Kibbuz und Bauhaus

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In einer großen Ausstellung zeigt die Stiftung Bauhaus Dessau erstmals, wie ehemalige Bauhäusler maßgeblich an der modernen Kibbuz-Architektur in Palästina/Israel mitgewirkt haben…

Kibbuz, diese weltweit einmalige Form kollektiven Zusammenlebens hat ihren Ursprung in der europäischen Jugendbewegung und der zionistischen Vision junger Juden auf eine neue, eigene Existenz im gelobten Land. Ausgebildet in Europa für die schwere Pionierarbeit zur Urbarmachung des Landes, zogen sie in Migrationswellen nach Palästina. Unter diesen Bedingungen wurde vor 100 Jahren in Degania der erste Kibbuz gegründet. Das Motto des Kollektivs lautet: „Jeder gibt nach seinen Möglichkeiten und erhält gemäß seinen Bedürfnissen.“ Die Einführung der Ausstellung zeichnet die Utopien und Realitäten dieser Entwicklung anhand von konkreten Kibbuzim auf.


Anfänge des ersten Kibbuz Degania, gegründet 1910. Archiv Degania, Foto: unbekannt

Junge Architekten und Planer wie Richard Kauffmann und Samuel Bickles brachten die Ideale und Methoden des Neuen Bauens aus Europa nach Palästina und prägten nachhaltig die Planung und Formensprache der Kibbuzim. Ein neues Bauen für den neuen Israeli im neuen Land. Umgekehrt zog es in der zweiten Hälfte der 1920er Jahre werdende Architekten wie Arieh Sharon und Shmuel Mestechkin für ihre weitere Ausbildung von Palästina zurück nach Europa. Sie gingen an das Bauhaus in Dessau. Die Ideale des Kibbuz’ und des Bauhauses fanden zu einer einmaligen Synthese. Andere junge Bauhäusler wie der Architekt Munio Weinraub gelangten auf der Flucht vor der NS-Verfolgung nach Palästina. Anhand von ausgewählten Biografien werden in der Ausstellung die Lebenswege der Bauhäusler zwischen Europa und dem Orient aufgezeigt.


Speisesaal, Kibbutz Mechavia in den 1930 Jahren, Architekt: Richard Kauffmann, Foto: unbekannt

Der dritte Teil der Ausstellung stellt anhand von Bild- und Planmaterial sowie Möbeln vor, wie die moderne Planung und Architektur dem sozialistischzionistischen Gesellschaftsmodell des Kibbuz bauliche Gestalt gibt. Grundlage für diesen Teil der Ausstellung ist der israelischen Beitrag „Kibbutz – An Architecture without Precedents“ für die Architekturbiennale 2010 in Venedig. Heutzutage ist die bauliche und ideelle Zukunft des Kibbuz durch die veränderten gesellschaftlichen Rahmenbedingungen und Ansprüche persönlicher Lebensstile unsicherer den je. Einblicke in diese Transformationsprozesse aus den unterschiedlichsten Blickwinkeln geben am Schluss der Ausstellung Interviews mit Menschen vor Ort.


Kibbuz Mizra, Speisesaal (Architekt: Shmuel Mestechkin), Foto: Stephanie Kloss

Die Ausstellung im Bauhaus Dessau, die am 25. November 2011 eröffnet wird, und unter der Schirmherrschaft des israelischen Botschafters Yoram Ben-Zeev und des deutschen Kulturstaatsministers Bernd Neumann steht, zeigt die enge geistige Verwandtschaft zwischen der Kibbuz- und der Bauhausidee. Zu sehen sind Dokumente, Pläne und Fotografien sowie Interieurs, die eindrucksvoll die Kibbuzplanungen nachzeichnen. Zusätzlich wird die Arbeit „Beyond Eden“ zu sehen sein: Die Fotografin Stephanie Kloss und die Politikwissenschaftlerin Antonia Blau haben über 40 Kibbuzim fotografiert und ihre Bewohner interviewt. Dort fanden sie ein fragmentiertes Bild einer zementierten Gegenwart, einer utopischen Vergangenheit und einer kollektiv-brüchigen Identität.

