Einheit trotz weltanschaulicher Differenzen

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Die Synagoge im Kibbutz Saad im Gaza-Umland, Foto: Merkas Lehava, Sagi Oren aus dem Kibbuz Saad / CC BY 2.5

Seit einigen Tagen ist im israelischen Fernsehen vor den Hauptnachrichten öfter ein Spot zu sehen, der eine dramatische Entscheidung bekannt gibt. Eine dramatische, aber gute Entscheidung, was dieser Tage besonders selten ist. Führende Gesichter der beiden Kibbuz-Bewegungen geben darin ihre Vereinigung bekannt. Damit ist die jahrzehntelange Trennung zwischen der säkularen Kibbuz-Bewegung und der religiösen Kibbuz-Bewegung aufgehoben und die beiden wollen von nun an gemeinsam handeln. Ein starkes Zeichen von immenser Symbolkraft, das gesellschaftliche Einheit trotz weltanschaulicher Differenzen in den Vordergrund stellt.

Wie Ynet berichtet, entstand die Idee an Jom Kippur 2024 im Kibbuz Ein Shemer, inmitten heftiger gesellschaftlicher Debatten über den Umgang mit dem Gaza-Krieg und den israelischen Geiseln. Omer Geva aus dem säkularen Ein Shemer und Nitzan Aviram aus dem religiösen Kibbuz Meirav beschlossen damals, einen Dialog zu starten, um der zunehmenden Entfremdung im Land entgegenzuwirken.

Der Weg zur Fusion glich einer Sisyphusarbeit. Es galt, rund 250.000 Menschen aus über 300 Kibbuzim zusammenzuführen. Lange Zeit wirkte der anhaltende Konflikt im Gazastreifen wie ein unüberwindbares Hindernis. Erst der Waffenstillstand und die erlösende Rückkehr der letzten Geiseln lösten den Knoten und machten den Weg für konkrete Verhandlungen frei.

Gefunden wurde ein kluger Kompromiss: Ein gemeinsames Gremium koordiniert künftig übergeordnete administrative Aufgaben, während die religiösen Grundwerte, Traditionen und auch die politische Meinungsfreiheit der einzelnen Gemeinschaften unangetastet bleiben. Gegenseitiger Respekt im gemeinsamen Raum wurde zum Leitmotiv.

Die demokratische Legitimierung folgte schließlich im Februar 2026. In den Räten beider Verbände stieß das Vorhaben auf eine überwältigende Zustimmung: 90 Prozent im religiösen Lager und 85 Prozent auf säkularer Seite votierten für die historische Vereinigung.

Zwar beseitigt diese Fusion weder die externen Bedrohungen Israels noch bringt sie Frieden. Doch sie sendet ein klares Signal an ein polarisiertes Land: Echter Wandel kann von der Basis ausgehen und das Zusammenleben ist eine bewusste Entscheidung. Dafür stehen bekannte Gesichter im erwähnten Spot, wie Gadi Moses, der aus dem Kibbuz Nir Oz nach Gaza entführt wurde, oder Jonathan Shamriz aus Kfar Aza, dessen Bruder Alon entführt und tragischerweise von der IDF erschossen wurde. 

Die politischen Grabenkämpfe in Israel waren noch nie so zynisch wie im Moment. Der Wahlkampf hat bereits begonnen und wird teilweise so geführt, dass er die gesellschaftliche Spaltung weiter befeuert. In diesen Zeiten wirkt die Botschaft der Kibbuzim wie ein leuchtendes Vorbild.