„Das Wissen über das Schicksal der Juden wurde beiseite geschoben“

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Die israelische Historikerin Esther Webman über ihre gemeinsam mit Meir Litvak publizierte Studie »Von der Empathie bis zur Leugnung: Arabische Reaktionen auf den Holocaust«…

Interview: Karl Pfeifer
Jungle World v. 18.11.2010

In Ihrem Buch »Von der Empathie bis zur Leugnung: Arabische Reaktionen auf den Holocaust«, das Sie zusammen mit Meir Litvak verfasst haben, betonen Sie, dass Sie »als Juden und Israelis« über dieses Thema schreiben und versuchen, »sich so leidenschaftslos wie möglich anzunähern«. Weshalb haben Sie Ihre nationale Zugehörigkeit als »unsere Unzulänglichkeit« qualifiziert?

Wenn es um den arabisch-israelischen Konflikt geht, gibt es leider den weit verbreiteten Glauben, dass ein Israeli voreingenommen ist, wenn er sich mit arabischen Angelegenheiten befasst. Wir wissen jedoch, dass wir als Historiker immer unsere subjektive Position haben, die in unserem Schreiben reflektiert werden kann. Als Historiker kennen wir diese Begrenzung, die ja für alle Historiker bei allen Themen gültig ist. Man kommt mit den eigenen Erfahrungen, mit den eigenen kulturellen und politischen Anschauungen und muss versuchen, empathisch zu sein, sich in die Situation des Objekts der Forschung hineinzuversetzen und irgendwie – so weit, wie man es kann – die eigenen Anschauungen zu neutralisieren. Das ist der Punkt, den wir klären wollten. Wir sind uns bewusst, dass wir als Israelis und Juden in diesem Konflikt involviert sind, und man nimmt an, dass wir mit einem gewissen Gepäck daherkommen, das uns in den Augen anderer befangen macht oder unausgewogen werden lässt. Dennoch haben wir – so weit möglich – ein objektives und umfassendes Bild gegeben von dem, was geschehen ist, und den aufrichtigen Versuch unternommen zu verstehen, warum diese oder eine andere Position im öffentlichen Diskurs von den arabischen Führern eingenommen wurde.

Ich habe gerade eine sehr positive Rezension Ihres Buches gelesen. Ihre Objektivität als Historiker wird also nicht in Frage gestellt?

Richtig, wegen unserer Arbeitsmethode bei all unseren Forschungen gelten wir – wenn ich es so sagen darf – als seriöse Historiker. Ich bin froh, dass alle Rezensionen, die ich bislang kenne, unser Buch als eine tiefgreifende, gut präsentierte und ausgewogene Forschung beurteilen. Wir haben zum Beispiel Anschauungen nicht ignoriert, die im Widerspruch zu dem stehen, was wir traditionellen arabischen Antisemitismus oder die arabische Auffassung über den Holocaust nennen. Wir haben versucht aufzuzeigen, wie verschieden die Auffassungen sind, insbesondere seit den neunziger Jahren. Wir haben nie behauptet, dass diese oder eine andere Auffassung die einzige ist, die existiert.

Wie schwierig war es, an die Quellen heranzukommen?

Es war gar nicht so schwierig, nur in dem praktischen Sinne, dass wir es mit einer großen Menge von Material zu tun hatten und wir uns hinsetzen mussten, um insbesondere das ägyptische und palästinensische Material seit 1945 anzuschauen. Die größte Sammlung arabischer Zeitungen seit den vierziger und fünfziger Jahren fanden wir im Moshe-Dayan-Zentrum in Tel Aviv. Wir haben uns verschiedene Quellen angeschaut. Nehmen wir Ägypten als Beispiel: Da haben wir al-Ahram, die wichtigste Zeitung seit dem Ende des 19. Jahrhunderts, ausgewertet, zusätzlich haben wir noch eine genommen, die damals sehr populär war: al-Misri.