Im Meisterhaus Muche/Schlemmer wird anlässlich der Ausstellung die Filminstallation „Traces“ des israelischen Filmemachers Amos Gitai zu sehen sein. Grundlage dafür ist Gitais Film „Lullaby to my Father“ über seinen Vater Munio Weinraub, der am Bauhaus studierte und 1934 nach Palästina emigrierte. Im Zentrum stehen Weinraubs Lebensstationen vom jüdischen
Schtetl in Galizien über Berlin und Dessau, Frankfurt und Zürich bis nach Palästina. Wie immer in seiner Arbeit befasst sich Amos Gitai auch in „Traces“ mit den Themen Migration, Kultur, Exil und Gewalt.

Die Ausstellung „Kibbuz und Bauhaus“ ist eine Koproduktion der Stiftung Bauhaus Dessau mit der Bezalel Academy of Art and Design Jerusalem und dem Museum of Art in Ein Harod. Sie wird unterstützt von der Friede Springer Stiftung Berlin, der Kunststiftung des Landes Sachsen-Anhalt und der Lotto Toto GmbH.

„Kibbuz und Bauhaus“
Freitag, 25. November 2011 bis Montag, 9. April 2012, täglich 10 bis 18 Uhr

Werkstattflügel des Bauhausgebäudes, Gropiusallee 38, 06846 Dessau-Roßlau
Eintritt: 6,– Euro / ermäßigt 4,– Euro (inkl. Dauerausstellung), Kinder und Jugendliche frei

Ausstellungseröffnung
Donnerstag, 24. November 2011, 19 Uhr, Eintritt frei

Weitere Informationen: www.bauhaus-dessau.de

11 Kommentare

  1. Ich nehm mir mal das Letzte Wort, o.k.?

    Dein Reim kann nicht von dem Frankfurter sein, weil er stolpert (der Reim). Das wäre dem dann Wahlthüringer nie passiert, er rühmte sich mal, dass er schon im zartesten Knabenalter alle Versmaße beherrschte.

    „Briten, Kaskopps oder Franzen“

    Briten nimmst du aus bei Spottnamen? Das sind im Kontext Limeys…, so sagen sie in Aberdeen noch heute, kennt nur nicht jede/r hier. Aber sowas „Völkerverbindendes“ wie auch „Krauts“ oder „Huns“ etc. vergessen wir lieber.

    Ausgrenzung ist „ein weites Feld“. Leitet sich ja auch ab von „Grenze“. Ein Glück, dass Europa in Vielem sich vereint hat, die Grenzen fallen und es zudem ImmigrantInnen aufnimmt, dabei laaangsam immer mehr zusammenrückend, und damit auch so RassistInnen-„Spezialitäten“, wie Antiziganismus, Antisemitismus und anderes in der Art an den äußersten Rand geschoben werden wird, bis es über ihn irgendwann ins Nichts fällt.

  2. „Schon Goethe fiel auf, dass etwas nicht stimmte im Lande. Er  schätzte Napoleon und war überhaupt frankophil, spottete im Rundumschlag  über seine Landsleute : “Man kann nicht stets das Fremde meiden, Das Gute liegt uns oft so fern. Ein echter deutscher Mann mag keinen Franzen leiden, doch ihre Weine trinkt er gern.““

    Und ich dachte, Goethes Spruch ginge:
    “Man kann nicht stets das Fremde meiden, Das Gute liegt uns oft so fern. Ein Franzmann mag keinen Deutschen leiden, doch unsre Wagen fährt er gern.“
    😉

    Jetzt mal im Ernst – Fremdenfeinlichkeit findest du auch heute noch überall. Die meisten Deutschen haben auch schon mal in .. sagen wir mal .. GB, NL oder F Deutschenfeindlichkeit erfahren. Doch wenn es einzelfälle sind, muss mensch doch nicht bei jeder Gelegenheit, in der das jeweilige Land erwähnt wird, unbedingt auf DEN Deutschenhass der Briten, Kaskopps oder Franzen hinweisen .. oder gar DARAUS schliesen, dass dort etwas „im Argen“ liege.

