„Jude“, „Scheißjude“: 15-Jähriger nach Überfall im Krankenhaus

Mit großem Entsetzen hat die Stuttgarter Gemeinde vom Übergriff auf einen Jungen aus der Gemeinde erfahren, der sich in der Nacht vom letzten Donnerstag auf Freitag in Stuttgart ereignete…

Pressemeldung der IRG-Württemberg

Stuttgart, 01.09.11 – Der Fünfzehnjährige wurde so schwer verletzt, dass er im Krankenhaus behandelt werden musste. Dem Vernehmen nach wurde das Opfer auch als „Jude“ und „Scheißjude“ beschimpft. Die Polizei ermittelt wegen schwerer Körperverletzung.

Gewaltausbrüche und Mobbing unter Kindern und Jugendlichen sind ein wachsendes Problem. Die „Andersartigkeit“ des Opfers – sei es, dass es eine andere Hautfarbe hat, eine andere Sprache spricht oder einer anderen Religion angehört – ist häufig Ansatzpunkt für die wiederholten Attacken. Diese Erfahrung machen auch jüdische Kinder und Jugendliche leider immer wieder.

Dass zunehmend auch Kinder als Täter in Erscheinung treten, ist seit dem Vorfall in Hannover allgemein bekannt, als bei einer Tanzveranstaltung im Juni 2010 Kinder jüdische Tänzer mit Steinen bewarfen. Doch das Ausmaß der Brutalität und der Enthemmung beim Überfall in Stuttgart lässt aufhorchen: es stand zehn zu eins – zehn schüchterten das Opfer ein. Zwei, darunter dem Vernehmen nach ein Zwölfjähriger, schlugen unter dem Beifall der Umstehenden zu. Angeblich soll dies kein antisemitisch motivierter Gewaltakt gewesen sein. Warum wurde das Opfer dann als „Jude“ und „Scheißjude“ tituliert, während die Schläge und Tritte auf Kopf und Bauch einprasselten? Handelte es sich dabei nur um eine Art Begleitmusik für einen ansonsten alltäglichen, brutalen Akt von Jugendgewaltkriminalität?

Es bleibt ein Gefühl der Beklommenheit. Können unsere Gemeindemitglieder weiterhin unbekümmert über die Straße gehen? Dürfen unsere Schüler auch in Zukunft unbekümmert zu ihrem Judentum stehen? Eine ausgeprägte antisemitische oder fremdenfeindliche Ideologie vorauszusetzen, um Gewalt als antisemitisch oder fremdenfeindlich zu problematisieren, greift viel zu kurz. So werden Probleme erst erkannt, wenn es längst zu spät ist. Derjenige, der wiederholt gehänselt, gemobbt oder gar verprügelt wird und dabei immer wieder seine Andersartigkeit vorgehalten bekommt, ist längst Opfer solcher Gewalt.

Im Laufe des Wochenendes konnte der Junge das Krankenhaus wieder verlassen. Er befindet sich jedoch weiter unter Schock. Wir hoffen, dass er sich bald wieder erholen wird und dieser Überfall ein Anlass mehr sein wird, die Fundamente unseres Zusammenlebens mit Nachdruck zu thematisieren. In der Öffentlichkeit. In den Schulen. In den Familien.

DER VORSTAND
Barbara Traub M.A., Vorstandssprecherin
Susanne Jakubowski Vorstand
Michael Kashi Vorstand

LANDESRABBINAT
Netanel Wurmser Landesrabbiner

Presseerklärung der IRGW – Israelitische Religionsgemeinschaft Württembergs K.d.ö.R. (IRGW)
Hospitalstraße 36  |  70174 Stuttgart  |  www.irgw.de

17 Kommentare zu “„Jude“, „Scheißjude“: 15-Jähriger nach Überfall im Krankenhaus

  1. Die erste Vermutung in diesem Kommentarbereich ging in Richtung der autochtonen Deutschen. („Die Enkelkinder des dritten Reiches und der
    Wilhelminischen Ära“).