Wir haben Tageszeitungen, Wochen- und Monatszeitschriften durchgesehen. Für die Zeit nach der Revolution 1952, als al-Gomhuria zum Sprachrohr des Regimes wurde, betrachteten wir auch diese Tageszeitung und fanden Unterschiede in den Nuancen. Wir nahmen Filastin und al-Difa, weil diese beiden palästinensischen Tageszeitungen auch während der jordanischen Herrschaft publiziert wurden. Selbstverständlich haben wir auch Monats- und Wochenzeitschriften wie die populäre Rose al-Youssef untersucht.

Und wir haben auch Bücher einbezogen, die seit 1945 in den wichtigen arabischen Ländern, in Ägypten und Libanon, herausgegeben wurden. Wir fanden sie in Israel, in den USA in der Library of Congress und in den Bibliotheken der Universitäten Harvard und Princeton. Wir haben uns Mühe gegeben, die wichtigsten Quellen zu finden, um ein genaues Bild geben zu können.

Sie haben in Ihrem Buch zwischen verschiedenen Themen und Perioden unterschieden. Schauen wir uns die erste Periode 1945 bis 1948 an.

Tatsächlich ist das die interessanteste Periode, denn zu dieser Zeit wurden die Grundlagen der Annäherung an das Thema Holocaust gelegt. Wir haben festgestellt, dass es einen Konflikt gab, als die Informationen über das, was in Deutschland und den Konzentrations- und Vernichtungslagern mit den Juden geschah, in den Nahen Osten gelangten und die Araber ­sofort mit einem Dilemma konfrontiert waren, als sie realisierten, dass die Sache der DPs, der Displaced Persons, in Palästina geregelt werden sollte. Als sie wahrnahmen, dass die Zionisten sich immer stärker für die Errichtung eines Staates einsetzen, sie aber andererseits wussten, dass die Juden in einer fürchterlichen Weise verfolgt wurden, waren sie gezwungen, einen Weg zu finden, wie sie damit umgehen und eine Art Kompromiss finden könnten. Denn sie erkannten, dass diese DPs nach Palästina kommen wollten, aber die Araber wollten Palästina nicht verlieren bzw. teilen.

Diesen Konflikt gab es später nicht mehr, denn sie haben nicht nur das Wissen über das Schicksal der Juden beiseite geschoben, sondern auch verhindert, dass Wissen darüber in die arabischen Länder gelangt, nicht nur Wissen, sondern auch Filme, Bücher, alles, was den Holocaust betrifft.

Warum?

Weil sie Angst hatten, dass solche Informationen ihre Kriegsanstrengungen gegen Israel, gegen die Zionisten beeinträchtigen könnten. Sie wussten, dass es sich um eine delikate Angelegenheit handelt. Die arabischen Meinungsbildner wollten nicht, dass sich ihre Bevölkerung mit dem schrecklichen Leid und mit den Opfern identifizieren. Am Anfang kamen diese Informationen in den Berichten von al-Ahram vor. Als der Krieg zu Ende ging und die Zeitungsleser und diejenigen, die Entscheidungen fällten, wussten, was geschehen war, mussten sie eine Art Lösung finden, um ihre Empathie gegenüber dem, was den Juden geschah, nicht ignorieren zu müssen und trotzdem für Palästina kämpfen zu können.

Wann begann die Opferkonkurrenz?

Ganz von Anfang an …

Mit dem Nakba-Diskurs?

Die Nakba ereignete sich erst 1948, wir waren aber überrascht, als wir herausfanden, dass dieses Wort bereits 1945 benutzt wurde. Die Araber schauten in die Zukunft und behaupteten, wenn dieses oder jenes geschehen sollte, dann wird es eine schreckliche Nakba (Katastrophe; K.P.). Es wurde schon damals behauptet, dass die Araber in Palästina sogar mehr leiden werden als die Juden. Es wird eine Art Schandfleck der Menschheit, ja die Katastrophe des 20. Jahrhunderts werden. All das wurde gesagt, bevor der Staat Israel gegründet wurde.

