Für die Bewohner des Gaza-Umlands ist es ein Flashback an Zeiten vor dem 7. Oktober. 2018 begann der Terror mit Drachen und Ballons, die aus Gaza über den Grenzzaun kamen. Ausgestattet mit brennbaren Materialien sorgten sie für teilweise verheerende Brände in den Feldern und Wäldern, landeten auch in den grenznahen Kibbutzim und wurden zu einer schwer kalkulierbaren Bedrohungen für die Bewohner, die sowieso schon unter ständig wiederkehrendem Raketenterror litten. Aus heutiger Sicht war es auch ein eindeutiger Vorbote für wesentlich größere Drachen. Am 7. Oktober 2023 überquerten Hamas-Terroristen auch in motorisierten Gleitschirmen die Grenze.
Auch im Sommer 2026 sind wieder Drachen und Ballone unterwegs. Im Juni wurden neun Drachen im israelischen Gaza-Umland gefunden. Im August waren es bisher zwölf und weitere vier Ballone. Erst gestern wurden zwei Drachen in der Nähe der Kibbutzim Re’im und Nahal Oz gefunden. Bisher sind die Drachen nicht mit Sprengstoff oder brennbaren Materialien ausgestattet, sondern scheinbar harmlos. Also nur Drachen, die Kinder fliegen lassen und dabei von einem besseren Leben träumen? So liest man in den Sozialen Medien. Sind aber Drachen von Kindern mit 4 km langen Fäden ausgestattet? In Israel wird davon ausgegangen, dass die Drachen keineswegs harmloses Kinderspielzeug sind und auch nicht ausschließlich als Provokation genutzt werden, sondern dass die Terrororganisation Hamas damit vielmehr die Möglichkeiten austestet. Die große Sorge ist, dass als nächstes, wie aus dem Südlibanon, Glasfaserdrohnen fliegen könnten. Per Glasfaserkabel gesteuerte Drohnen benötigen keine Funkfrequenzen und sind daher unempfindlich gegenüber gängiger Abwehr und Störfrequenzen.
Bewohner und Vorsitzende der Regionalräte warnen eindringlich vor einer Rückkehr zur Wahrnehmung des 6. Oktober, eine solche Eskalation dürfe man nicht einfach hinnehmen. Die israelische Regierung reagiert entsprechend hart. Verteidigungsminister Israel Katz stufte jeden Drachenstart als „Kriegshandlung“ ein und drohte mit gezielten Schlägen gegen verantwortliche Hamas-Führer sowie mit Räumungen der Startgebiete.
Und wieder steht Israel in der Image-Falle. Angriffe wegen scheinbar harmloser Drachen?



