Erfolgskurs: Siemens setzt auf Solel und auf Sonne

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100 Tage sind vergangen, seitdem der Siemens Konzern seinen wichtigsten Einstieg in die israelische Wirtschaft abschloss, als er für 418 Millionen Dollar die Firma Solar übernommen hat. Dieser Kauf war für den deutschen Konzern ein ernster Schritt, und gerade kam der Generaldirektor von Siemens, Peter Löscher, eigens nach Israel, um Beit Shemesh zu besuchen und eine weitere Investition in die Solarthermie Firma bekannt zu geben, in Höhe von 50 Millionen Euro…

„Solel verfügt über das Potenzial, zum neuen Wachstumsmotor von Siemens zu werden“, erzählt Peter Löscher in einem Gespräch, das Amiram Bareket für das israelische Wirtschaftmagazin Globes führte

Die Firma Solel, oder mit ihrem neuen Namen Siemens Concentrated Solar Power (CSP) ist eine der zwei einzigen Firmen in der Welt, die über die Technologie der Solarthermie verfügt. Die zweite ist die deutsche Firma Schott, die 70% des Weltmarkts kontrolliert. Der Geschäftsabschluss im Oktober letzten Jahres war ein weiterer Schritt zur Verstärkung der Aktivitäten des Siemens Konzerns im Energiesektor. Löscher erzählt in einem Exklusivinterview mit Globes von der Vision und dem Potenzial im Energiebereich.
Außerdem kam das Gespräch auf den Abzug eines der größten Weltkonzerne aus dem Iran, sowie auf die Korruptionsaffäre, die die Firma in den letzten Jahren erschütterte. Löscher (53) übernahm das Amt von Klaus Kleinfeld, der im Jahr 2007 aufgrund der Korruptionsaffäre seinen Rücktritt erklärte. Der Österreicher ist der erste GD von Siemens seit der Gründung des Konzerns vor 160 Jahren, der von außerhalb der Firma kam.

Sie sagten vor Kurzem in einem Interview mit dem „Wall Street Journal“, Solel habe das Puzzle auf dem aufsteigenden Markt der Solarthermie vervollständigt. Was meinten Sie damit?

„Bis 2003 machte die Investition in innovative Energie 40% der Gesamtinvestitionen in der Sparte aus. Analytiker sagen voraus, dass Solarstrom 30% des innovativen Energiemarkts ausmachen wird. Nach dem Erwerb von Solel kann Siemens ganze Solarfarmen planen und bauen. Unser Ziel ist es nun, so schnell wie möglich eine Anpassung zwischen den Kosten der Herstellung des Solarstroms und den Kosten für den Verbraucher herzustellen, und wir nähern uns diesem Ziel bereits.“

Was ist Ihre Vision für die solarthermischen Geschäfte?

„Unser Ziel ist es, die Nummer 1 auf diesem Mark zu sein. Um dies zu erreichen, werden wir Beit Shemesh zum Zentrum unserer solarthermischen Geschäfte machen, die Produktionskapazität erhöhen und, wie gesagt, in den kommenden Jahren 50 Millionen Euro zu investieren.“

Welches Potenzial hat die Solartechnologie?

„Nachdem wir 2004 die Firma gekauft hatten, die Strom aus Windmühlen gewinnt, erweiterten wir die Geschäfte schnell und mit großem Erfolg, und jetzt sind wir die Nummer 1 auf dem Bereich von Windturbinen, die im Meer installiert sind. Wir wollen diesen Erfolg auf dem Solarsektor wiederholen. Solel hat das Potenzial, der neue Wachstumsmotor von Siemens zu werden.“

Welche Vision hat Siemens bezüglich der Solarenergie im Allgemeinen? Vervollständigt die Solarthemie die jetzige photovoltaische Technologie?

„Siemens ist seit über 40 Jahren auf dem photovoltaischen Markt tätig. Wir bieten Anschlüsse an das Stromnetz und Serviceleistungen, wie auch Kontrolle und Instandhaltung von Kraftwerken… Wir werden das erste kommerzielle Solarkraftwerk in Israel bauen, und wir erhielten eine Bestellung in Höhe von 40 Millionen Euro von der Firma Eolia Renovables, deren Sitz Madrid ist, für den technischen Betrieb und die Instandhaltung der photovoltaischen Anlagen.“

… Vor Kurzem wurde veröffentlicht, Siemens sei daran interessiert, in Israel Strom aus Wind zu gewinnen. Gibt es weitere Projekte in Israel, an welchen Siemens interessiert ist?