Wann begannen die Anschuldigungen, die Zionisten würden den Holocaust ausnützen?

Wiederum, es ist erstaunlich, bereits ganz am Anfang. Wir gingen bei unserer Forschung zu diesem Thema zunächst von der gegenwärtigen Situation aus. Wir wussten, dass »das Ausnützen des Holocaust durch die Zionisten« und sogar »die Zusammenarbeit der Zionisten bei der Vernichtung der Juden« ein Thema sind.

Schon vor der Errichtung des Staates Israel?

Genau, da gab es diejenigen, die das bereits 1944, 1947 und Anfang 1948 betonten. Noch bevor Israel gegründet wurde, haben sie den Zionismus mit dem Nazismus verglichen, und als wir das Material aus der Zeit von 1945 bis 1948 überprüften, fanden wir dieselben Themen wie heute, die allerdings noch nicht so ausgefeilt waren wie heute. Doch finden wir schon den Vergleich von Nazismus und Zionismus. Im April 1948 haben wir das Geschehen in Dir Yassin*, und wir finden sofort den Vergleich zwischen den Naziverbrechen und den von Juden gegen Palästinenser unternommenen Aktionen. Doch anders als später gab es allerlei Stellungnahmen, es gab einen Versuch, das jüdische Leiden vom Palästina-Problem zu trennen, trotzdem wurden schon damals das Ausmaß und die historische Bedeutung des Holocaust verharmlost, und man beschuldigte die Juden, für ihr Schicksal verantwortlich zu sein. »Wir sollen doch nicht diejenigen sein, die den Preis für die Verbrechen anderer an einem anderen Ort zu bezahlen haben«, diese Argumentation wurde bereits seit Kriegsende benutzt.

Die Palästinenser hätten ihren eigenen arabischen Staat errichten können?

Richtig, aber versuchen Sie doch, die Sache von ihrem Standpunkt zu sehen. Sie wollten nicht teilen, was sie als ihr Eigentum betrachteten. Sie haben einen Kompromiss vor und nach der Errichtung des Staates Israel abgelehnt, unglücklicherweise für uns alle. Es war ja nicht nur eine Entscheidung der Zionisten, einen ­jüdischen Staat zu schaffen, sie wussten, dass die Völkergemeinschaft diesen Beschluss akzeptierte.

Es gab 600 000 Juden im Heiligen Land, und die hatten das Recht zur Selbstbestimmung.

Genau, aber in ihren Augen waren das Neuankömmlinge.

Ich fragte vor ein paar Wochen Tom Segev, ob denn der Mainstream-Antisemitismus in der arabischen Welt die Wende nach Rechts in Israel bestärkt habe. Er verneinte dies entschieden. Dann sagte er, dass der Kampf gegen den Antisemitismus nicht seine Aufgabe sei, Araber mögen doch dagegen kämpfen. Unglücklicherweise tun das die meisten nicht, das Gegenteil geschieht. Was denken Sie über Historiker und Journalisten, die sagen, wir müssen über gewisse Themen nicht sprechen, denn sie könnten die Möglichkeit eines palästinensisch-israelischen Friedens beschädigen? Wir sollten nicht sprechen über …

… Antisemitismus …

Ja, wir sollten nicht über Antisemitismus und Holocaustleugnung in der arabischen Welt sprechen. Hören Sie das auch?

Selbstverständlich höre ich das, doch das sollte nicht tabuisiert werden. Denn eines der Probleme des Friedensprozesses war – und ich habe sehr an Oslo geglaubt, trotz der Tatsache, dass es eine Vereinbarung der Führung war und nicht von unten kam –, dass es trotz des Vertrages zu einer Aufwiegelung gegen Israel und die Juden kam.

