Der Mann, der wie das Paradies heißt: „The Big Eden“

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»Ich gefalle mir.« Der Mann ist mit sich selbst im Reinen. Morgens guckt er erst einmal, ob über ihn auch etwas in der Zeitung steht. Ein Tag, an dem das nicht der Fall ist, ist kein schöner Tag für Rolf Shimon Eden. In seinem nun schon über 81 Jahre langen Leben hat er aber viele schöne Tage erlebt…

KINO
»The Big Eden«: Dieter Dörflers kurzweiliges Filmporträt des einstigen West-Berliner Partykönigs Rolf Shimon Eden
von Rüdiger Suchsland

Die sind auch gut dokumentiert, denn schon lange vor Erfindung der Digitalkamera hat Eden viele Meter Super-8-Film verbraucht; man sieht auf ihnen jede Menge schöner Frauen, leere Gläser in Berliner Nächten, viel Neon, Kitsch und vor allem Rolf Eden selbst. Davon profitiert Peter Dörflers Dokumentation The Big Eden, ein außerordentlich kurzweiliges Porträt des einstigen West-Berliner »Partykönigs«. Diese Woche läuft der Film in den Kinos an.

[youtube]http://www.youtube.com/watch?v=VXZtsXZRx20[/youtube]

DISCO

Der junge Rolf Eden revolutionierte einst das West-Berliner Nachtleben, machte zwischen Planschbeckentänzen und Nackt-DJs schon in den 50er-Jahren alles, womit andere erst 20 Jahre später anfingen, und erfand quasi im Alleingang die Disco. Zwischen 1964 und 1984 war er mit seinen vier, fünf »Edens« der Herrscher des Berliner Nachtlebens.

Von den Rolling Stones bis zu Richard von Weizsäcker ließ sich die Prominenz nicht lange bitten, wenn Eden rief. Dann ging es zunehmend bergab mit dem Disco-Geschäft – was dem Herrn persönlich aber nicht geschadet hat, denn er konnte gut verkaufen und besitzt bis heute mehr als ein Dutzend Immobilien in besten Lagen.

All das zeigt und erzählt der Film höchst vergnüglich. Wenn es gegen The Big Eden überhaupt etwas einzuwenden gibt, dann, dass er sich etwas zu sehr auf die Seelenerforschung seiner Hauptfigur konzentriert, wo man lieber mehr darüber erfahren hätte, was ein Ort wie das »Big Eden« zu seiner Zeit eigentlich alles genau repräsentierte.

Ein bisschen mehr Sittengeschichte West-Berlins hätte man sich schon gewünscht. Mehr als einmal ertappt sich der Zuschauer immerhin bei der nostalgisch-rhetorischen Frage, was nur aus Berlin geworden ist. Die Aufgeräumtheit, die neue Ordnung, die Berlin in den letzten Jahren auszeichnet, hat den Partys nicht unbedingt genutzt. Es gibt kaum noch alte Stasi-Büros, die sich als Lounge-Bar eignen, oder ehemalige VEBs, die man für einen Abend zum Partystandort umfunktionieren könnte. Und die letzten besetzten Häuser wurden passend zum Wahlkampfauftakt im Frühjahr vom rot-roten Senat geräumt.

HAGANA

Davon abgesehen, gelingt Dörfler in The Big Eden aber viel, nicht zuletzt Passagen, in denen klar wird, dass selbst Rolf Edens Leben nicht nur eine einzige Party war: 1930 in Berlin geboren, musste seine Familie 1933 nach Eretz Israel emigrieren. Schon mit 16 Jahren schloss der junge Eden sich dort der Palmach an, einer Elitetruppe der jüdischen Untergrundarmee Hagana, die, nachdem sie im Weltkrieg an der Seite Englands gegen die Nazis gekämpft hatte, nun unter dem Kommando von Yitzhak Rabin gegen die Briten für Israels Unabhängigkeit kämpfte. »Ich bezweifle, dass Du das Leben wirklich so leicht nimmst«, sagt im Film ein alter Palmach-Kamerad seinem Freund.

Anfang der 50er-Jahre kehrte Rolf Eden nach Berlin zurück. Er sei dort damals der einzige Jude gewesen, »der sich nicht als Opfer fühlte«, erinnert sich der Playboy. Er habe alle glücklich gemacht, auch die Nazi-Täter und ihre Mitläufer, mit Spiel, Sex und Spaß.