    Ich war vor Jahren beruflich häufiger in GB .. und hatte dort dann (von der Firma bestellt) meist den selben Taxifahrer. Da wir meist ein, zwei Stunden unterwegs waren, ergab sich das eine oder andere Gespräch .. über, Gott, die Welt, seine Tochter in Tel Aviv, Humor .. am liebsten hat er mir/uns Deutschenwitze erzählt. Sein Lieblingswitz: „Was ist der häufigste Vorname in Deutschland?“ … „von“
    Darüber konnte er sich fast totlachen.

    Hätte ich mich angegriffen fühlen müssen? Nöö.

  3. „Die Nazis kamen nicht plötzlich aus dem Weltall, sondern ihre verquere “Weltanschauung” war neben vielem Anderem auch das Ergebnis eines langen Weges von zunehmender Ausgrenzung gegenüber allem  ”Undeutschen” bzw. dem, was Spießbürger wie Hitler und Konsorten dafür ansahen.“

    HIER sind wir voll beieinander. Ich dachte auch, dass ich das ausgedrückt hätte, als ich darauf hinwies, dass Gropius ein Kind seiner Zeit war. Und die war (leider)antisemitisch. Gropius jetzt aufgrund dieser einen (wirklich antisemitschen und schwachmatischen) als „extremen Antisemiten“ zu bezeichnen. Oder glaubst du, dass er im Kontext seiner Zeit und seiner Umwelt antisemitischer war als der Durchschnitt? Dann glaubst eher du, das die Nazis aus dem Weltall kamen.

    Anderes Beispiel .. der von Schlickewitz so gern geschmähnte Martin Luther. Ja – Luther war antisemitisch. Er war auch antidemokratisch und rief zum Massenmord an Bauern. Wenn ich aber seine Leistungen als Reformator sehe, war er trotzdem einer der großen Deutschen.
    Wenn mensch über seine Leistungen als Reformator spricht kann mensch deshalb beim Thema bleiben und muss nicht unbedingt erwähnen, dass Luther menschlich ein Armleuchter war. Wenn über den Menschen Luther gesprochen wird, gehört es unbedingt dazu.

    Um den Völkermörder (Pruzzen) Karl d. Großen streiten sich heute noch F und D, wer sich als wahrer Enkel fühlen darf.

    „Heutzutage wären sie dafür mit einer saftigen Strafe belohnt worden und hätten ihre Reputation verloren.“

    Im Mittelalter fand mensch es lustig und unterhaltsam, Bären von Hunden zerfetzen zu lassen. Stell dir vor, ein historisch interessanter Mensch war dabei und berichtet in einem Brief von dem unterhaltsamen Schauspiel. Bist du der Meinung, dass dann jedesmal, wenn sein Name fällt, darauf hingewiesen werden muss, dass dieser doch auch – zumindest temporär, ein extremer Sadist und Tierquäler war? Wer heute Bären und Hunde aufeinander hetzen täte .. oder dabei billigend anwesend wäre, würde auch mit einer saftigen Strafe belohnt und hätte seine Reputation verloren.  

    In einem Bericht über die mangelhaftes Gefühl des Werts von Leben ist es durchaus sinnvoll, diesen jenen dann auch als Beispiel zu benennen.

    In diesem Sinn macht es für mich relativ wertfrei, bei einer Ausstellung über die Auswirkungen des Bauhauses UNBEDINGT über einzelne Äußerungen des Bauhausgründers zu berichten, die wirklich nicht erkennbar etwas mit dem Bauhausstil zu tun haben.

