Die Relevanz der Frage, wer den Iran nach der Eliminierung des Obersten Religiösen Führers Ajatollah Khamenei regieren würde, wird immer deutlicher. Dennoch beruht ein Großteil der sich abzeichnenden Analyse auf fehlerhaften Annahmen und Fehlinterpretationen des verfassungsmäßigen und politischen Systems des Iran.
Von Michael Mobasheri
Manchmal besteht der größte Fehler bei der Analyse eines Systems darin, es sich als dem eigenem ähnlich vorzustellen, mit der gleichen Logik, der gleichen Definition von Konkurrenz, dem gleichen Verständnis von Macht und der gleichen Wahrnehmung von Konflikten. Genau das geschieht heute mit der Situation im Iran. In Washingtons und überwiegenden westlichen Denkfabriken sowie in hypnotisierten Medien wie Fox News und in dem selbstbetitelten Truth Social ist das Bild der inneren Dynamik des Iran das eines Regimes, das in zwei Fraktionen gespalten ist: Fundamentalisten und Pragmatiker – oder wie es vom Westen oft missverstanden wird „Reformisten“.
Es existieren zudem Vorstellungen und sogar Prophezeiungen über interne Konflikte, die auf die Denunziation, den Ausschluss oder sogar die potenzielle Liquidation von Akteuren innerhalb des iranischen Herrschaftssystems abzielen. Selbst auf der höheren politischen Ebene nehmen führende Naheostexperten und Analysten die Dynamiken und internen Auseinandersetzungen zwischen den Fraktionen des Regimes als starkes Zeichen der Niederlage wahr. Das ist alles falsch!
Das mangelhafte fachliches Wissen über die iranische Gesellschaft, das fehlende soziopolitische sowie historische Wissen über den Iran sind offensichtlich, wie der renommierte exiliranische Autor, Historiker und leitende Journalist Amir Taheri sowie Menashe Amir, der ehemalige Chefredakteur und Moderator der ehemaligen persischen Sektion von „Voice of Israel“, neulich ebenfalls betont haben.[1]
Ein sachliches Verständnis dieser Konstellation setzt voraus, dass der Fokus nicht auf den Narrativen, sondern auf den ihnen zugrunde liegenden Strukturen sowie ihrem historischen Entstehungs- und Wirkungszusammenhang liegt. Dies ist zwingend nötig, um den Prozess statt des Oberflächenbildes zu verstehen. Erst dadurch ändern sich die Rückschlüsse grundlegend und damit das Profil!
Beispiel einiger für das Regime schmerzhafter Verluste
Durch die erfolgreiche und gezielte Eliminierung mehrerer Schlüsselfiguren während des 12-tägigen Krieges im Jahr 2025 wurden einige der erfahrensten, einflussreichsten und zentralsten Persönlichkeiten des Regimes ausgeschaltet, deren Fachwissen, institutionelle und praktische Erfahrung sowie ihr umfangreiches Beziehungsnetzwerk für das Regime von herausragender Bedeutung waren und deren Verlust für das Regime nur äußerst schwer zu kompensieren sein dürfte. Der erste und wichtigste Aspekt, den es zu berücksichtigen gilt, ist, dass bestimmte Personen eine entscheidende Rolle innerhalb des Regimes gespielt haben, deren Abwesenheit die Befehlskette und Entscheidungsprozesse erheblich behindert, was einen schweren operativen und strategischen Verlust für das Regime darstellt.
Die ersten Schlüsselfiguren waren Generalmajor Gholam Ali Rashid und sein Nachfolger Generalmajor Ali Shadmani, IRGC (Islamische Revolutionsgarde) Kommandeure des „Zentralen Hauptquartier Khatam al-Anbia“ – benannt nach einem Siegel des Propheten Mohammad, das ihn zum „letzten rechtschaffenen Propheten Gottes“ ernennt. Rashid galt weithin als einer der Hauptarchitekten des militärischen Apparats und der Einsatzplanung des Regimes. Seine Eliminierung beraubte die Führung eines erfahrenen Strategen, dessen Rolle für die Koordinierung militärischer Operationen und die Gestaltung der Angriffs- und Verteidigungshaltung des Regimes zentral war.
Die zweite Persönlichkeit war Brigadegeneral Amir Ali Hajizadeh, Kommandeur der Luft- und Raumfahrtstreitkräfte des IRGC. Unter seiner Führung reorganisierte und baute der Iran seine Raketenkapazitäten erheblich aus, was ihn zu einem der einflussreichsten Militärkommandeure innerhalb des Regimes machte. Sein Tod stellte nicht nur wegen seiner symbolischen Bedeutung einen erheblichen Verlust dar, sondern auch wegen seiner zentralen Rolle bei der Planung, Entwicklung und dem operativen Einsatz und Effektivität der iranischen Raketen- und militärische Raumfahrtprogramme.
Die dritte Schlüsselfigur war Generalmajor Mohammad Bagheri, Chef des Generalstabs der Streitkräfte, da er der Oberbefehlshaber aller Kommandeure war, das heißt der regulären Armee, des IRGC, der Polizei und der Basij-Miliz. Obwohl er in der Öffentlichkeit weniger präsent war als andere Persönlichkeiten, gehörte er zu den effektivsten Akteuren innerhalb des militärischen Establishments des Regimes. Er spielte eine entscheidende Rolle bei der Koordinierung der Streitkräfte und der Integration der militärischen Planung über die verschiedenen Zweige der militärischen Institutionen des Regimes hinweg. Darüber hinaus unterhielt er umfangreiche und enge Verbindungen zu politischen Kreisen und Funktionären des iranischen Parlaments (Majles) und galt zudem als einer der Hauptarchitekten der operativen Doktrin und der militärischen Taktiken des Regimes. Die zentrale Frage ist, wie das Regime nach Verlust solcher Akteure verfahren oder reagieren wird, um diese Verluste auszugleichen?!