In den Schriften über Israel und über Juden und in allerlei Predigten von verschiedenen Imamen in der arabischen Welt wurde nicht der Frieden gefördert, sondern in sehr vielen Fällen versucht, Feindschaft zu erzeugen. Man kann nicht Frieden schließen wollen und auf der anderen Seite weitermachen mit der Verleumdung desjenigen Volkes, mit dem man versucht Frieden zu machen. Wir hatten dieses Problem auch mit der Palästinensischen Autonomiebehörde (PA), doch dort ist die Lage ein bisschen anders, und mehr und mehr ist diese Art von Antisemitismus vor allem bei Islamisten vorzufinden. Doch unglücklicherweise sind Antisemitismus und gewisse Vorurteile, die den klas­sischen Antisemitismus charakterisieren – die es so früher nicht gab –, in die arabische öffentliche Meinung eingedrungen. Das gilt auch für Ägypten, mit dem wir seit 1979 ein Friedensabkommen haben, aber das hat die Wahrnehmung insbesondere der Mehrheit der Elite nicht geändert.

Die ägyptischen Gewerkschaften schließen Mitglieder aus, die Israel besuchen.

Natürlich, und sie lassen sogar noch heute bestimmte Filme über den Holocaust nicht zu.

»Anne Frank« wurde nicht gezeigt.

Unter keinen Umständen, sogar der Benigni-Film »Das Leben ist schön«, der eine Diskussion auslöste, wurde in der arabischen Welt nicht gezeigt. Sie betrachten das als »zionistische Propaganda«. Sie haben Angst vor einer kulturellen israelischen oder westlichen Beherrschung. Aber das ist genau, was man tun müsste, genauso wie es während der sechziger Jahre eine Indoktrination in Ägypten gab, man müsste eine entgegengesetzte Indoktrination realisieren, um die Bevölkerung auszusöhnen, damit sie die Idee akzeptiert, dass Israel bestehen bleibt. Unglücklicherweise geschieht dies nicht.

Wird Ihr Buch in andere Sprachen übersetzt? Ich denke, viele deutschsprachige Leser wären interessiert am Thema Holocaust und an der Reaktion in der arabischen Welt.

Das Buch wird jetzt ins Hebräische übersetzt. Das Projekt Aladin ** wird das Buch vielleicht ins Arabische übersetzen, ich versuche auch, französische Verlagshäuser dafür zu interessieren.

* Bei der Eroberung des arabischen Dorfes Dir Yassin in der Nähe Jerusalems am 9. April 1948 durch 120 Mitglieder der Splittergruppen Ezel und Lechi wurden zirka 100 bis 120 Einwohner des Dorfes und vier Juden getötet. Die Anzahl der Toten wurde von den Parteien mit 254 angegeben, und die Gräuelpropaganda führte zu einer Panik unter Arabern.

** Das in diesem Jahr aus Anlass des Holocaust-Gedenktages am 27. Januar initiierte »Aladin-Projekt«, eine Initiative der Stiftung zur Erinnerung an die Shoah unter Vorsitz von David de Rotschild und unter Schirmherrschaft der Unesco, übersetzt Werke zum Thema Holocaust ins Arabische, Türkische und ins Farsi. Vier Bücher zum Herunterladen finden Sie auf: http://www.aladdinlibrary.org/books?language=ar&keys=

Der »Minister« für religiöse Angelegenheiten des Hamas-Regimes in Gaza, Abdullah Abujarbou, rief einer Hamas-Pressemitteilung vom 20. Februar zufolge während einer Hetzrede in einer Schule dazu auf, »einen ernsten Standpunkt« gegen das Aladin-Projekt einzunehmen, wobei er die Wichtigkeit des Widerstandes gegen dieses Projekt betonte und alle religiösen Führer und muslimischen Gelehrten aufforderte, sich dieser »intellektuellen und kul­turellen Offensive« entgegenzustellen. http://www.projetaladin.org/en/newsletters-3/senior-hamas-official-and-islamist-preacher-attack-aladdin-project.html

