In der Nacht auf Montag wurde nach Angaben der Deutsch-Israelischen Gesellschaft AG Würzburg eine Person wegen eines Israel-Ansteckers israelfeindlich angesprochen und ins Gesicht geschlagen. Als die angegriffene Person am Boden lag, soll der Angreifer ihr gegen den Kopf getreten haben. Sie befinde sich mit Kopfverletzungen und einem Wirbelbruch auf der Intensivstation. Der Täter befinde sich laut Polizeiangaben wegen des Verdachts des versuchten Mordes in Haft.
RIAS-Bayern-Leiterin Annette Seidel-Arpacı sagte hierzu: „Dieser brutale Angriff verdeutlicht leider einmal mehr die antisemitische Enthemmung der letzten Jahre. Der Antisemitismus drängt zur vernichtenden Tat und halluziniert Juden und „Zionisten“ als absolut böse und nach Unrecht trachtend. Jeder, der so als Feind ausgemacht wird – sei es auch nur aufgrund des Tragens von jüdischen und israelischen Symbolen – ist ein potenzielles Ziel. Die Eskalation der antisemitischen Mobilisierung und Gewalt wird auch in Bayern deutlich. Antisemitischen Aufrufen und Straftaten muss konsequent entgegengetreten werden. Die Bedenken und Ängste von potentiell betroffenen Personen dürfen nicht heruntergespielt werden.“
2025 hat RIAS Bayern 372 Vorfälle dokumentiert, bei denen die Begriffe „Zionismus“ oder „Zionisten“ bzw. „Zio“ eine Rolle spielten. Auffällig waren insbesondere Graffiti im öffentlichen Raum: Parolen wie „Zios jagen“, „Zios töten“ oder „9mm für Zionisten“ sind offene Gewalt- und Mordaufrufe. Zudem hat RIAS im letzten Jahr mit Graffiti wie „Juden töten“ oder „Kill all Jews“ einen zunehmenden Wegfall dieser Umwegkommunikation festgestellt.
Konstantin Mack, Vorsitzender der Deutsch-Israelischen Gesellschaft AG Würzburg, sagte:
„Wir sind entsetzt über dieses Ausmaß an Gewalt. Zwar erleben wir schon seit längerem, wie antisemitische Hetze und Bedrohungen in Würzburg zunehmen, dieser Angriff stellt aber eine neue, schreckliche Qualität dar. Diese Entwicklung ist leider nicht überraschend; global werden israelsolidarische und jüdische Menschen verleumdet, bedroht, attackiert. Umso wichtiger ist es, Antisemitismus klar als solchen zu benennen und dagegen vorzugehen – denn aus Worten wird allzu schnell körperliche Gewalt. Wir erwarten ein konsequentes Vorgehen gegen solche antisemitische Gewalt und wünschen dem Betroffenen eine schnelle und vollständige Genesung.“
Volker Beck, Präsident der Deutsch-Israelischen Gesellschaft e.V., dazu: “Ich bin schockiert über diesen antisemitischen Angriff. Die Deutsch-Israelische Gesellschaft verurteilt diese grausame Tat gegen unser Mitglied aufs Schärfste. Unsere Gedanken sind beim Betroffenen, seiner Familie und seinen Freunden. Wir wünschen ihm von Herzen eine schnelle Genesung. Es braucht nun eine rasche und harte Bestrafung des Täters, die diesem antisemitischen Angriff gerecht wird. Die Enthemmung antisemitischer Gewalt in Deutschland hält an. Wer Israel mit Genozid- und Apartheidsvorwürfen verteufelt, schafft das gesellschaftliche Klima für solche Übergriffe.
Wer sich eine Palästina-Flagge ans Revers heftet, muss keine Angst vor Übergriffen haben – und das ist richtig so! Niemand sollte das haben müssen. Doch wer sich als Freund oder Freundin Israels oder als jüdisch erkennbar macht, muss um sein Leben bangen. Das darf nicht mehr toleriert werden und dem Klima, das solche Taten begünstigt, muss von Demokratinnen und Demokraten klipp und klar entgegengetreten werden. Laut RIAS äußerte sich Antisemitismus 2025 in vier Vorfällen extremer Gewalt, 178 Angriffen und 257 Bedrohungen. Dass nach solchen Taten der mediale und politische Aufschrei ausbleibt, zeigt, dass antisemitische Gewalt in Deutschland immer weiter normalisiert wird. Damit muss Schluss sein. Es reicht!”
Am Freitag, 17 Uhr, findet am Unteren Markt in Würzburg eine Mahnkundgebung gegen antisemitische Gewalt und für Solidarität mit dem Betroffenen statt.