Das Spinnennetz – Posthac
Nach der Eliminierung des Obersten Führers, Großajatollah Ali Khamenei (2026), befindet sich der Iran an einem Punkt, der sich nicht angemessen mit klassischen Machtmodellen vergleichen oder durch diese erklären lässt. Es gibt keinen einfachen Hebel der Autorität, keinen transparenten Wettbewerb um die Macht. Stattdessen operiert ein tiefgreifendes und komplexes Netzwerk.
Die Wurzeln dieses Netzwerks reichen bis in die 1980er Jahre zurück, als der Iran sich im Krieg mit dem Irak befand. Die Kommandeure und sogenannten Generäle, deren Namen heute in Analysen genannt werden, sind weniger Rivalen im Kampf um die Macht als vielmehr Kameraden, die diesen Krieg gemeinsam geführt haben; sie wurden ideologisch geprägt, gefördert und auf einem gemeinsamen Weg geformt und sind zusammengeschmolzen. Sie sprechen eine gemeinsame ideologische Sprache und teilen vor allem ein gemeinsames Verständnis vom Überleben der Islamischen Republik, deren Grundlagen und Kernsäulen von Ayatollah Khomeini und seinem Mitstreitern Mitte der 1960er Jahre bis 1989 errichtet wurden. Unterstützt wurde dies von verschiedenen Akteuren und Strömungen, insbesondere den USA unter Jimmy Carter und ihren westlichen Verbündeten, die auf ähnlich naiven Denk- und Sichtweisen und Fehlinterpretationen wie in der Gegenwart basierten und den fundamentalistischen Islamismus im Iran befürworteten.
Entgegen der weit verbreiteten, aber fehlerhaften westlichen Wahrnehmung und den ihr zugrunde liegenden Befangenheiten dreht sich dieses Netzwerk nicht um Mohammad-Bagher Ghalibaf als absoluten Führer oder derzeitigen Machthaber. Vielmehr fungiert er innerhalb des Netzwerks als Regulator und Katalysator. Ghalibaf verbrachte seine Jugend während des Iran-Irak-Kriegs, stieg zum Kommandeur der 5. Division der IRGC(Nasr-Division) auf und nahm während des Krieges an mehreren wichtigen Militäroperationen teil. Anschließend trat er der Luftwaffe der IRGC bei und wurde später Oberbefehlshaber der nationalen Polizei. In dieser Funktion war er an der Entwicklung polizeilicher Strukturen und Methoden beteiligt, was zur Optimierung städtischer Polizeikräfte führte, die darauf ausgebildet und vorbereitet waren, soziale Unruhen, insbesondere politische Aufstände gegen das Regime, niederzuschlagen. Die bedeutendste Phase seiner Karriere war jedoch seine Amtszeit als Bürgermeister von Teheran. In rund 12 bis 20 Jahren Tätigkeit in der Stadtverwaltung sowie im Metropol- und Kommunalmanagement in mehreren Schlüsselpositionen baute er ein umfangreiches Netzwerk aus wirtschaftlichen und politischen Verbindungen auf.
Als Parlamentspräsident fungiert er heute weniger als endgültiger Entscheidungsträger, sondern vielmehr als Koordinator, der verschiedene Institutionen und Netzwerke miteinander verknüpft – eine Rolle, die von westlichen Beobachtern und Analysten oft missverstanden wird. Tatsächlich ähnelt seine Position der von Ayatollah Hashemi Rafsanjani während des Iran-Irak-Kriegs, – die zweitstärkste Person in der Islamischen Republik nach Ayatollah Khamenei bis zu seinem Tod 2017 – als dieser als „stellvertretender Oberbefehlshaber“ und nach dem Tod von Ayatollah Khomenei im Jahr 1989 als „Oberbefehlshaber“ fungierte. Ghalibaf agiert als Dirigent, der das Orchester am Laufen hält und das Überleben des Systems sicherstellt. Der entscheidende Unterschied besteht darin, dass es diesmal keinen amtierenden Obersten Führer oder einen klassischen Geistlichen an der Spitze gibt. Dieser Status quo kann sich in naher oder ferner Zukunft ändern.
Wer ist derzeit der Oberbefehlshaber?
Das ist sicherlich nicht eine einzelne Person oder Institution, sondern vielmehr ein vielschichtiges und verzweigtes Netzwerk. Auf einer tieferen Ebene dieses Netzwerks stehen mehrere Figuren, die unterschiedliche Positionen verkörpern und vitale Funktionen ausüben.
Die Anatomie des Netzwerks
Auf der klassischen und konventionellen militärischen Ebene leitet Brigadegeneral Ali Abdollahi Aliabadi, bekannt als Ali Abdollahi, die zentrale und maßgebliche Institution namens „Khatam al-Anbia Hauptquartier“. Diese Kommandozentrale wurde konzipiert und eingerichtet, um im Kriegsfall als zentrale operative Kommandozentrale der Islamischen Republik zu dienen. Ihre Führung wird traditionell von erfahrenen Kommandanten der IRGC übernommen, die über umfangreiche Erfahrung in den Bereichen Logistik, Planung, Operationen, Nachrichtendienst und Spionageabwehr sowie strategische Koordination und Einsatzführung verfügen.
