Jom haSchoah: Holocausttag im Zeichen neuer Vernichtungsdrohungen

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Israel begeht seinen Holocaustgedenktag im Schatten fast täglicher Drohungen aus Iran, vernichtet und ausgelöscht zu werden. Gleichzeitig wird eine erhebliche Zunahme antisemitischer Gewaltakte in aller Welt registriert, mehr als jemals zuvor seit Ende des Zweiten Weltkriegs. Und in Israel selbst sterben die letzten Zeitzeugen, verarmt, krank und mittellos, weil Hilfsgelder und Zuschüsse, etwa für Medikamente, in dunklen Kanälen versickern…

von Ulrich W. Sahm, Jerusalem, 12. April 2010

Am Sonntag Abend entzündeten sechs achtzigjährige Holocaust-Überlebenden auf dem „Platz des Aufstandes im Warschauer Ghetto“ in Jad Vaschem im Beisein der ganzen Staatsspitze sechs Fackeln. Die symbolisierten die sechs Millionen ermordeten Juden in der Nazizeit. In wenigen einprägsamen Worten erzählten die alten und gebrechlichen Menschen ihr Schicksal. Unter tausenden Toten entdeckte einer von ihnen die frisch erschossene Leiche seines Vaters, mit einem Zettel in der geschlossenen Faust. „Sagt meinem Sohn, falls er lebt, dass er meinen Tod rächen soll“, stand da auf Jiddisch, dem fast ausgestorbenen Mittelhochdeutsch der europäischen Juden. „Ich habe die Nazis besiegt. Dies ist meine erfolgreiche Rache“, sagte er in der nächsten gefilmten Szene, umgeben von Kindern, Enkeln und Urenkeln. Ein anderer Überlebender stellt seinen Enkel in israelischer Soldatenuniform vor: „Niemals wieder wird sich das jüdische Volk wehrlos abschlachten lassen.“

Das gleiche Motiv schnitt Ministerpräsident Benjamin Netanjahu in seiner Rede an, wenige Stunden, nachdem er seine Teilnahme an dem von Präsident Barack Obama einberufenen „Nuklearen Sicherheitsgipfel“ abgesagt hatte. Der israelische Premierminister wies darauf hin, dass Israel der einzige Staat sei, dessen pure Existenz mit täglichen Drohungen in Frage gestellt werde. Speziell Iran arbeite daran, „erneut sechs Millionen Juden zu ermorden. Aber Israel weiß sich zu verteidigen.“

Obgleich die Konferenz in Washington Wege erkunden solle, radioaktives Material, darunter 1,5 Millionen Tonnen angereichertes Uran und 1 Million Tonnen Plutonium, nicht in die Hände von Terroristen wie El Kaeda fallen zu lassen, seien Informationen nach Israel, den Gipfel als Bühne für eine Kampagne gegen die mutmaßliche atomare Bewaffnung Israels zu benutzen. Namentlich genannt wurden arabische Länder wie Ägypten und die Türkei. Die wollen Israel zwingen, dem Atomsperrvertrag beizutreten und sein Atomprogramm offen zu legen. Die israelische Delegation wird nun Vize-Ministerpräsident Dan Meridor, zuständig für den Geheimdienst, anführen.
Seit Jahrzehnten hat Israel einen Besitz von Atomwaffen weder dementiert noch bestätigt. Dank dieser Abschreckung habe Ägypten unter Präsident Anwar el Sadat mit Israel Frieden geschlossen, weil der jüdische Staat für ihn als unbesiegbar galt.

Derweil registrierten Antisemitismus-Forschungsinstitute in Israel im Jahr 2009 doppelt so viele antisemitische Gewalttaten als im Jahr zuvor. Unter den 1129 Prügeleien, Syngogenverbrennungen und Friedhofsschändungen wurden allein 374 Fälle in Großbritannien, 195 in Frankreich und 138 in Kanada registriert. In Österreich stieg die Zahl der Vorfälle von 0 auf 22. In der Ukraine, in Russland und in Deutschland gab es einen Rückgang antisemitischer Vorfälle.

