Am 22. Juli 2016 erschoss ein 18-jähriger Täter am Münchner Olympia-Einkaufszentrum neun Menschen und verletzte fünf weitere, bevor er sich selbst tötete. Eine neue Gedenktafel im Münchner Rathaus erinnert namentlich an die Ermordeten: Dijamant Zabërgja (20 Jahre), Armela Segashi (14 Jahre), Sabina Sulaj (14 Jahre), Giuliano Josef Kollmann (19 Jahre), Sevda Dağ (45 Jahre), Hüseyin Dayıcık (17 Jahre), Can Leyla (14 Jahre), Janos Roberto Rafael (15 Jahre) und Selçuk Kılıç (15 Jahre).

Der Täter, der die deutsche und die iranische Staatsbürgerschaft besaß, wählte das Einkaufszentrum bewusst aus – es war ein beliebter Treffpunkt junger Menschen mit Migrationsgeschichte. Er hatte sich in rechtsextremen Online-Communities radikalisiert. Die Tat wurde dennoch zunächst als „Amoklauf“ eingestuft. Erst im Oktober 2019, drei Jahre nach der Tat, erkannten die Behörden offiziell den rassistischen Hintergrund an.
Eine breite gesellschaftliche und politische Aufarbeitung wie nach den Anschlägen von Halle oder Hanau blieb lange aus. Einen parlamentarischen Untersuchungsausschuss, den Angehörige seit Jahren fordern, gibt es bis heute nicht.
Die Angehörigen haben sich, wieder einmal, selbst organisieren müssen. 2022 entstand die Initiative „München OEZ erinnern!“, seit 2025 mit einem eigenen Gedenkraum im Stadtteil Moosach, wo viele der Familien leben. Am 19. Juli 2026 zogen rund tausend Menschen mit der Initiative vom Gärtnerplatz zum Bayerischen Landtag. Dort übergaben sie symbolisch ihre Forderung nach einem parlamentarischen Untersuchungsausschuss, der die Ermittlungen und den behördlichen Umgang mit der Tat lückenlos aufklären soll.
Morgen findet um 16 Uhr am Denkmal „Für Euch“ vor dem OEZ die zentrale Gedenkfeier statt, mit Reden von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier, Landtagspräsidentin Ilse Aigner und Oberbürgermeister Dominik Krause sowie Hinterbliebenen der Opfer. Zur Tatzeit um 17.51 Uhr ist eine Schweigeminute geplant.
Zehn Jahre danach bleibt die Forderung der Angehörigen dieselbe: gehört zu werden – und ein Untersuchungsausschuss, der die offenen Fragen endlich klärt.