Während des Iran-Irak-Kriegs war Abdollahi Kommandeur einer Division der IRGC; er wurde Leiter des Marinegefängnisses und war Mitglied der sogenannten „Todeskommission“ in der Stadt Rasht zur Zeit der Massenhinrichtungen politischer Gefangener im Jahr 1988; in dieser Periode der iranischen Geschichte wurden über 30.000 politische Gefangene vom Mullah-Regime im Iran hingerichtet. Er war einige Zeit als Polizeichef tätig und bekleidete während der Präsidentschaft von Mahmoud Ahmadinejad das Amt des Gouverneurs und des Vizeministers in Innenministerium. Nach seinem Ausscheiden aus dem Innenministerium übernahm er wieder verstärkt Aufgaben innerhalb der Streitkräfte. Er war auch eine Schlüsselfigur für die logistische Unterstützung der iranischen Stellvertreterkräfte in der Region, da er die Ressourcenverteilung zwischen der regulären Armee und der IRGC im Generalstab koordinierte. Nach der Eliminierung von Gholam-Ali Rashid und dessen Nachfolger Ali Shadmani (zu Beginn des 12-Tage-Kriegs 2025 durch Israel) stieg A. Abdollahi dank seiner langjährigen Erfahrung in der Logistik und in operativen Tätigkeiten zu einem der wichtigsten Strategen der IRGC und zu einer der mächtigsten Figuren im Machtnetzwerk der IRGC auf, der mit der Leitung dieses zentralen Hauptquartiers betraut wurde.[2] Es sei zudem angemerkt, dass dieses Militärhauptquartier eine zentrale Rolle in den wirtschaftlichen und finanziellen Angelegenheiten des Iran spielt und damit wesentlich zur Aufrechterhaltung und zur Einsatzfähigkeit der IRGC sowie des gesamten Netzwerks beiträgt.
In den Bereichen Luftfahrt, Luft- und Raumfahrtoperationen, Drohnen und Raketentruppen hat sich Brigadegeneral Seyyed Majid Mousavi als weiterer wichtiger einflussreicher Befehlshaber innerhalb der Luft- und Raumfahrtstreitkräfte des IRGC etabliert. Dieser Zweig bildet das Rückgrat des Abschreckungsmechanismus der Islamischen Republik, da er das ballistische Raketenprogramm des Landes sowie die Entwicklung und den Einsatz unbemannter Flugsysteme(Drohnen) leitet. Im Laufe der Jahre hat sich Mousavi zu einer der tragenden Säulen des Machtnetzwerks entwickelt und nimmt eine Position ein, die über rein konventionelle militärische Zuständigkeiten hinausgeht; sein Einfluss beruht somit nicht nur auf seiner Befehlsgewalt, sondern auch auf seiner Rolle bei der Aufrechterhaltung und Weiterentwicklung eines der wichtigsten strategischen Vermögenswerte des Regimes: seines Raketenprogramms und seiner Luft- und Raumfahrtkapazitäten, die nach wie vor von zentraler Bedeutung für die Angriffs- und Verteidigungsdoktrin des Regimes sowie für dessen Anspruch auf regionale Macht sind.[3] [4]
Eine weitere zentrale Figur des Netzwerks ist Brigadier General Mohammad-Ali Jafari, allgemein bekannt als „Aziz Jafari“, ein ehemaliger Oberbefehlshaber des IRGC und dessen Nachrichtendienstes. Er gehörte zu jenen Studenten, die die amerikanische Botschaft 1979 in Teheran für 444 Tage besetzt hielten. Während des Iran-Irak-Krieges kämpfte er in der Basij-Miliz, die der IRGC unterstellt war, an der Front und wurde Leiter verschiedener Bodentruppen, wie des Aschura-Bataillons und der Najaf-Division. Er gilt weithin als der Hauptarchitekt der internen Sicherheitsstruktur des IRGC. Unter seiner Führung wurde die Doktrin der Basij-Miliz weiterentwickelt und die Miliz neu organisiert, wodurch sie zu einem zentralen Instrument der Unterdrückung sowie der schnellen Mobilisierung zur Sicherung der Kontrolle über das Landesinnere und zur Aufrechterhaltung des Systems wurde.[5] Von 2000–2005 war er zudem Kommandeur des „Sarallah-Hauptquartiers“ (ein aus dem Arabischen stammender islamischer Beiname, der wörtlich übersetzt etwa „Rache von Allah“ bedeutet), eines wichtigen geheimdienstlichen und operativen Zentrums. Es war auch Aziz Jafari, der dazu beitrug, Konzepte wie „sanfte Bedrohung“ und „hybride Kriegsführung“ in die Sicherheitsliteratur und die Geheimdienstdoktrin der Islamischen Republik zu integrieren und zu institutionalisieren. Seine Rolle ist eher strategischer als operativer Natur, doch sein Einfluss prägt weiterhin die Festlegung von Prioritäten, das Verhalten und die operativen Ansätze des IRGC.[5] [6]
