Von Ramona Ambs
Sukkot ist ein gutes Fest, um über Wohnungen nachzudenken… Und wenn man über Wohnungen nachdenkt, die ja ohnehin Mangelware sind, kommt man am Thema Miete nicht vorbei. Meine Tochter zum Beispiel wohnt mit ihrem Mann und den zwei Kindern in Miete. Drei Zimmer für 1300 Euro in einem Vorort von Heidelberg. Für hiesige Verhältnisse ist das fast günstig. Aber verglichen mit dem Einkommen der beiden ist es kaum zu stemmen. Meine Tochter lebt von Bafög. Da ist die Wohnpauschale von 380 Euro veranschlagt… und mein Schwiegersohn ist auch kein Gvir… Unter diesem Aspekt kann man fast verstehen, dass die Linke mit ihrem Wohnungs-Wahlkampf in Berlin gewonnen hat.
Wohnen ist wichtig.
Wichtiger als Juden.
Ganz offensichtlich.
„So schlimm wirds schon nicht kommen“, sagen mir die, die die Linke gewählt haben. Es sind „nur Einzelstimmen“ sagen sie, wenn ich nach dem Antisemitismus frage. Und der Spiegel hat sogar 150 Juden aufgetrieben, die das auch nicht so schlimm finden und für rot rot grün plädieren.
Na dann.
Dass die restlichen mehr als 30.000 Juden der Stadt sich nicht dafür aussprechen und der Zentralrat der Juden sogar vor dieser Koalition warnt- wumpe! Für Linke ist das dann eine Kampagne, eine „Instrumentalisierung der Juden von rechts“.
Und keine Frage gibt es solche Instrumentalisierungen, nur kommen sie regelmäßig aus allen politischen Lagern, je nachdem wo’s wem grade passt.
Dass Juden aber auch Menschen mit Meinungen und Erfahrungen sind, wird dabei vergessen. Oder eben untern Tisch fallen gelassen. Weil: Wohnungen sind wichtiger als Juden. Und wie gesagt: ich find Wohnungen auch wichtig.
An Sukkot lädt man symbolisch die Uschpisin, die heiligen Vorfahren in die Sukka ein. Man soll aber auch die Armen bewirten und sicherstellen, dass sie genug haben. Im Zohar (Emor 103 b) steht: „Man muss die Armen erfreuen. Was ist der Anteil der [heiligen] Gäste? Es ist der Anteil, den man den Armen gibt. Wenn eine Person in der Sukka sitzt und die heiligen Gäste einlädt, aber den Armen ihren Anteil nicht gibt, stehen die Gäste alle auf und gehen.“
Und diese jüdische Idee von Gerechtigkeit und Solidarität würd ich gern all jenen zurufen, die derzeit relativieren.
Entweder wohnen und leben wir alle gemeinsam in sicheren und bezahlbaren Räumen – oder keiner. Ganz einfach eigentlich.