In Israel macht der erbärmliche Zustand der 80.000 noch lebenden Zeitzeugen Schlagzeilen. In Haifa strengt der Anwalt einer 90 Jahre alten Überlebenden eine Sammelklage gegen die halbstaatliche Krankenkasse Kupat Cholim an. Seit 1967 habe Deutschland Millionenbeträge nach Israel überwiesen, um Medikamente für die gesundheitlich angeschlagenen ehemaligen Häftlinge in Konzentrations- und Vernichtungslagern zu subventionieren. Doch die Krankenkasse habe die Gelder einbehalten und die Patienten gezwungen, ihre Behandlung aus eigener Tasche zu bezahlen. Bei den mutmaßlich unterschlagenen Geldern handle es sich laut Medienberichten um über 10 Millionen Euro pro Jahr.

© Ulrich W. Sahm, haGalil.com

15 Kommentare

  1. @robert

    leider sind viel so, aber Gott sei Dank kenne ich Menschen, die das stört, die sich fragen, wie es sein kann, dass jüdische Einrichtungen geschützt werden müssen, wenn man sie aufklärt, warum das leider sein muss. Aber die Mehrheit interessiert sich nicht dafür. Die Gleichgültigkeit ist in Deutschland das große Problem.

  2. In Deutschland sind jüdische Einrichtungen öffentlich sichtbar bewacht, es gibt zwar Ausnahmen, wo es keine Bewachung gibt, aber die Bewachung ist die Regel. Überall stehen dort Polizisten. Ich finde es immer wieder traurig, dass das nötig ist.

  3. „In Deutschland werden fast alle Synagogen und jüdischen Einrichtungen mit Polizei geschützt. Dass das gerade hier nötig ist, ist eigentlich ein Skandal, aber das scheint kaum jemanden zu interessieren.“

    Es ist die selbe Gleichgültigkeit und Wurschtigkeit wie 1933 oder 1938. Wegschauen und sich ablenken, nur nicht daran rühren, daran denken, sich einmischen…

    Wen wundert’s, wenn drei Generationen lang von staatlicher Seite Alles unternommen wurde, um uns Deutschen einzubläuen, „die Nazis“ und „der Hitler“ waren’s, euch hingegen trifft keine Schuld. Wenn ferner systematisch der christlich-deutsche Antijudaismus von vor 1933 aus den Geschichtsbüchern herausgehalten wird, wenn die Kirchengeschichte weiß und ‚unbefleckt‘ wie Mariens Empfängnis dargestellt wird und wenn man es schließlich mit einer Masse von unkritischen, national wie religiös eigenverliebten, mindergebildeten Arbeits- und Kampfrobotern zu tun hat.

    So sind wir Deutschen eben.

  4. @Yael:

    Ich denke, die Synagogen in der Schweiz werden auch beobachtet. Ich wartete einmal für etwa 2 Stunden bei der Busstation vor der Synagoge in Basel. Es kamen zwar keine uniformierten Polizisten vorbei, aber ich hatte die ganze Zeit das Gefühl, dass der Ort bewacht wird. Ist auch nötig, denn in der Schweiz wurden auch schon orthodoxe Juden angegriffen/ermordet, einmal sogar jemand gleich vor der Synagoge in Zürich. Muss ich leider sagen. Aber es ist nicht an der Tagesordnung. Ist Jahre her, so weit ich es mitbekommen habe. Jedenfalls sah ich bei der Basler Synagoge jüdische Familien mit Kindern vorbeischlendern, entlang der Synagoge, sie fühlten sich offensichtlich sicher. Allerdings hatte ich schon den Eindruck, dass sie die Leute in der Straße beachteten und taxierten. Würde ich an ihrer Stelle auch tun.