Eine weitere Schlüsselfigur ist Brigadegeneral Yahya Rahim-Safavi, der ehemalige Oberbefehlshaber des IRGC. Er lässt sich am besten als das „institutionelle Gedächtnis des Netzwerks“ beschreiben. Als einer der Mitbegründer der IRGC in der Provinz Isfahan bekleidete er während des Iran-Irak-Kriegs sowie während der politischen Repressionen und inneren Unruhen der 1980er und frühen 1990er Jahre Führungspositionen. Später war er als militärischer Berater des Obersten Führers der Islamischen Republik, Ayatollah Khamenei tätig und stand in engem Kontakt mit dem „Beit-e-Rahbari“ (Haus der Obersten Führers). Was Rahim-Safavi besonders bedeutsam und einzigartig macht, ist seine Funktion als „Bezugspunkt für den Prozess der Überprüfung und Bewertung von Krisen“ sowie für die „strategische Überwindung von Krisen“ auf der Grundlage vergangener Ereignisse und Erfahrungen, die vom Netzwerk akribisch dokumentiert und gespeichert wurden –zugunsten der Werte der Islamischen Revolution, die einst von Ayatollah Khomeini definiert und ausgerufen wurden und zur zentralen Doktrin sowie zu einer der Hauptsäulen der Islamischen Republik wurden. Somit verarbeitet er die akkumulierten Erkenntnisse, Analysen, Erfahrungen und verfeinert das institutionelle Wissen, die innerhalb des Netzwerks bewahrt werden. Seine Aufgabe besteht darin, Krisen zu bewerten, Muster zu erkennen und auf der Grundlage jahrzehntelanger operativer, strategischer, taktischer und politischer Erfahrung bei der Ausarbeitung von Reaktionen und Plänen mitzuwirken, um den Kurs zur Erreichung dieses Ziels beizubehalten. Ideologisch bleibt er ein entschiedener Verfechter der Prinzipien der Islamischen Republik und der Werte der Islamischen Revolution, die seit 1979 von Ayatollah Khomeini etabliert wurden. Aus der Sicht des Khomeinismus-Ideologie bilden diese Prinzipien die Grundlage eines umfassenderen „Zivilisationskampfes“, durch den die universelle Mission des schiitische Islamischen Machtanspruchs vorangetrieben und verwirklicht werden soll. Diese Mission kommt im Jihad und in der Auslöschung westlicher liberaler Demokratien zum Ausdruck, damit der Erlöser, der 12. Imam (der islamische Messias im schiitischen Glauben), am Ende der Zeit zurückkehren wird, um den Glauben zu reinigen und Gerechtigkeit auf Erden zu schaffen. In diesem Rahmen werden Israel und insbesondere der Zionismus als der „kleine Satan“ identifiziert, der ausgerottet werden müssen, um den Weg für diese apokalyptische messianische Wiederkehr zu ebnen und den Sieg des Islam zu verkünden.
Außerhalb der iranischen Grenzen stützt sich dieses Netzwerk in hohem Maße auf den Generalmajor Esmail Ghaani. Als Stellvertreter, enger Vertrauter und äußerst erfahrener Nachfolger des berüchtigten „Paten“ Qasem Soleimani sowie als derzeitiger Kommandeur der Al-Quds-Truppe – dem für Auslandseinsätze zuständigen Zweig der IRGC – gilt er im Vergleich zu Soleimani und vielen anderen hochrangigen Figuren der IRGC als weniger charismatisch, dafür aber als besonders netzwerkorientiert. Er ist für die Leitung und Aufrechterhaltung der Führung und der Verbindungen zwischen dem Iran und seinen zahlreichen stellvertretenden Milizionäre Kräften zuständig, um die operative Handlungsfähigkeit und -kontinuität in der gesamten Region sicherzustellen. Zu seinem Zuständigkeitsbereich gehören Direktion von Gruppen wie die „Hisbollah“ im Libanon, die schiitische Miliz „Hashd al-Shaabi“ im Irak, die schiitische Miliz der „Huthis“ im Jemen sowie die „Fatemiyoun-Division“, die sich größtenteils aus afghanischen schiitischen Kämpfern zusammensetzt und die „Zainabiyoun-Brigade“, die aus pakistanische schiitische Milizdivision besteht. In dieser Hinsicht fungiert er als Bindeglied, das das Netzwerk der Stellvertreter verwaltet und zusammenhält, das der äußeren Sicherheit und Operationen dienen und den Zusammenhalt des Machtnetzwerks unter allen Umständen und bei maximalem Druck – insbesondere bei Ausbruch einer Krise – gewährleistet.
Darüber hinaus nimmt Esmail Ghaani wie siner Vorgänger Soleimani eine entscheidende Position innerhalb der regionalen Architektur des Ausbaus des schiitischen Halbmonds durch die Islamische Republik und der Schaffung eines „Feuerrings“ um Israel ein. Durch die Unterstützung der Huthis arbeitet dieses Netzwerk bereits seit geraumer Zeit daran, einen militärischen und geostrategischen Hebel zu erlangen und zu festigen, um neben der Straße von Hormoz auch die wichtige Seestraße Bab al-Mandab zu kontrollieren. Dies gibt ihnen die Möglichkeit, sensible Druckhebel zu besetzen, um den internationalen Handel und die Weltwirtschaft zu beeinflussen, was dem Regime folglich einen entscheidenden Vorteil auf der internationalen politischen Bühne an den Verhandlungstischen verschafft. Besonders westliche Medien und Analysten stellen die Straße von Hormus fälschlicherweise als eine „neue Wunderwaffe des Regimes“ dar und blenden dabei das geopolitische Gewicht von Bab al-Mandab und den Huthis aus, obwohl das Regime diese Strategie seit Langem verfolgt.