„Siemens richtet sich auf drei globale Mega-Trends ein. Der erste ist der Klimawechsel, der die Umwelttechnologien zur führenden Industrie des 21. Jahrhunderts machte. Unsere grünen Aktivitäten erbringen heute Einnahmen in Höhe von 23 Milliarden- ca. ein Drittel der Gesamteinnahmen des Konzerns- und beschäftigen 100.000 Mitarbeiter.“

Und die beiden anderen Trends?

„Die anderen Trends sind die sich verändernden demographischen Umstände und die zunehmende Urbanisierung. Schon heute wohnen mehr Menschen in Städten als in ländlichen Gegenden, die Lebenserwartung nimmt ständig zu. Große Städte wie Tel Aviv werden mit wichtigen Herausforderungen konfrontiert. Die Bewohner erwarten eine gute Lebensqualität. Sie brauchen saubere Luft, gutes Wasser und ein verlässliches Stromnetz. Weiterhin brauchen sie Gesundheitsdienste zu annehmbaren Preisen sowie gute öffentliche Transportmittel. Experten sehen voraus, dass in Städten in aller Welt in den nächsten 25 Jahren 27 Trillionen Euro in die Erweiterung der Wasser- , Strom- und Verkehrsnetze investiert werden wird. Wegen unserem besonderen grünen Portefeuille wird Siemens dafür der perfekte Partner sein.“

Was bedeutet das für Israel?

„Wir führen in Israel viele Projekte durch, unter anderem Verträge für drei Gasturbinen mit Israel Electric; die Übergabe von 87 Waggons an die israelische Bahn; Tomographie und Ultraschall Anlagen und vieles mehr.“

Vor einem Monat gab der Siemens-Konzern bekannt, dass er die Geschäftsbeziehungen mit dem Iran einstellen wird. Dies trifft jedoch nicht auf Projekte zu, zu deren Abschluss Siemens verpflichtet ist, sondern nur auf künftige Projekte. Die Erklärung erfolgte undramatisch, als Antwort auf eine Frage bei der jährlichen Versammlung der Aktionäre. Es wird angenommen, dass der Beschluss nach massivem amerikanischen Druck erfolgte.

Der Beschluss, sich aus dem Iran zurückzuziehen, erfolgte nach langen Debatten. Was war der eigentliche Auslöser?

„Im Vergleich zu unseren Gesamteinnahmen sind die Einnahmen aus dem Iran nicht von großer Bedeutung. Nachdem wir den globalen Gesichtspunkt in Betracht gezogen haben, glauben wir, dass wir die richtige Entscheidung getroffen haben.“

Nur wenige deutsche Firmen haben es Ihnen gleichgetan. Hat Sie das enttäuscht?

„Wir sind nicht die Ratgeber anderer Firmen. Als wir den Entschluss trafen, konzentrierten wir uns ausschließlich auf unseren Konzern. Die Strategien anderer Firmen oder Konkurrenten spielten hier keine Rolle.“

Siemens war in eine Korruptionsaffäre verwickelt… Welche Schlussfolgerungen wurden gezogen?

„Wir haben eine weitgehende Verbesserungen durchgemacht, sowohl personelle als auch organisatorische. Was die Ethik betrifft betrachten selbständige Beobachter Siemens heute als Modell.“

Das ist Ihr zweiter Besuch in Israel in weniger als einem Monat. Was bedeutet das?

„Das zeigt klar, dass Israel für Siemens immer wichtiger wird, da es uns zahlreiche Möglichkeiten bietet. Israel hat in den letzten 20 Jahren seine HiTech Industrie intensiv entwickelt. Die neuen Bestellungen, die Verkäufe und die Zahl der Mitarbeiter bei Siemens Israel haben 2009 bedeutend zugenommen, und ein Treffen mit unseren Kunden und Mitarbeitern ist immer ein wahres Vergnügen.“