    In einem Bericht über den Antisemitismus in der Kaiserzeit wären diese Äusserungen allerdings ein gutes Beispiel, dass eben nuicht nur extreme Antisemiten, sondern auch breite Schichten des Bildungsbürgertums solchen Müll rauslaberten.

  4. Um eine Schuld der heute Lebenden kann es nicht gehen, die gibt es nicht für Früheres, das wäre mehr als absurd und Nonsense. Es geht um Internationales, in dem dein mainstream immer noch plätschert. Man muss ihn erkennen, geduldig austrocknen und sein Bett planieren. Auch das Verschweigen speist ihn. Genau deshalb  sind so Dinge wie die, die Robert Schlickewitz in sorgfältiger Quellenarbeit unwiderlegbar aufdeckt, so wichtig. Du verkennst seinen Kampf gegen Ignoranz und, eben, den alt-jungen mainstream.

    Geh in die Kneipe an der Ecke und bring das Gespräch von ungefähr z.B. auf „die Zigeuner“. Du wirst dich wundern.

    Nicht er hat ein Problem mit der BRD, sondern der unfehlbare Freistaat Bayern mit ihm: Nestbeschmutzer können keinesfalls echte  urwüchsige Bayern sein, host mi. Dummerweise ist er aber einer, also wird versucht, ihn zu verunsichern und, besser noch, das Maul zu stopfen. Scheint nicht zu klappen, und das ist auch gut so.. 

    Gropius aber muss es sich gefallen lassen, das sein rassistisch-antisemitischer Blödsinn nicht unter den Teppich gekehrt wurde. Deshalb bin ich dem Historischen Zentrum der Stadt Hagen, in der übrigens auch etliche Jugendstil- und  Bauhausbauten stehen (http://de.wikipedia.org/wiki/Hagener_Impuls), die den genannten Karl-Ernst Osthaus zu Recht als einen ihrer größten Söhne betrachtet, dankbar, dass es im Sinne der Wahrheitsfindung trotzdem nicht davor zurückscheut,  ihren temporären, wie ich zu ihren Gunsten annehme, Antisemitismus zu benennen und zu belegen. Heutzutage wären sie dafür mit einer saftigen Strafe belohnt worden und hätten ihre Reputation verloren.

    Wenn das nicht äußerst interessant ist, weiß ich auch nichts mehr dazu zu sagen.

    Deine Positionen jetzt, die mich an die drei berühmten Affen erinnern, die ich dir garnicht zugetraut hätte, solltest du lieber überdenken. Die Nazis kamen nicht plötzlich aus dem Weltall, sondern ihre verquere „Weltanschauung“ war neben vielem Anderem auch das Ergebnis eines langen Weges von zunehmender Ausgrenzung gegenüber allem  „Undeutschen“ bzw. dem, was Spießbürger wie Hitler und Konsorten dafür ansahen. Natürlich gab es Leute, die das geißelten, aber, wie die Geschichte lehrt, eben nicht genug, und als Hitler gewählt war, hatte er nichts eiliger zu tun, als diese Leute wegschließen bzw. zum Teil auch umbringen zu lassen. 

    Noch eben was zu den Quellbächen des mainstreams: Schon Goethe fiel auf, dass etwas nicht stimmte im Lande. Er  schätzte Napoleon und war überhaupt frankophil, spottete im Rundumschlag  über seine Landsleute : „Man kann nicht stets das Fremde meiden, Das Gute liegt uns oft so fern. Ein echter deutscher Mann mag keinen Franzen leiden, doch ihre Weine trinkt er gern.“

    Andererseits gab es später in Frankreich die Dreyfus Affaire. Das schleichende Gift der Ausgrenzung führte denn auch zum Novum der nationalistischen Einfärbung anschließender Kriege, die davor keinerlei Rolle spielte, um es mal so platt zu sagen, und zwar europaweit, bis hin zum Ersten Weltkrieg.