Brigadegeneral Ahmad Vahidi, bekannt als der derzeitige oberste Befehlshaber des IRGC mit engen Verbindungen zu dessen operativen Strukturen, einschließlich des für Auslandseinsätze zuständigen Zweigs des IRGC (Al-Quds-Brigade), ist eine weitere Schlüsselfigur in diesem Netzwerk. In den 1980er-Jahren hatte er innerhalb der Revolutionsgarden wichtige Funktionen sowohl im Nachrichtendienst, der Spionageabteilung der IRGC als auch in militärischen Führungsstrukturen und vor Soleimani war er der Commandeur der Al-Quds- Brigade. In dieser Zeit koordinierte Vahidi insbesondere die Zusammenarbeit mit der libanesischen Hisbollah und weitere Auslandseinsätze der Einheit, so etwa im Zusammenhang mit dem Balkankrieg in Bosnien. Er wurde zudem als einer der Hauptverantwortlichen für den Bombenanschlag auf das jüdische AMIA-Zentrum in Argentinien sowie für Terroranschläge gegen exiliranische Oppositionelle identifiziert. Vahidi war unter der Regierung Ahmadinedschad als Verteidigungsminister und im Kabinett Raisi als Innenminister des Regimes tätig. Obwohl er nur selten im Fernsehen zu sehen ist, bleibt er ein wichtiger Akteur mit beträchtlichem Einfluss auf die Aufrechterhaltung der geheimdienstlichen sowie operativen Einsatzfähigkeit des Netzwerks. Seine Rolle spielt sich nicht auf narrativer oder symbolischer Ebene ab, sondern auf der Ebene der Planung, Koordinierung und Durchführung. Er verfügt über umfassende Kenntnisse der regionalen Sicherheitsnetzwerke und hat direkten Zugang zu Schläferzellen und Stellvertretern Milizen, die innerhalb dieser bewaffnete Netzwerke im gesamten Nahen Osten operieren.[7]
Eine der wichtigsten Ebenen dieses komplexen und dicht gelagerten Netzwerks liegt in einem Bereich, der weitaus weniger sichtbar ist als seine militärische Schicht: der Apparat der Sicherheits- und Geheimdienste. Bis Juni 2022 war der radikale Kleriker Hossein Taeb, der jahrzehntelange Leiter des Geheimdienstes der Islamischen Revolutionsgarde (IO-IRGC). Dass er derzeit nicht an der Spitze steht, heißt keineswegs, dass er innerhalb des Netzwerks inaktiv ist. Er gilt weithin als gnadenloser fundamentalistischer Islamist und ist eine der abscheulichsten und brutalsten Figuren im Sicherheitsapparat der Islamischen Republik. Er bleibt weiterhin ein zentraler Architekt des Sicherheitsapparats, der Kontrollmechanismen des Regimes. Das Nachrichtendienstnetzwerk, das er für IRGC aufgebaut hat, geht weit über den Rahmen einer „konventionellen Geheimdienstorganisation“ hinaus und vereint Überwachung, Infiltration, Informationsbeschaffung, Spionageabwehr und Krisenmanagement innerhalb der umfassenderen Sicherheitsarchitektur des Regimes; sein Zweck besteht nicht lediglich darin, Informationen zu sammeln und zu verarbeiten, sondern die Stabilität und Kontinuität der Doktrin und des politischen Organismus des Regimes unter den Bedingungen internen und externen Drucks zu bewahren. Während seiner gesamten Amtszeit war er mit dem Büro des Supreme Leaders Ayatollah Khamenei eng in Kontakt und gehörte zum inneren Kreis der Führung. In diesem Amt war er mit dem Ausbau der staatlichen Überwachungskapazitäten, Spionageabwehrmaßnahmen und den Bemühungen zur Unterdrückung politischer Dissidenten im In- und Ausland betraut, welche die Verfolgung und Beseitigung „abweichlerischer Bewegungen“ zum Ziel hatten. Die Ermordung von Dissidenten, die als Bedrohung für das Regime angesehen wurden, fiel zum Teil in seinen Zuständigkeitsbereich.
Brigadegeneral Mohammad-Hossein Zibayinejad –bekannt als Hossein Nejat–, ein Kommandeur der IRGC und langjähriger Stellvertreter der Geheimdienstorganisation der IRGC (IRGC-IO) unter Hossein Taeb, der seit 2020 erneut das „Sarallah-Hauptquartier“ leitet, ist ein andere Schlüsselfigur des Netwerks[7]. Das Hauptquartier ist ausschließlich für die Aufrechterhaltung der Sicherheit in Teheran und der Region um Teheran zuständig und koordiniert die Reaktion auf größere interne Unruhen und Aufstände in der Hauptstadt. Obwohl Nejat der breiten Öffentlichkeit relativ unbekannt ist, gilt er innerhalb des Sicherheitsapparats des Netzwerks als äußerst erfahrenes und einflussreiches Element. Seine Bedeutung wird vor allem in Zeiten von Massenprotesten, politischen Unruhen oder systemischen Krisen deutlich. Unter solchen Umständen fungiert er als zentraler Koordinator der Sicherheitsmaßnahmen und spielt eine zentrale Rolle bei den Bemühungen, die Kontrolle über die Hauptstadt aufrechtzuerhalten bzw. wiederherzustellen. Aus diesem Grund kann Nejat als jetziger „Krisenzeitkommandeur“ des IRGC und des Netzwerks betrachtet werden – ein Element, dessen Aufgabe weniger in der öffentlichen Sichtbarkeit als vielmehr darin besteht, das Überleben und die operative Wirksamkeit des Netzwerks in Zeiten akuter interner und hybrider Herausforderungen sicherzustellen. [8]
