Antisemitismus auf Versammlungen ist kein abstraktes Phänomen. Er zeigt sich in Parolen, Symbolen und Deutungsmustern, die jüdisches Leben im öffentlichen Raum konkret betreffen. Wo gewaltförmige, delegitimierende oder entmenschlichende Inhalte wiederholt sichtbar werden, verändert sich auch, wie sicher und sichtbar Jüdinnen und Juden im öffentlichen Raum sein können.
Mit dem neuen Lagebild Antisemitismus: Feldbeobachtung im öffentlichen Raum – 1. Halbjahr 2026 legt das Jüdische Forum für Demokratie und gegen Antisemitismus eine systematische Auswertung eigener Feldbeobachtungen zwischen dem 3. Januar und dem 29. Juni 2026 vor. In diesem Zeitraum hat das JFDA 76 Versammlungen beobachtet und 329 antisemitische sowie 101 weitere demokratiefeindliche Vorfälle dokumentiert.
Die Publikation zeigt, dass das beobachtete Geschehen nicht von isolierten Einzelfällen geprägt ist, sondern von wiederkehrenden Mustern. Besonders deutlich treten die Dämonisierung und Delegitimierung Israels, entmenschlichende und gewaltbezogene Sprache, NS-Vergleiche und Inversionen der Schoa-Erinnerung sowie verschwörungsideologische Erzählungen hervor.
Das Lagebild macht zugleich sichtbar, warum eine fortlaufende Feldbeobachtung antisemitischer Versammlungen und Vorfälle notwendig bleibt. Sie ermöglicht es, Entwicklungen vergleichbar einzuordnen, Risiken frühzeitig zu erkennen und die Perspektive sowie Schutzbedarfe jüdischer Betroffener ernst zu nehmen.
Die Publikation richtet sich an Fachöffentlichkeit, politische Bildung, Medien, Verwaltung, Zivilgesellschaft und alle, die antisemitische Dynamiken im öffentlichen Raum erkennen, einordnen und ihnen widersprechen wollen.