HEDONISMUS

»Nach dem Tod gibt’s nichts mehr, deswegen will ich bis dahin jede Sekunde schön leben.« Mit guter Laune, ansteckendem Optimismus und einer entwaffnenden Ehrlichkeit spricht Rolf Eden vieles aus, was andere sich nicht mal zu denken trauen. So ist Dörflers Film ein Plädoyer für den Hedonismus seines Helden.

Auch die verlassenen Frauen Edens und die sieben Kinder aus sieben Beziehungen, die man im Film kennenlernt, sprechen größtenteils gut über ihn, und manche erstaunlich hellsichtig: »Er hat keine Chance, seiner Rolle zu entkommen«, sagt etwa der 13-jährige jüngste Sohn, und mehrere Verflossene sind sich einig, dass Eden ein in der Pubertät stecken gebliebener großer Junge ist. Das Leben des Mannes, der wie das Paradies heißt, zeigt allerdings, dass es nicht unbedingt erstrebenswert sein muss, erwachsen zu werden.

Ersch. i.d. Jüdischen Allgemeinen – KULTUR, 13-12-2011

6 Kommentare

  1. http://www.youtube.com/watch?v=YmOF2reGbo0
     
    Bitte, ja, er hat seine Haare noch.
     
    Was meinte ich mit „Schneeballsystem des Bewusstseins“?
    Um hierzu keinen ellenlangem Sermon zu produzieren googelte ich nach „Rolf Eden“ auf der Suche nach Interviews.
     
    http://www.zeit.de/2011/50/Big-Eden
     
    passend zum Film, insbesondere die Seite 2 mag dazu angetan sein,
    sich einer möglichen Antwort anzunähern.
     
    Aber was soll das alles?
    Rolf ist unsterblich.
    Also doch nüscht mit Schneeballsystem.
     

  2. Nee, kenne ich nicht. Wie heisst denn das Lied?
    Das andere verstehe ich nicht.
    Was für ein Schneeballsystem?
    Eden hat seine Clubs in werthaltige Immobilien ungewandelt und macht den Berliner Hugh Hefner.
    Er jammert nicht rum und die Damen werden alle sozial versorgt, mit monatlichen finanziellen Zuwendungen und Wohnraum, eben nach Leistung, ones bekommen Geschenke, Affairen wird auch geholfen, Kindsmütter werden dauerhaft finanziell abgesichert.
    Ist doch kein schlechtes Sytem? 
    Die Damen wussten vorher das Eden eine Popcornmaschine ist.
    Ich meine er hält sich doch wacker für Ü80, lebt sein Leben in Berlin, liebt Israel, und macht was er will.
    Ist doch gut so!?

  3. Wer mäkelt denn?
    Kennen Sie das (entsprechende) Lied nicht?
    Aber:
    Außenstehende sehen zumeist nur das Positive auf der „anderen Seite“.
    Und:
    Ein mögliches „Schneeballsystem“ des Bewusstseins ist begrenzt.
    Je größer das „Scheeballsystem“, (mir fällt gerade nichts Besseres ein)
    desto tiefer der Fall.
    Dies ist keinem zu wünschen. 

     

  4. Wieso? Für Ü80 hält er sich topp. Klar, er hat eine Profilneurose, aber warum nicht?
    Er ist Berliner Jude und Israeli, einer der für sein Land gekämpft und fast sein Leben verloren hat, einer der wirtschaftlich in Berlin erfolgreich seine Familie großzügig in Israel unterstützt, der eben nicht rumjammert und in der Holocaustmania versinkt.
    Er kann Vorbild sein für viele. Klar man kann auch viel an ihm kritisieren, das mit den Hühnern, bloss wie scheint sie die alle mehr als zufrieden mit ihm.
    Also ich finde ihn gut, da nun an den Socken zu mäckeln ist quatsch.

  5. Ja, Rolf Eden ist lustig. Eben ein echter Berliner mit allen Macken.
    Aber er repräsentiert eben nur das alten Westberlin, ein Relikt aus einer Zeit die es so nicht mehr gibt. Aber alle mögen ihn immer noch, er lässt auch nichts aus, sobald sie einen kommerziellen Club oder Bar aufmachen sitzt er da schon…
    Der Knut der kommerziellen Ausgehkultur von Berlin.

    Mit der heutigen Club- Kulturszene hat er aber nixs zu tun.

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