    Lieben Gruß

  5. Wie ist denn das in der Schweiz? In Deutschland werden fast alle Synagogen und jüdischen Einrichtungen mit Polizei geschützt. Dass das gerade hier nötig ist, ist eigentlich ein Skandal, aber das scheint kaum jemanden zu interessieren.

    Hier http://test.hagalil.com/2010/02/21/antiwand-2/ können Sie sich um einige Vorgänge in Deutschland in den letzten Wochen informieren.

  6. Was die Angriffe auf Synagogen betrifft, hab ich mich schon oft gefragt, welche Sicherheitsvorkehrungen da von staatlicher Seite zugesichert werden. Als ich einmal bei der Busstation vor der Synagoge wartete, beobachtete ich die Leute, die da so vorübergingen, erinnerte mich an Nachrichten, wo Juden auf offener Strasse angegriffen wurden, und an die Mail einer jüdischen Freundin, welche sich um Freunde sorgte, deren Synagoge durch eine Bombe teilweise zerstört wurde, ihre Ungewissheit, ob es Verletzte oder Tote gab. Und das mitten in Europa. Stimmt mich traurig, dass das alles immer noch Gegenwart ist.

    Lieben Gruß

  7. simcha,

    „Wenn man den Artikel liest, wird aber schon dort selbst schnell klar, dass es sich um ganz normale Ausweisung von Unberechtigten handelt, so wie in Deutschland und in jedem anderen Land auch illegale Einwanderer in ihre Heimatlaender ausgewiesen werden.“

    Das glauben Sie doch selber nicht. Sie wissen genau was vor sich geht.

  8. „Obgleich die Konferenz in Washington Wege erkunden solle, radioaktives Material, darunter 1,5 Millionen Tonnen angereichertes Uran und 1 Million Tonnen Plutonium, nicht in die Hände von Terroristen wie El Kaeda fallen zu lassen, seien Informationen nach Israel (gedrungen?), den Gipfel als Bühne für eine Kampagne gegen die mutmaßliche atomare Bewaffnung Israels zu benutzen.“

    Sollte es sich nicht eher 1500 Tonnen waffenfaehiges Uran und 600 Tonnen Plutonium handeln? Die hier genannten Zahlen sind doch etwas aeh… astronomisch.

    Weiterhin wurde das Treffen entgegen Netanyahus Befuerchtungen nicht zu einer Kampagne gegen Israels atomares Arsenal benutzt. Stattdessen duerften die vom amerikansichen Praesidenten angemahnten Sicherheitsvorkehrungen eher in israelischem Interesse liegen. Zusaetzlich hat Praesident Obama den chinesischen Praesidenten Hu Jintao anscheinend erfolgreich fuer haertere Sanktionen gegen den Iran umworben.

    Bleibt die Frage offen, warum Israel neben Nordkorea, Indien und Pakistan nicht dem Atomwaffensperrvertrag beitreten sollte. Kurz gesagt fordert selbiger doch nur eine Offenlegung des atomaren Arsenals sowie die Verpflichtung, Technologie und atomwaffenfaehiges Material nicht weiter zu verbreiten. Sogar der Iran hat den Vertrag unterzeichnet…

  9. @Yael
    Verbindlichsten Dank für diesen Artikel; gestatten Sie mir, Ihnen mein Lob auszudrücken; ich habe aus den von Ihnen hergestellten Links schon mehrfach größten Nutzen ziehen können. Danke und alles Gute!
    RS

  10. Wie einmal so typisch für einige hier. Ausgerechnet am Tag des Gedenkens an die !Schoah! solch einen Artikel zu verlinken, der ums angebliche Deportieren geht. Was die Deutschen unter Deportationen verstanden haben, sollte man heute wissen. Eine Schande, die deutschen Verbrechen so zu relativieren.
    Menschen wie Sie sollten sich in Grund und Boden schämen.

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