10 Kommentare

  1. Jane, ich habe ein Interview mit einer Wissenschaftlerin über ihr Buch, Araber und der Holocaust gemacht. Dass in den arabischen Gesellschaften im Main Stream der Holocaust vielfach geleugnet wird, dass es in arabischen Ländern zu Massenauflagen von Nazibestsellern kommt, das interessiert sie nicht. Sie haben nur ein Ziel uns einzureden, dass die arabischen Nachbarn Israels immer Recht hatten und Israel kein Recht hatte sich zu verteidigen.
    Ich rate sich das Bild der Auslage eines syrischen Buchgeschäftes anzuschauen und in die Realität zurückzukehren.
    http://hurryupharry.org/2010/11/20/syrian-bookshop-window/

  2. Jane, schauen wir doch die Geschichte an wie sie sich abgespielt hat und nicht wie Sie glauben wollen dass sie sich abgespielt hat.
    Die Uno Generalversammlung beschließt mehrheitlich am 29. November 1947 die Teilung des britischen Mandatsgebiet in drei Teile, einen souveränen arabischen und einen souveränen jüdischen Staat sowie eine internationale Zone. Die arabischen Delegationen verliessen den Saal und verstanden nicht weshalb die internationale Gemeinschaft den Juden das Selbstbestimmungsrecht gab.
    Was heute vollkommen ausgeklammert wird, ist die Tatsache, dass der Krieg 1948 aus der Perspektive der Araber nicht nur ein nationalistischer Krieg um Territorium war, sondern ein Religionskrieg. Oder, um präziser zu sein, das Territorium war heilig, seine Entweihung durch Ungläubige ausreichend, um einen Heiligen Krieg zu beginnen, und die Wiedereroberung dieses Territoriums war und ist für Islamisten gottgewollt. Die Araber haben nie verheimlicht, dass sie einen „Heiligen Krieg” führten. Jamal Husseini, der Vertreter des „Arab Higher Committee”,erklärte dem UNO Sicherheitsrat am 16. April 1948: „Der Vertreter der Jewish Agency hat uns gestern gesagt, dass sie nicht die Angreifer waren, dass die Araber den Kampf begonnen haben. Wir haben das nicht geleugnet. Wir haben der ganzen Welt gesagt, dass wir kämpfen werden.” [ United Nations Security Council Official Records, S/Agenda/58, 16 April 1948, 19. ]
    Bereits am 9. September 1947 erklärte Husseini laut New York Times, dass die Araber „ nie erlauben werden, dass auf einem Zentimeter von Palästina ein jüdischer Staat gegründet wird”, und er warnte eindeutig, dass Versuche „irgendeine Lösung entgegen dem arabischen Erstgeburtsrecht zu finden, nur zu Unruhen und Blutvergießen und vielleicht zum Dritten Weltkrieg führen würde.”[ New York Times, 9 September 1947; 2]
    Hinter solchen tödlichen Drohungen, die man an die ganze Welt richtete, konnte man in der arabischen Welt religiöse Hetze gegen Juden in den öffentlichen Radiosendungen und in den Moscheen wahrnehmen. Eine prominente Rolle spielten dabei der Jerusalemer Mufti Hadj Amin el Husseini, der damals die Araber Palästinas führte sowie die religiösen Gelehrten der Al-Azhar-Universität in Kairo, die höchste religiöse Autorität des sunnitischen Islam, die sofort nach dem UNO Generalversammlungsbeschluss am 29. November 1947 einen offiziellen Aufruf für einen „weltweiten Jihad” erließen. Religion war ein zentrales Element der Kriegsanstrengungen, wie es Muhammad Mamun Shinawi, Rektor der Al-Azha-Universität der Ägyptischen Truppe erklärte, die gerade die Grenze bei Rafah am 15. Mai 1948 überschritt, um den soeben entstandenen Staat Israel zu liquidieren: „Die Stunde des Jihads hat geschlagen… Das ist die Zeit, in der Allah das Paradies versprochen hat.” [ Benny Morris, 1948 / The First Arab-Israeli War, p. 232]
    Jane meint, die Araber hätten das gute Recht gehabt Israel anzugreifen, aber Israel hatte kein Recht sich zu verteidigen.
    Also rate ich Ihr die Chronologie kennen zu lernen und mir nicht das Wort im Mund zu verdrehen. Die meisten Araber flüchteten, weil sie glaubten, der von ihnen begonnene Krieg gehe bald zu Ende. Nur 60.000 bis 70.000 wurden gezwungen, das Gebiet, das Israel zugesprochen wurde zu verlassen. weil sie nicht im Hinterland der kämpfenden Truppe bleiben durften so in Lod und Ramleh.
    Jane tut es anscheinend nur Leid, dass die Araber nicht das Projekt der deutsch-österreichischen Volksgemeinschaaft vollenden konnten. Und sie versucht uns hier eine total gefälschte Geschichte zu verkaufen.

