Regen goss in Strömen auf ihn herunter und auf die Frau, der er plötzlich begegnete. Sie saß dort alleine im Regen und als sie Ido bemerkte, bat sie ihn, ihr die Treppen zu ihrer Wohnung hinauf zu helfen…

Roy Siny

Ido  war dazu selbstverständlich bereit, aber er war ganz sicher nicht auf das vorbereitet, was ihn beim Betreten der Wohnung erwarten sollte.  In einem Brief an den Bürgermeister von Beer Sheva beschrieb er seine Eindrücke wie folgt:“Es ist schwer den Zustand dieser Wohnung in Worte zu fassen. Urin und Exkremente überall. Keine Elektrizität, kein fließendes Wasser. Die Wohnung einer 80 Jahre alten Frau, einer Holocaust-Überlebenden, einer Auschwitz-Überlebenden.“

Ein Foto, das Ido in der Wohnung aufnahm, illustriert seine Beschreibungen:

Ido ließ es nicht bei einem Brief an den Bürgermeister bewenden. Am nächsten Tag brachte er eine Handvoll Freunde mit und reinigte die Wohnung. Aber Schande ist wesentlich schwieriger wegzuwischen als Scheiße. Dieser kleine Ausschnitt ist nur eine Momentaufnahme aus dem Leben vieler Holocaust-Überlebender.

Dieser Blogbeitrag will sich nicht im Detail mit Netanyahu’s Wirtschafts- und Sozialpolitik auseinandersetzen, aber ich möchte gerne auf eine Geschichte näher eingehen. Eine Geschichte, die eigentlich alles sagt:

Am 5. November diesen Jahres, nur eine Woche bevor das nächste Gaza-Unternehmen begann, verabschiedete die Knesset ein neues Gesetz, das auch unter der Bezeichnung „Trapped Profits Bill“ bekannt ist. Dieses Gesetz war nötig, um einigen großen Konzernen Steuern in Höhe von ungefähr 30 Milliarden Schekeln (etwa 6 Milliarden Euro) zu ersparen.  Der Plan war einfach: Große Konzerne sollten durch großzügige Steuererleichterungen ermutigt werden, ihre Investitionen in Israel zu erhöhen.

Doch statt ihre Investitionen zu steigern, entschieden sie sich, das Geld einfach so für sich einzustreichen, Geld israelischer Steuerzahler. Die Sache war nur, dass dies nur in Form von Dividenden möglich war oder durch Transfer ins Ausland. In beiden Fällen hätten sie jedoch Steuern zurückzahlen müssen in Höhe der Steuervorteile, die sie erhalten hatten.

Über fünf Monate hinweg waren die Konzern-Lobbyisten deswegendamit beschäftigt, ausreichend Stimmen in der Knesset einzukaufen, damit bei Einbringung des Gesetztes durch den Finanzminister Schteinitz , das Abstimmungsergebnis zum Vorteil der Unternehmen ausfiele.  Und es funktionierte. Statt einer Zahlung von ungefähr 27 Milliarden Schekel, kamen sie mit nur 3 Milliarden davon.  Und das alles während der israelische Staat ein Haushaltsdefizit von etwa 14 Milliarden verzeichnet.

Aus der Asche der Schoa haben wir zwei Lehren gezogen: Wirbrauchen den Staat Israel und eine starke Armee zu dessen Schutz“, sagte Netanyahu während seines Besuchs in Deutschland. Er weigert sich immer wieder zu verstehen: weit mehr als eine starke Armee und einen Staat der seine Grenzen immer weiter auf Gebiete ausdehnt, die ihm nicht gehören, braucht Israel eine starke Gesellschaft. Netanyahu’s Prioritäten liegen weiterhin darauf, ein modernes Sparta im Nahen Osten heranzuziehen. Ein Land das das Schwert vorzieht gegenüber Bildung, Gemeinwohl und Frieden.

Bevor Netanjahu das Recht verdient, mit seinen magischen Holocaust-Karten zu winken in Deutschland, den USA und überall, wo er hinreist, sollte er den israelischen Holocaust-Überlebenden in die Augen schauen und ihnen erklären, warum 3.000 Häuser in den Siedlungen wichtiger sind als das Essen, das sie sich nicht leisten können. Bevor er es wagt von zwangsläufigen Sozialkürzungen aufgrund von wachsenden militärischen Erfordernissen zu sprechen, sollte er in der Lage sein, diesen Menschen zu erklären, warum die Profite großer Konzerne wichtiger sind als 1.838.600 Israelis, die in Armut leben, unter ihnen 868.900Kinder.

http://levwahrheit.blogspot.de/

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Übersetzung von Britta Lenz
pitria.com/ido-dueiv

3 Kommentare

  1. Der Vater von Avram Grant/Trainer hat ja auch Auschwitz überlebt,seine Familie im Holocaust verloren und sie mit eigenen Händen begraben.(lt. seinem Sohn Avram Grant)War ein großer Artikel im Propagandahetzblatt Daily Mail und das britische Team war pflichtschuldigst betroffen.Allerdings wurden die Grant/Granats Anfang 40 von den Bolschewiken nach Sibirien/Kolyma deportiert.Eine Familie unter Millionen übrigens,die mit Viehwaggons in die innere Sovietunion gebracht wurden.Begun/Begin war z.B. nur einige Monate in einem Gulag,ehe er sich nützlich für die bolschewistisch-zionistische Agenda in Palästina einbringen durfte.Was Yad Vashem aus dem Ort,Art und Zeitpunkt des Todes gemacht hat,kann jeder Anhänger der sakrosankten Offenkundigkeit selbst recherchieren.Ich habe jedenfalls beinahe gekotzt.

  2. Schlimmer wird das ganze noch, wenn man weiss, dass doch so einige Mit-/Täter ein wunderschönes Leben in Wohlstand und voller Ehre mitsamt höchsten Auszeichnungen/Orden genossen haben und bestenfalls post mortem eine rudimentäre Klarstellung erfolgte wie z.B. beim ehem. Konstanzer Bürgermeister Bruno Helmle
    http://uninews-online.de/2012/05/23/uni-konstanz-entzieht-dr-bruno-helmle-die-ehrensenatorenwuerde/
    Das dies möglich war und ist lässt für mich auf ein weitreichendes Netz von Unterstützern schliessen (Irgendeiner von ehem. Kollegen muss doch genau gewusst haben, wer welche Rolle wo gespielt hat), wenn öffentliche (!!) Personen des 3ten Reichs weiterhin öffentlich tätig blieben.
    All diese Dinge lassen den Glauben an viele Menschen und deren Interpretation von Gerechtigkeit mehr als erschüttern.
    Aber drängender als das offenkundliche, irreversible, menschliche Versagen ist nun die Frage, was tun wir nun und morgen? Denn das sind die einzigen Zeitstränge, die wir noch beeinflussen können, um wenigstens ansatzweise etwas von dieser schreienden Ungerechtigkeit, abzumildern.

  3. Ist Schande, dass so etwas hier möglich ist, es aber hat nichts zu den Siedlungen. Warum fragen Sie nicht, wieso ist es wichtiger, die Auszahlungen an Abbas und seine Bande weiterzuzahlen, wo sie ihre Kinder im Hass erziehen, als diese Gelder an all die armen „unserer Stadt“ zu richten. Wir brauchen die Siedlungen, damit es nie wieder Holocaust gäbe, genauso wie wir dafür auch eigenen Staat brauchen. Und es geschieht immer so: Wer mild ist mit den Grausamen, wird grausam sein mit den Milden. Der Staat Israel ist mild mit Arabern und grausam mit Schoahüberlebenden.

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