    Diese Vermutung ist aus mehreren Gründen unwahrscheinlich:

    1. In Stuttgart dürfte die  Mehrheit in dieser Altersgruppe derzeit einen Migrationshintergrund haben. Bei der Stuttgarter Gesamtbevölkerung sind es ja fast schon 40 %, bei den jüngeren ist der Anteil dann deutlich höher.
    2. Fast  alle Angriffe von Jugendlichen und Kindern auf Juden in den letzten Jahren wurden von muslimischen Migranten verübt.

    Insofern ist dies die wahrscheinlichste Vermutung.

    Natürlich kann es auch ein Fake sein und es ist überhaupt nichts vorgefallen.

    Dies wäre dann die zweitwahrscheinlichste Vermutung.

  2. „.. oder so, paar Ochsenziemer “

    @ Jim,
    war das ein Aufruf zu  einer kriminellen gewalttat?

    doch zurück zum Thema:

    Ich versuche immer noch, ausser der ersten Pressemeldung der IRG-Württemberg und dem darauf gründenden meldung der Jüdischen Allgemeinen irgend etwas im Netz zu finden. Wie gehts dem Jungen? Was machen die Ermittlungen?

    Auch in den online-Polizeiberichten von BW, die jede Dackelattacke melden, finde ich nichts.

    Wenn ich da zu blöd bin, bitte Hinweis (nein – nicht zu meinem Gesiteszustand 😀  sondern zum „Fall“)

    Doch grundsätzlich frage ich mich so langsam, ob das nicht ne Online-Ente war (Namensgleichheit ist rein zufällig). Ich finde, da sollte mensch noch etwas mehr Nachforschungsenergie reinsetzen, bevor die islami(sti)sche-Jugendgang-Weltverschwörung grundsätzlich-und-immer schuldig gesprochen wird.



  3. Gelobt sei Jesus Christus,
    durch einen Zufall bin ich auf Ihre Seite geraten …

    hey, wenn Sie schon mal da sind, schon was gegen die Kölner Klagemauer auf dem Domplatz unternommen?
     
    Ne kleine Demo oder so, paar Ochsenziemer – wie wär’s? Für paar hundert wahrhaftige Christen sollte so etwas doch kein Problem sein, oder?
     
     
     
     

  4. Gelobt sei Jesus Christus,
    durch einen Zufall bin ich auf Ihre Seite geraten und in diesem Zusammenhang auch
    auf dieses Forum. Natürlich ist es unmöglich, dass Kinder-egal welcher Hautfarbe und Glaubens – gemobbt oder verprügelt werden. Aber aufgrund der fehlenden Berichterstattung in unseren Medien gleich darauf zu schliessen, dass hier wieder dem „Hobby“ unserer Großeltern gefrönt würde, ist sehr, sehr bedauerlich. Ich selbst, Jahrgang 1959, bin eigentlich entsetzt, bei dieser Grundeinstellung und dauerndem Mißtrauen kann niemals so etwas wie Gemeinsamkeit oder Aufrichtigkeit entstehen. Im Gegenteil, es wird denjenigen Kräften in die Hände gearbeitet, die ein latentes Interesse an einer weiteren Ausgrenzung Ihrer Religionsgemeinschaft  haben.
    Wissen Sie eigentlich, wie oft in Köln täglich christliche Kinder dasselbe erfahren, ohne dass gleich bei fehlender Berichterstattung auf ein jüdisches Komplott geschlossen wird.
    Alles nur traurig
     

  5. Wären die Täter Deutsche gewesen, dann hätten das die Medien mit Sicherheit gebracht. Handgreiflicher Antisemitismus hat leider fast immer einen Migrationshintergrund, nicht nur in Deutschland …

  6. „Die Enkelkinder des dritten Reiches und der Wilhelminischen Ära können wieder Öffentlich ihrem Hobby nachgehen Juden zu beschimpfen und zu Verprügeln.“

    Erstens bezweifle ich stark, dass die Täter hier zu suchen sind und ausserdem ist der Satz inhaltlich daneben. Er müßte heissen:

    „Die Enkelkinder des dritten Reiches und der Wilhelminischen Ära können wieder öffentlich dem Hobby ihrer Grosseltern nachgehen, Juden zu beschimpfen und zu Verprügeln.“

    Denn ihr Hobby ist es ja niemals gewesen.