  3. Herr Pfeifer,

    die ägyptische Grenze ist dicht, weil Ägypten selbst eine von den USA unterstützte Diktatur, keine aufmüpfige Volksbewegung gebrauchen kann und weil in Anbetracht der ökonomischen Sachlage (Ägypten hängt am Tropf der USA), IL und USA Ägypten diktieren können, wie sie die Grenze zu handhaben haben. Jedenfalls geschieht dort nichts ohne entsprechend Abkommen mit Israel und nichts gegen dessen Wünsche.

    Weiterhin ich bin gegen jede Mordhetze, ganz egal von wem und ganz egal gegen wen. Da brauchen wir uns nicht zu streiten.

    Gerechtigkeit für Millionen von Menschen kann man nicht in Anbetracht der Propaganda einzelner legitimieren und auch nicht delegitimieren.
    Daher tut sie in dieser Frage auch nichts zur Sache.
    Was ist denn mit der Mordhetze israelischer Siedler oder auch mancher israelischer Politiker gegen Muslime, mal ganz abgesehen von den ganz konkreten Morden an palästinensischen Zivilisten beim Gazakrieg, aber nicht nur da, sondern auch sonst? Ist das Anlass den israelischen Staat zu delegitimieren? Für mich nicht und genauso wenig sind es hetzerische Propagandafilme von Hamas oder sonst wem.

    Das ist kein Anlass, das V̦lkerrecht zu sabotieren. Auf dem Weg wird jedenfalls niemals etwas gut Рso viel ist sicher. Alles hat ein Ende, nur der NahOstKonflikt hat keins.

  4. Herr Schlickewitz,
    Deutschland zahlte und zahlt ja an Israel, ganz offiziell Teil der ‚Wiedergutmachung‘. Israel wurde auch dank beträchtlicher deutscher Zahlungen so schnell aus der Erde gestampft, aber natürlich stimmt es, dass es rein logisch betrachtet sehr viel gerechter gewesen wäre, die jüdische Heimstätte geographisch auf einem Teil Deutschlands zu errichten. Die Vertreibung der Palästinenser kann man nicht damit rechtfertigen, dass Deutsche einen Völkermord an Juden in Europa begingen.

    Herr Pfeifer,
    ganz unfreiwillig wahrscheinlich sagen Sie diskret was richtiges. Die Israelis vertrieben gewaltsam 630.000 Palästinenser, was völkerrechtlich betrachtet ein veritabler Anlass für eine militärische Intervention ist. Der arabische Angriff scheiterte, Israel vertrieb dabei noch weitere 70.000  und nutzte den Angriff die Grenzen des Gebiets, dass es als Grundlage für seine Staatsgründung akzeptiert hatte, auszudehnen.

    ‚Es sind die Archive der IDF und die Archive der Untergrundmiliz Hagana, in denen der Plan D, der am 10. März 1948 von späteren führenden israelischen Politkern verabschiedete Masterplan zur ethnischen Säuberung Palästinas, sowie die Einsatzbefehle an die militärischen Einheiten zur Umsetzung dieses Plans zu finden sind. Das alles ist nicht so einfach vom Tisch zu wischen, wie die Israel-Lobbyisten es versuchen.