Es gibt Organe und Institutionen, die diese Schichten koordinieren und navigieren. Unter anderem dient das Organ „Oberster Nationaler Sicherheitsrat“ als Bindeglied zwischen allen Ebenen dieses Netzwerks und gewährleistet deren Zusammenarbeit. Mohammad Baqer Zolqadr ist eine der zentralen und erfahrensten Persönlichkeiten, die diese Aufgabe im „Obersten Nationalen Sicherheitsrat (SNSC)“ wahrnehmen. Seine Rolle ist nicht wegen einer direkten Befehlsgewalt über alle Komponenten von Bedeutung, sondern wegen seiner Handlungsfähigkeit, die Koordination und Navigation zwischen verschiedenen Machtzentren zu ermöglichen und zu erleichtern. In dieser Hinsicht fungiert der SNSC als institutionelle Brücke, die militärische, nachrichtendienstliche, politische und sicherheitspolitische Strukturen zu einem kohärenten Rahmen verbindet.[9]
Die Kohärenz des Netzwerks
Diese prominenten Figuren stellen nur den sichtbaren Teil einer weitaus größeren Struktur dar. Unter ihnen existiert ein riesiges Netzwerk aus Hunderten von Kommandanten der IRGC, Sicherheitsbeamten, Geheimdienstmitarbeitern, Verwaltungsangestellten sowie politischen und militärischen Funktionären. Zusammen bilden sie ein eng vernetztes und vielschichtiges System, dessen Widerstandsfähigkeit nicht auf der Dominanz einer einzelnen Person oder Organs beruht, sondern auf der Dichte seiner Beziehungen, gemeinsamen Erfahrungen, institutionellen Loyalitäten und ideologischen Grundlagen. Es ist unerlässlich, diese reale Konstellation zu verstehen: Die Machtstruktur der Islamischen Republik ist nicht als traditionelle Hierarchie organisiert, in deren Mittelpunkt ausschließlich ein Machtinhaber steht. Vielmehr funktioniert sie über ein Netzwerk aus sich überschneidenden Institutionen, zwischenmenschlichen Verbindungen und kollektiven Entscheidungsmechanismen, die sich über Jahrzehnte hinweg entwickelt haben. Diese Komplexität macht das System weitaus anpassungsfähiger und widerstandsfähiger, als viele externe Beobachter annehmen.
Von außen betrachtet kann dieses System fragmentiert wirken, wie ein verstreutes Puzzle, dessen einzelne Teile zwar sichtbar sind, während andere zu fehlen scheinen, dessen Gesamtbild jedoch verborgen bleibt. Dies führt oft dazu, dass externe Beobachter von Rivalitäten und vorherrschenden internen Machtkämpfen ausgehen – z.B. von einem Konflikt zwischen Ghalibaf und Nejat oder einem Wettstreit zwischen Jafari und Vahidi, der ihren inneren Zusammenhalt schwächt oder zunichte macht. Solche Interpretationen bergen jedoch die Gefahr, das Wesen des Netzwerks selbst falsch zu verstehen: Diese Akteure und Figuren sind durch weitgehend unsichtbare Fäden innerhalb des Netzwerks miteinander verbunden. Diese Fäden wurden während des Iran-Irak-Kriegs geknüpft und gefestigt, als viele von ihnen gemeinsam kämpften, dienten und sich innerhalb desselben revolutionären Umfelds und derselben Ideologie weiterentwickelten, die ihnen eine kollektive Identität verliehen. Sozialpsychologisch betrachtet entstand ein gruppenidentitärer Prozess, bei dem eine „Ingroup“ gebildet wird, während normale Bürger außerhalb dieses Netzwerks als „Outgroup“ definiert werden und dieser nicht angehören.
Im Laufe der Zeit wurden diese Bindungen durch ein gemeinsames ideologisches Rahmenwerk, das auf den Prinzipien der Islamischen Revolution beruht, sowie durch eine gemeinsame Wahrnehmung des existenziellen Kampfes und des Überlebens gefestigt. Sie wurden durch aufeinanderfolgende politische, militärische und sicherheitspolitische Krisen weiter gestärkt, die –trotz interner Turbulenzen und Meinungsverschiedenheiten– kollektive Anpassung und Zusammenarbeit erforderten. Was von außen betrachtet wie eine Ansammlung konkurrierender und verfeindeter Akteure erscheinen mag, ist in Wirklichkeit ein dichtes und stark vernetztes Netzwerk und sein Zusammenhalt beruht nicht nur auf institutionellen Strukturen, sondern auch auf jahrzehntelangen gemeinsamen Erfahrungen, gegenseitige Loyalität und interpersonelle Beziehungen, ideologischen Bindungen und kollektiven Erinnerungen und wird durch Vetternwirtschaft, familiäre Verbindungen, die durch Heirat unter ihren Kindern und Enkelkindern reguliert ist, verstärkt. Im Laufe der Zeit haben diese Verbindungen die Entstehung eines dicht verwobenen Familienkonglomerats und die Entstehung einer oligarchisches Eliteschicht begünstigt – einer sich selbst reproduzierenden Oberschicht mit privilegiertem Zugang zu Ressourcen, Einfluss und dem nationalen Reichtum des Landes, von dem andere Iraner, die nicht zu diesem Kreise gehören, schlichtweg abgeschnitten sind.
Dieses Netzwerk spielt daher eine zentrale Rolle bei der Aufrechterhaltung des Wirtschaftsimperiums der IRGC, das Träger des Regimes ist, indem es Auftragnehmer, verbundene Unternehmen und Funktionäre koordiniert. Das Netzwerk betreibt Medien, Presse, Sportvereine, etliche Privatbanken und monetäre Institute, Börsenfirmen, Privatschulen und Universitäten, baut Redereien und Häfen sowie Flughäfen, und Fluggesellschaften aus, gründet Mutter- & Tochtergesellschaften in alle Branchen, organisiert Kundgebungen über untergeordnete Institutionen, Vereine und Moscheen. Auch wenn die wirtschaftliche Dynamik in ihrer ganzen Tragweite den Rahmen dieses Artikels sprengen würde, bleibt sie ein bedeutender und zentraler Aspekt, der wertvolle Einblicke in das Wesen, die Widerstandsfähigkeit und die Funktionsweise des IRGC-Netzwerks selbst bietet.
