Von Ramona Ambs
Man kann angesichts der Weltlage ja ganz grundsätzlich verzweifeln. Grundsätzlich, aber als Jude noch hundertmal mehr. Denn die Übergriffe auf Juden nehmen derzeit schneller zu als man darüber berichten kann… In Montreal gab es Brandanschlag das koschere Restaurant Nöam; in Toronto wurden gleich zwei jüdische Bäckereien beschossen; Ende Juli 2026 bedrohte ein Mann einen jüdisch-orthodoxen Urlaubsgast im Ennstal mit einem Revolver und äußerte sich dabei massiv judenfeindlich; in London gab es gleich mehrere Brandanschläge auf jüdische Einrichtungen sowie das gezielte Anzünden von vier Krankenwagen eines jüdischen Rettungsdienstes im Stadtteil Golders Green; in Berlin wurden Gäste und Mitarbeiter des jüdischen Kulturschiffs MS Goldberg von einem Motorbootfahrer massiv antisemitisch beschimpft und gestern belagerte in Bulgarien eine Gruppe von Neonazis ein Hotel, in dem jüdische Jugendliche untergebracht waren, und bedrohte die Betroffenen massiv… usw…
Es gibt also genug Grund zum Verzweifeln… aber dann guck ich in meine Bücher und lese:
„Es ist strengstens verboten zu verzweifeln!“
sagte Rabbi Nachman von Breslow.
„Es gibt nichts Ganzes, das so ganz ist, wie ein gebrochenes Herz“
sagte Rabbi Menachem Mendel von Kotzk.
„Gerade weil es Verzweiflung gibt, müssen wir Hoffnung erfinden“
sagte Elie Wiesel.
„Pessimismus ist ein Luxus, den sich ein Jude niemals erlauben kann“
sagte Golda Meir.
„Jude zu sein bedeutet, sich niemals mit dem Bestehenden abzufinden, wenn es unvollkommen ist. Das Judentum verlangt den Mut zur Tat, nicht die Resignation des Gefühls. Es fordert den Widerstand gegen das scheinbar Unabwendbare“
sagte Rabbi Leo Baeck.
„Der Mensch, der resigniert, hat aufgehört, Gott zu erwarten. Das Vertrauen aber sagt: Auch aus der tiefsten Nacht führt ein Weg“
sagte Martin Buber.
„Wer resigniert, hat sich bereits dem Feind ausgeliefert. Der Protest, und sei er noch so ohnmächtig, ist das Einzige, was uns als Menschen aufrechterhält“
sagte Jean Amery.
„Die Resignation ist ein schleichendes Gift; sie tarnt sich als Weisheit, ist aber in Wahrheit nur die Feigheit vor dem nächsten Schritt“
sagte Manès Sperber.
„Das Judentum ist die Weigerung, der Verzweiflung nachzugeben“
sagte Rabbi Jonathan Sacks.
Und ich sage: Wie wärs denn mal mit einer Zeit, in der wir keinen Grund zum Verzweifeln haben und zwar so überhauptgarkeinen… wo wir uns einfach mal voll und ganz dem Glück einfach zu sein hingeben können???
wär doch auch mal joffi, oder?