    „Die Befehle gaben detailliert“, so heißt es im Vorwort des Buches, „die Einsatzmethoden zur Zwangsräumung vor: groß angelegte Einschüchterungen; Belagerung und Beschuss von Dörfern und Wohngebieten; Niederbrennen der Häuser mit allem Hab und Gut; Vertreibung; Abriss und schließlich Verminung der Trümmer, um eine Rückkehr der vertriebene Bewohner zu verhindern. Jede Einheit erhielt eine Liste mit Dörfern und Stadtvierteln, den Zielen dieses Masterplans.“ Das alles ist belegt durch Quellen, die Ilan Pappe in seinem Buch explizit angibt und über die er Rechenschaft ablegen kann.‘

    http://www.arbeiterfotografie.de/israel/index-israel-0020.html

    Der Plan sah übrigens die Vertreibung der Palästinenser auch jenseits der von Israel anerkannten eigenen Grenzziehung vor, was auch geschah.

    Eines ist mir freilch neu. Was meinen Sie damit, dass weder Jordanien, noch Ägypten Palästinenser in der West-Bank und in Gaza duldeten?

    Wollen Sie sagen diese beiden Länder hätten die Palästinenser aus Gaza und aus der West-Bank vertrieben?

    Ich nehme jetzt mal an, dass dieser Vorwurf irgend einen konkreten Anlass hat. Ich bin sehr verwundert und wäre Ihnen dankbar, wenn Sie das mal näher erläutern könnten. Man lernt ja nie aus.

  5. Wiedergutmachung ja – aber bitte schön von denen, die tatsächlich etwas wieder gut zu machen haben. Man kann seine Rechnungen doch nicht wahllos von jedem begleichen lassen.
     
    Ein der intellektuellen Oberschicht angehörender Palästinenser, der schon mehrere Jahrzehnte in Deutschland lebt und sich als integriert betrachtet, schlug in kleinem Kreise einmal (ernsthaft) vor, sämtliche seine palästinensischen Landsleute nach Deutschland zu holen (so wie dies einst Israel mit den äthiopischen oder jemenitischen Juden gemacht hat), sie mit deutschen Pässen auszustatten, ihnen Deutschkurse und weitere Integrationshilfen zu gewähren, ihnen die Möglichkeit einzuräumen, allmählich Deutsche zu werden. Dies, so seine Worte, würde dem Nahen Osten endlich den von allen sehnlichst erwünschten, dauerhaften Frieden, Deutschland einerseits wertvolle kulturelle Bereicherung, andererseits eine echte Wiedergutmachung im Verhältnis zu den Juden bescheren.
     
    Eine echte Alternative, die hier und anderswo meines Wissens noch nicht diskutiert wurde.
    Innenminister de Maiziere, rechnen Sie mal durch, vielleicht macht sich dieses Modell ja tatsächlich für die deutsche Wirtschaft bezahlt, längerfristig gesehen, versteht sich!
    Das Problem mit den geringen deutschen Kinderzahlen und somit Steuerzahlern in den kommenden Jahrzehnten wäre damit jedenfalls gelöst.

  6. ‚Wiedergutmachung ja – aber bitte schön von denen, die tatsächlich etwas wieder gut zu machen haben.‘ Dafür bin ich auch. Fangen wir an mit Fatah und Hamas, die radikaleren Gruppen danach – wie, die wollen nix wiedergutmachen? Da sollte Jane schnell was verbessern, sonst blutet ihr linkes Herz noch aus.