  7. >>“Dass zunehmend auch Kinder als Täter in Erscheinung treten, ist seit dem Vorfall in Hannover allgemein bekannt, als bei einer Tanzveranstaltung im Juni 2010 Kinder jüdische Tänzer mit Steinen bewarfen“<<

    Es ist befremdlich das nirgendwo darauf eingegangen wird das diese Tat von arabischen Kindern begangen wurde.

    Und ich wette das auch die Prügel für den Jungen von einer islamischen Gang kam.

    Ich frage mich allerdings warum diese Problematik hier so ignoriert wird (islamische Kinder boykottieren den Holocaust-Unterricht u.v.m) und stattdessen der Finger auf sogenannten wachsenden Antisemitismus der Deutschen gerichtet wird?

    Was will der Autor damit erreichen?

  8. @Ulli

    Hochachtung und kol hakawod alle Ehre zu Ihnen und ich weiss das es Zadekim unter den anderen Völkern gibt die erkannt haben das die Gebote G“ttes an das Jüdische Volk Einzigartig sind.

    Nicht Juden die sich für die Jüdische Religion einsetzen sind; Gerechte unter den Völkern.

    Mein Respekt an Sie Shabbat Shalom

  9. Neville,
    …bemerkenswert, wie feinsinnig bemerkt!
     
    Der ‚JüdischenAllgemeinen‘ immerhin war’s doch eine Meldung wert, der Rest der „deutscheren“ Medienlandschaft hat wohl verinnerlicht, daß die „Sonderbehandlung“ von Juden nicht so angebracht sei (es sei für Schläger, aber wen interessiert’s? Ups, es sei, der Jude heißt „Israel“ und frißt wieder die Kinder der freundlichen Nachbarn, oder so ähnlich…)
     
     
     

  10. Ich bin ein Kind des Tätervolkes und ein Urenkel „des Kaiserreiches“
    Antisemitismus/Antiisraelismus sind jedoch nicht mein „Hobby“, denn Judentum ist für mich die einzige wahre Religion.
    Wo soll ich mich nun hinstellen?

    Ulli

  11. Ist mir auch passiert hier in Deutschland. Fragt mich einer, bist du Jude ? Ich antworte : Ja. Sagt er: Dann müsste man dich vergasen (nach Auseinandersetzung kam die Polizei, und drohte mir, mich dann zu sanktionieren, also Platzverweis). Gottseidank vertragen sich die Muslime, Juden und Christen wieder. Der Kern des Konfliktes ist gelöst. Die Wurzeln sind aufgearbeitet. Tatsächlich führte ein perfides Komplott von Pontius Pilatus zum grausamen Genozid an Juden durch die gesamte Geschichte hindurch. Der Mord an Jesus geht auf das Konto der Römer, nicht der Juden.

  12. Wer darauf achtet und genau hinsieht kann es schon seit Jahren beobachten, das der Antisemitismus in deutschland wieder eine feste grösse und Aktzeptanz in der Bevölkerung hat.

    Die Enkelkinder des dritten Reiches und der Wilhelminischen Ära können wieder Öffentlich ihrem Hobby nachgehen Juden zu beschimpfen und zu Verprügeln.

    Baruch haschem das ist der Grund warum es Israel gibt und es sich Lohnt für Israel zu Kämpfen. Das wenn Juden ihr Leben und ihre Lebensexistenz bedroht wird, sie jederzeit in ihre Heimat nach Israel gehen können wo sie als Juden leben können.

    Gelobt sei der G“tt Israel der uns zurückführt nach Zijon

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