Der Funktionsmechanismus des Netzwerks
Der jüngste Krieg von 2026 hat diese Zusammenhänge noch komplexer gemacht und die Muster der Koordination und gegenseitigen Abhängigkeit innerhalb des Netzwerks weiter verstärkt – denn das Überleben des Netzwerks bedeutet für alle seine Mitglieder, Träger und Akteure den Sieg, sodass sie sich regenerieren können. Folglich liefert die isolierte Betrachtung einzelner Akteure oft nur ein unvollständiges und diffuses Bild, wenn die tief verwurzelten, dauerhaften Beziehungen, die die einzelnen Komponenten miteinander verbinden, nicht berücksichtigt werden.
In einem ideologischen System dieser Art gibt es zwar interne Konflikte und Meinungsverschiedenheiten. Solche Konflikte sind jedoch nicht zwangsläufig ein Wettstreit, der darauf abzielt, gegnerische Akteure auszuschalten. Vielmehr sind solche Kontroversen Ausdruck von Meinungsunterschieden und Spannungen hinsichtlich der Methoden zur Erhaltung des Systems selbst – und im weiteren Sinne über den Erhalt des Netzwerks, das es stützt. Genau an diesem Divergenzpunkt setzen oft analytische Fehler ein, insbesondere in westlichen Thinktanks und deren Interpretationen. In der Denkweise vieler westlicher Analysten wird „Konflikt“ typischerweise als „Kluft, Bruch oder strukturelle Spaltung“ verstanden. Innerhalb dieses Rahmens werden Meinungsverschiedenheiten mit Fragmentierung und letztendlichem „Kollaps“ gleichgesetzt. In diesem System sind Meinungsverschiedenheiten und interne Konflikte jedoch Teil eines „Überlebensmechanismus“. Was von außen als Spaltung wahrgenommen werden mag, ist in vielen Fällen Ausdruck einer internen Auseinandersetzung darüber, wie Kontinuität und Stabilität am besten gewährleistet bzw. neubelebt werden können. Externe Beobachter interpretieren diese Dynamiken möglicherweise als Anzeichen für eine Zersplitterung, einen bevorstehenden Wandel oder gar einen Zusammenbruch und projizieren manchmal sogar Hoffnungen auf einen systemischen Wandel auf sie.
Doch die Realität sieht, zumindest zum gegenwärtigen Zeitpunkt, anders aus. Obwohl das Regime zweifellos mit erheblichen Schwierigkeiten, Krisen und Druck konfrontiert ist – und durch die jüngsten Entwicklungen in gewisser Hinsicht geschwächt wurde – zeigt es derzeit keine Anzeichen für eine grundlegende Spaltung oder Änderung innerhalb seiner Kernstrukturen und seines Machtgleichgewichts. Im Gegenteil: Die verfügbaren Anzeichen deuten darauf hin, dass sich der Kern weiter verdichtet hat und die verschiedenen Ebenen des Netzwerks enger miteinander verflochten sind. Das Netzwerk erkennt, dass es sich in einem Prozess der Reorganisation befindet. Vor diesem Hintergrund greift es auf ein Vorgehen zurück, das sich in der Vergangenheit bewährt hat: Nach außen vermittelt es Gesprächsbereitschaft und setzt sich an den Verhandlungstisch, während es die Verhandlungen nutzt, um die für die Regeneration und das langfristige Überleben erforderliche Zeit zu gewinnen.
Schließlich ist eine der Lehren, die das Netzwerk gezogen und in seinem institutionelle Gedächtnis gespeichert hat, der Rat und das Dekret von Ayatollah Khomeini, bekannt als ḥefẓ-e-neẓām (d.h. Erhaltung des Systems): „Die Bewahrung der Islamischen Republik ist eine göttliche Pflicht … wichtiger als die Bewahrung einer einzelnen Person, selbst wenn diese Person der Imam der Zeit ist [Vermerk des Autors:, d. h. der 12. Imam Mahdi, der Messias des Islam im schiitischen Glaubenssystem]… und sie ist die wichtigste aller vorgeschriebenen Pflichten …“[10] [11] ]12] Dieses Narrativ, für das er eintrat, beruht auf Aufrechterhaltung und Durchsetzung der Welayat-Faqih-Doktrin (d.h. Statthalterschaft des islamischen Rechtsgelehrten) und ist teilweise darauf zurückzuführen, dass Khomeini die Islamische Republik als das Mittel zur Bewahrung des Islam betrachtete. Daher war der Schutz des „Gottesstaates“ Teil des Schutzes der Religion selbst, auf der Grundlage traditioneller religiöser Prioritäten der Schiiten und als Beweis dafür, dass die Raison d’État innerhalb der Ideologie der Islamischen Republik an erster Stelle stand.
Der Antagonismus gegen die vorislamische Geschichte Irans sowie Israel bleibt eine der Hauptsäulen dieses ideologischen Systems, und sein Überleben ist relativ fest an dieses gebunden. Der genaue Wortlaut und die Interpretationen des Dekrets Khomeinis können je nach Übersetzung variieren und die Bedeutung wird unter Wissenschaftlern, Geistlichen und politischen Kommentatoren diskutiert, aber es gibt keinen Zweifel an seiner Kernaussage und wie es sich auf das Gedächtnis und die Erinnerungskultur des Netzwerks auswirkt.