  7. Jane lernen Sie die Realität kennen. In Israel ist in großer Auflage das Buch von Benny Morris in Hebräischer Sprache erschienen über die Entstehung des Problems der pal. Flüchtlinge. Das Buch ist bislang übrigens nicht in deutscher Sprache erschienen.
    Und lernen Sie Jane Geschichte. Niemand leugnet, dass aus dem ehemaligen britischen Mandatsgebiet an die 630.000 Araber geflüchtet und nachdem arabische Armeen den jungen Staat Israel angegriffen haben, während Kriegshandlungen an die 70.000 Araber ein paar km von den Waffenstillstandslinien bei ihren Brüdern und Schwestern gelandet sind. Niemand leugnet, dass sowohl Jordanier als auch Ägypter keinen einzigen Juden im Gazastreifen, auf der Westbank und in Ostjerusalem duldeten, während 150.000 Araber auf israelischem Gebiet bleiben konnten. Heute sind 20% der israelischen Bürger Araber.
    Übrigens 1947/48 gab es in Indien eine Flüchtlingsbewegung von 10 Millionen Menschen zwischen Indien und dem Staat der Reinen, Pakistan, das auf rein religiöser Grundlage entstand. Wir dürfen auch nicht vergessen, dass die Sowjetunion Millionen Polen, die keinen Krieg gegen die Sowjetunion geführt haben, einfach hunderte km in den Westen versetzte.
    Im übrigen wenn Sie zum Frieden einen Beitrag leisten wollen, versuchen Sie mal von Ägypten aus nach Gaza zu gelangen und überzeugen die Mordhetze gegen Juden einzustellen. Schauen Sie sich das an.
    http://www.memritv.org/clip/en/0/0/0/0/0/0/2676.htm
    Sie wollen mir doch nicht erklären, dass solche Mordhetze gerechtfertigt ist, oder das man dafür Verständnis haben soll?

  8. Nun, so lange die Palästinenser nicht ihren Staat haben und die Israelis die Nakba mehr oder weniger leugnen und sich Tag für Tag weiter ausbreiten auf besetztem Gebiet, ist es einfach unangebracht von den Palästinensern auch noch Mitgefühl zu verlangen, für Verbrechen, die Juden in Europa von Europäern angetan wurden, ganz egal wie schlimm die waren.

    Der Holocaust ist zweifelsohne relevant für die Gründung Israels, aber es kann doch für die Palästinenser nicht dahin führen, dass sie ihrer eigenen Vertreibung zuzustimmen oder diese irgendwie verharmlosen. Vor irgendeinem Entgegenkommen und das meine ich auch ganz allgemein menschlich, muss das Ende der Entrechtung der Palästinenser stehen. Vorher kann man von den Palästinensern gar nichts verlangen und vorher ist es abwegig gegenseitiges Verständnis einzufordern – was heißt ‚gegenseitig‘ – einseitiges Verständnis wäre richtiger.

    Es ist verrückt, wenn man von den Palästinensern verlangt, was unter normalen Umständen wirklich kein Mensch machen würde. Mit welchem Recht? Der Umstand, dass Deutschland einen gigantischen Massenmord an Juden verübt hat, kann doch nicht als Begründung dafür herhalten, dass fortan die Palästinenser zur Manövriermasse degradiert werden und dem bitte schön selbst zuzustimmen haben.

    Auf diese Art und Weise entsorgt doch der konservative Mainstream und die antideutsche Linke und die pro-zionistischen Expansionisten heute das schlechtes Gewissen wieder mal auf Kosten anderer, jener die schwach sind und sich nicht wehren können. Das ist nicht wirklich ein Zeichen moralischer Integrität.

    Wiedergutmachung ja – aber bitte schön von denen, die tatsächlich etwas wieder gut zu machen haben. Man kann seine Rechnungen doch nicht wahllos von jedem begleichen lassen.
    Und in NahOst haben nach meinem Dafürhalten erst mal die Israelis etwas an den Palästinensern wieder gut zu machen. Von der Einsicht scheint allerdings die Politik und auch eine Mehrheit der Bevölkerung weit entfernt zu sein.

  9. „J.Grossheim“ aha, wenn also Araber den Holocaust leugnen oder verharmlosen ist das laut Ihrer Meinung nach nicht Antisemitismus sondern Antizionismus und somit legitim?
    Die EUMC hat schon vor Jahren definiert, was Antisemitismus ist und die Holocaustleugnung und Verharmlosung sowie der Vergleich israelische Politik mit der der Nazi ist Antisemitismus.

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