    Na ja, und was dann kam, wissen wir. Es darf nicht wieder dahin kommen, wo dies Land schon mal war. Wehret den Anfängen! Das ist  laut zu sagen.

  5. ps.
    Muss mensch einen Menschen, der aufgrund der „Erkenntnisse“ seiner Zeit die Erde füe eine Scheibe hielt, für einen Vollidioten halten, weil er objektiv vor dem Hintergrund der geltenen Astrophysik ein Vollidiot war?

  6. @ efem,

    „und denke, dass es auf den ersten Blick ein eklatanter Widerspruch ist, dass die in Israel bzw. seinen Vorläufern zeitweise so positiv aufgenommene Idee des Bauhaus von einem in einer Ära seines Leben extrem antisemitischen Menschen stammt.“

    Eine Bauidee hat ihre Ideologie .. die muss aber nichts mit dem Politikverständnis ihres ‚Erzeugers‘ zu tun haben. Mensch kann auch IKEA-Möbel haben, ohne den Gründer gut zu finden. 😉

    „.. von einem in einer Ära seines Leben extrem antisemitischen Menschen ..“

    Du, da bin ich überhaupt nicht bei Dir. Schau auf die Zeit .. antisemitistische Denkweise war (leider) Mainstream ..statt „extrem antisemitisch“ würde ich eher schreiben „gedankenlos im Zeitgeist“ .. was es inhaltlich nicht besser macht – ihn aber nicht innerhalb seiner gesellschaftsstruktur nach rechts schiebt. .. und solange nichts anderes zu publizieren ist – seine handlungsweise .. wie auch von Dir hervorgehoben .. hat keinem Juden geschadet.

    „Du sprichst übrigens genau das Problem an, das der von mir oben genannte Robert Schlickewitz hier, ebenfalls bei einem Museum, so beklagt: dass nämlich im Zusammenhang mit irgendwelchen Ausstellungen das Unangenehme einfach nicht genannt wird, obwohl nun gerade in Deutschland es auf keinen Fall verschwiegen werden darf.“

    Robert Schlickewitz hat ein .. wie soll ich es sagen .. ein „medizinisch interessantes“ Problem mit der Bundesrepublik Deutschland.
    Jedenfalls – die meisten von ihm angesprochenen „Probleme“ .. ebenso wie der Antisemitismus des Herrn Gropius interessieren in Deutschland niemanden .. mensch mag dies beklagen – aber den Deutschen dann Schuldkomplexe zu unterstellen ist voll daneben.Es ist ihnen nicht mal unangenehm – es interessiert einfach nicht!

    Klar kann mensch sagen, „Das Publikum hat ein Recht darauf, auch über das Negative informiert zu sein.“ .. ist für mich auch ok .. aber wenn es nicht erfolgt .. fehlen tut es keinem ..

  7. @mfb

    Entdeckte deinen Einwand erst jetzt. Ja, ich sehe freilich einen Zusammenhang und denke, dass es auf den ersten Blick ein eklatanter Widerspruch ist, dass die in Israel bzw. seinen Vorläufern zeitweise so positiv aufgenommene Idee des Bauhaus von einem  in einer Ära seines Leben extrem antisemitischen  Menschen stammt.

    Juden bauten, wie ein (temporärer) Judenfeind es vorgab!

    Gerade dieses Paradoxon sollte in der Ausstellung schon berücksichtigt sein mit dem extrem wichtigen Hinweis darauf, dass Antisemiten nicht unbedingt solche bleiben müssen, sondern „vom Saulus zum Paulus“ werden können. Eine sehr hoffnungsfroh stimmende Erkenntnis, die vor allem jüdischen Menschen Mut machen dürfte. 

    Leider gibt es, wenigstens im „normalen“ Internet, nichts Näheres dazu. Vielleicht aber haben HistorikerInnen in ihren Zirkeln es aufgearbeitet.

