Musikabend in der Synagoge Pestalozzistraße

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Foto: C. Wollmann-Fiedler

Ich erinnere mich an den Cellisten Eduard Weissmann, der sich in der Synagoge in der Pestalozzistraße in Berlin – Charlottenburg heimisch fühlte. Bekannt ist die Synagoge für ihre reiche musikalische Tradition, ihm, dem Musiker Edy, war das willkommen.

Von Christel Wollmann-Fiedler

1912 wurde die Synagoge, die Ernst Dom, entworfen hat, eingeweiht. Im Hinterhof, umgeben von Bürgerhäusern bekam sie ihren Platz.  Am 9. November 1938 brannte sie im Inneren aus. Während des 2. Weltkriegs hatte sie die Funktion einer Wäscherei und 1947 wurde das neue Bethaus eingeweiht, die Wandmalereien von 1912 bekamen im Jahr 2012 neuen Glanz. Die wunderschöne Synagoge ist ein Erbe des liberalen deutschen Judentums. Orgelgottesdienste sind selbstverständlich, ansonsten eine Seltenheit in der jüdischen Welt.

Am 8. März 2026, diesmal am Weltfrauentag, war wieder so ein vorzüglicher Musikabend. Der Komponist und Musiker Daniel Akiva aus Haifa hatte Schir Haschirim, der Gesang der Gesänge – Das Hohelied Salomos, vertont. Eine Welturaufführung sollte es sein und wurde es. Eine großartige Aufführung. Daniel Akiva konnte diese Aufführung nicht miterleben. Die kriegerische Auseinandersetzung zwischen Israel und dem Iran war in vollem Gange. Niemand konnte Israel verlassen und niemand konnte herein. 

Isidoro Abramovic, der in Argentinien geborene ausgebildete Opernsänger, Kantor und Musikdirektor der hiesigen Synagoge lehrt am Abraham-Geiger- Kolleg. Sein herausragender Tenor ist bekannt. Er begrüßte uns Gäste und die Musiker, die aus unterschiedlichen Ländern kamen.

Yael Front dirigierte großartig diesen musikalischen Abend. In Haifa wurde sie geboren und in einem Moschav in Zentralisrael verbrachte sie ihre Jugend in einer musikalischen Familie, heute lebt sie in Berlin und leitet den Hebräischen Chor Berlin. 

Sivan Goldmann ist die Sopranistin mit der herrlichen Stimme, die aus Israel kommt und an der Rubin Academy of Music an der Tel-Aviv-Universität studierte. Mit Daniel Akiva verbindet sie ganz besonders die Ladino-Musik.

Foto: C. Wollmann-Fiedler

Ein Gitarrist aus Schweden ist Jakob Kellermann und Tomer Galili studierte an der Buchmann-Mehta-School of Music der Universität Tel Aviv und wurde Perkussionist.

Ein wunderbares Zusammenspiel von Chor, den Instrumenten und den Solisten. Der gemischte Chor mit den umwerfend schönen Stimmen berauschte regelrecht. Das Lied der Lieder ist eine Sammlung erotischer Liebeslieder, die Sinnlichkeit kommt nicht zu kurz. Es geht um Zuneigung, Zärtlichkeit ist zu spüren, „…denn ich bin krank vor Liebe“.

Schir Haschirim (Hoheslied) habe ich nach eingehender Betrachtung und gründlichem Studium der wunderbaren Texte vertontMein Zugang zu den Worten ist mit dem mystischen Denken des Textes verbunden – mit dem, was in der Kabbala als Geheimnis (Sod) und Heiligkeit verstanden wird – und nicht im einfachen, wörtlichen Sinn der Worte.“ Der Komponist Daniel Akiva schrieb seine Erklärung für das Programm des Abends.

Der Musik lauschend höre ich sephardische Klänge, im Hintergrund liegt Spanien, liegt das Mittelmeer. Gedanklich laufe ich die Gassen im einst Jüdischen Quartier in Lissabon herunter und denke an die sephardische Kultur, die sephardischen Melodien im Ohr.  Die leichten, oft schwermütigen Gesänge über die Liebe, die leichten Bewegungen des Körpers in den jüdischen Gassen von Lissabon von damals spüre ich. Liebeslyrik aus dem Alten Testament.

Foto: C. Wollmann-Fiedler

Ein überwältigender muskalischer Abend am Weltfrauentag 2026. Liebesgedichte aus Schir Haschirim – Das Hohelied Salomons mit Musik von Daniel Akiva.