In solchen ideologisch geprägten Systemen wird Kohärenz und Überleben nicht durch das Fehlen von Meinungsverschiedenheiten oder Konflikten definiert. Vielmehr wird sie dadurch bestimmt, dass das Überleben Vorrang vor Vernichtung sowie vor internen Auseinandersetzungen und Meinungsunterschieden hinsichtlich der Vorgehensweisen hat. Nach der Eliminierung einer Figur innerhalb des Netzwerks tritt ein Nachfolger an ihre Stelle, schließt sich dem Chor an und übernimmt die Aufgabe, den Mechanismus aufrechtzuerhalten, der den ideologischen, apokalyptischen, universellen Kampf antreibt. Solange diese Prioritätenhierarchie intakt bleibt, führen interne Spannungen nicht zwangsläufig zu einer systemischen Fragmentierung oder einer grundlegenden Spaltung, die zu einem Kollaps führen würden.
Ein korrektes Verständnis dieses Rahmens und der damit verbundenen Strukturen der abstrakte systemische Dynamiken erfordert daher, über vereinfachende Dualismen hinauszugehen, um illusorische Interpretationen zu vermeiden, die komplexe, adaptive Netzwerke auf binäre Kategorien von „Einheit versus Spaltung“ reduzieren. Ein derartiges System ist weder korrigierbar noch reformfähig.
Doch neben vielen iranischen Oppositionsgruppen, die genau gegen dieses System kämpfen, zeigt die gezielte Eliminierung von Ajatollah Khamenei und einiger zentraler Figuren des Regimes, dass die politische Kader, Sicherheitsdienste und sein jetziger Ministerpräsident Benjamin Netanjahu sich der dieser hochgradig organisierten Netzwerke und der existenziellen Bedrohung, die sie für Israel darstellen, voll und ganz bewusst sind. Dies kann als ein Hoffnungsschimmer gewertet werden und ist unterstützenswert. Ein nachhaltiges Bündnis zwischen iranischer Opposition und Israel bleibt ein relevanter Aspekt im Kampf gegen das Regime.
Anmerkungen:
[1] https://www.youtube.com/watch?v=NOsIS5gnIPw
[2] Ashargh Al Awsat (5 September. 2025),” New Commander of Iran’s War Room Finally Revealed”:
https://english.aawsat.com/world/5182906-new-commander-iran%E2%80%99s-war-room-finally-revealed
[3] AlJazeera, M.Motamedi (15 Jun 2025),”Who are Iran’s new top military leaders after Israel’s assassinations?”: https://www.aljazeera.com/news/2025/6/15/who-are-irans-new-top-military-leaders-after-israels-assassinations
[4] Abna24.com(15.June.2025) Brigadier General Seyyed Majid Mousavi, new IRGC aerospace commander
https://en.abna24.com/news/1698257/Profile-Brigadier-General-Seyyed-Majid-Mousavi-new-IRGC-aerospace
[5] United Against Nuclear Iran (“UANI”): Mohhamd Ali Jafari: https://www.unitedagainstnucleariran.com/sanctioned-person/jafari-mohammad-ali
[6] IranWire (18.May.2026), “Return of Aziz Jafari: Former Commander or the Man Behind Iran’s Core Power Structure?”: https://iranwire.com/en/features/152531-return-of-aziz-jafari-former-commander-or-the-man-behind-irans-core-power-structure/
[7] Spreading Justice.org: Description of Violations: Ahmad Vahidi(18.04.2026): https://spreadingjustice.org/individual-violator/sj10306/
Palestinian Chronicles(02.March.2026), ”The Intelligence Architect Now Leading the IRGC” https://www.palestinec.March-e.com/profile-ahmad-vahidi-the-intelligence-architect-now-leading-the-irgc/ and JNS((March 2, 2026 / Israel Hayom), ‘The butcher’s apprentice‘: New IRGC chief Ahmad Vahidi: https://www.jns.org/world/the-butchers-apprentice-new-irgc-chief-ahmad-vahidi
[8] NCRI(22.June.2020), “IRGC Appoints Hossain Nejat as Commander of Sarrallah Base: Sign of Regime’s Utter Fear of Iran Protests”: https://www.ncr-iran.org/en/news/iran-protests/irgc-appoints-hossain-nejat-as-commander-of-sarrallah-base-sign-of-regimes-utter-fear-of-iran-protests/
[9] Ashargh Al Awsat (25 March 2026),”Mohammad Baqer Zolghadr: A Man with Strong Connections at the Heart of Iran’s Revolutionary Guards”: https://english.aawsat.com/features/5255029-mohammad-baqer-zolghadr-man-strong-connections-heart-iran%E2%80%99s-revolutionary-guards
[10] www.emam.com; Speech “Importance of preserving the Islamic Republic; role of the clergy throughout history; treacherous plan of compromise with Israel”(16. Nov. 1981): https://emam.com/posts/view/16494/Speech-%5BImportance-of-preserving-the-Islamic-Republic%3B-role-of-the-clergy-throughout-history%3B-treacherous-plan-of-compromise-with-Israel%5D; Speech “Preserving the Islamic Republic Establishment; outlining the duties of clerics (26. Oct. 1981): https://emam.com/posts/view/16479/Speech-%5BPreserving-the-Islamic-Republic-Establishment%3B-outlining-the-duties-of-clerics%5D
[11] https://www.youtube.com/watch?v=3RctPysZu_A,
[12] Hajji Media, Citation of Ayatollah Khomeini by Member of Parliament in “Madjles of Islamic Republic”(2023): https://www.youtube.com/watch?v=03djmDlcfHc