    Du sprichst übrigens genau das Problem an, das der von mir oben genannte Robert Schlickewitz hier, ebenfalls bei einem Museum, so beklagt: dass nämlich im Zusammenhang mit irgendwelchen Ausstellungen das Unangenehme einfach nicht genannt wird, obwohl nun gerade in Deutschland es auf keinen Fall verschwiegen werden darf. Die für die Ausstellungen verantwortlichen HistorikerInnen werden sich den Vorwurf der Geschichtsklitterung gefallen lassen müssen, es sei denn, sie können beweisen, dass ihnen die Tatsachen unbekannt waren. Dann aber haben sie nicht sorgfältig genug gearbeitet.

    Das Publikum hat ein Recht darauf, auch über das Negative informiert zu sein. 
     

  8. “ …
    Aber.
    Bei der lobenswerten Ausstellung wird mit Sicherheit nicht zitiert sein, was er 1917 an einen anderen, ebenfalls international sehr bekannten Kunstsammler und Förderer, auch des Bauhaus, Karl-Ernst Osthaus, schrieb und was dieser zuvor selbst, 1896, sagte ..“

    @ efem
    es könnte sicher geschrieben werden .. aber muss es auch geschrieben werden? Hat es für das Thema der Ausstellung wirklich eine so hohe Relevanz?

    Ps,
    danke für den Link. Wirklich lesenswert!

  9. Noch was zu zwar nicht Bauhaus, aber zu Kibbuz und „Kristallnacht“:

    http://www1.wdr.de/themen/kultur/urfeld100.html

    Ausführliche Zusammenfassung einer der Sendungen des WDR5 zum 09.11.1938.

    Titel:

    „Der Kibbuz von Urfeld“ und 

    „Architekt verjagte Nazis in Pogromnacht:
     Mit Zivilcourage und Gewehr gegen Nazi-Schläger“

    Untertitel:

    „…  die ungewöhnliche Geschichte eines fast schon vergessenen Kibbuz mitten im Rheinland.“

    Lesenswert.

  10. Passend dazu, aber leider auch zu heute, dem 73. Jahrestag der „Kristallnacht“

    Es wurde hier schon oft auf aus durchsichtigen Gründen verschwiegene Judenfeindlichkeit bis hin zu Mordgedanken bei bekannten Persönlichkeiten und Institutionen hingewiesen (Dank dafür besonders an Robert Schlickewitz).

    Das Bauhaus als Lehreinrichtung wurde 1919 von Walter Gropius gegründet. Gropius ist international berühmt, genauso berühmt sind seine Werke, und seine Idee lebt(e) auch in Israel, wie der Artikel beweist.

    Aber.

    Bei der lobenswerten Ausstellung wird mit Sicherheit nicht zitiert sein, was er 1917 an einen anderen, ebenfalls international sehr bekannten Kunstsammler und Förderer, auch des Bauhaus, Karl-Ernst Osthaus, schrieb und was dieser zuvor selbst, 1896, sagte:

    “ … die Ausscheidung dieses Schmarotzervolkes ist notwendig.“ (Osthaus)

    Gropius an Osthaus: “ … wir haben die Juden unbehindert groß werden lassen und ich fürchte, die frische Kraft zu einem Pogrom ist nicht mehr in uns.“

    Quelle: Historisches Zentrum Hagen (Westf.)

    Es steht glücklicherweise durchaus zu vermuten, dass Beide sich ihrer Einstellung später schämten und ihr rigoros abschworen.

    Weil:

    Osthaus arbeitete danach sehr viel mit jüdischen Künstlern etc. zusammen, Gropius genauso, wie etwa mit Konrad Wachsmann, der Albert Einsteins Sommerhaus in Potsdam entwarf.

    1933 schon wurde das Bauhaus in Deutschland geschlossen… Osthaus starb 1921, alle seine Sammlungen galten danach den Nazis als „entartete Kunst“, Gropius flüchtete 1934 in die USA.

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