Im München werden am heutigen Dienstag in der Winzererstraße 52 Erinnerungszeichen für Lina Oster und Dr. Armand Oster gesetzt. Die Gedenkveranstaltung findet um 15 Uhr im Stadtarchiv statt. Teilnehmen werden Stadträtin Gudrun Lux in Vertretung des Oberbürgermeisters der Landeshauptstadt München, Dr. h.c. mult. Charlotte Knobloch, die Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern, Dr. Daniel Baumann, der Leiter des Stadtarchivs, und die Angehörigen Rudolf Oster und Laura May. Außerdem wird Benny Folkmann, Geschäftsführer des FC Bayern München e.V., ein Grußwort sprechen. Armand Oster war Vereinsmitglied.
Lina „Engelinchen“ van Wien kam 1885 in Schweinfurt zur Welt und besuchte das Lyzeum. 1913 heiratete sie Dr. Armand Oster und zog mit ihm in die Winzererstraße 52. Armand Oster wurde 1883 in Köln geboren. Er studierte Medizin, lebte seit 1912 in München und diente im Ersten Weltkrieg als Arzt. 1913 wurde ihr Sohn Kurt Rolf geboren, 1919 ihre Tochter Liselotte. Armand Oster praktizierte als Dermatologe, war Vorsitzender des Schachklubs Lasker und trat 1929 dem FC Bayern München bei. Seine Ehefrau kümmerte sich, wie damals üblich, zu Hause um die Familie.

Mit dem Machtantritt der Nationalsozialisten änderte sich ihr Leben dramatisch. Die Familie musste mehrfach umziehen, im September 1938 wurde Dr. Armand Oster aufgrund seiner jüdischen Herkunft die Approbation entzogen. Sohn Kurt emigrierte im Sommer 1938 über Frankreich nach Argentinien, Tochter Liselotte floh im Juni 1939 nach Großbritannien. Lina und Armand Oster versuchten ebenfalls, nach Argentinien auszuwandern. In den Briefen an ihren Sohn standen die Einreiseerlaubnis und die Sehnsucht nach den Kindern im Mittelpunkt. Beide Ehepartner mussten Zwangsarbeit leisten: die herzkranke Lina in einer Druckerei, Armand in einer Gärtnerei. Im April 1941 erhielten sie die Einreisegenehmigung, doch die Ausreise verzögerte sich, da der argentinische Konsul in München weitere Dokumente einforderte. Im Oktober 1941 wurde allen Jüdinnen und Juden die Emigration verboten, Lina und Armand Oster waren in Deutschland gefangen. Am 20. November 1941 wurden sie zusammen mit rund 1.000 weiteren Jüdinnen und Juden aus München von der Gestapo nach Kaunas deportiert. Dort wurden sie am 25. November 1941 erschossen.
Zu den Erinnerungszeichen:
Erinnerungszeichen werden seit 2018 an Orten angebracht, an denen Menschen lebten, die von den Nationalsozialisten verfolgt und ermordet wurden. Die Erinnerungszeichen bestehen aus gebürstetem Edelstahl und sind vergoldet. Es gibt sie als Wandtafeln an der Fassade und als Stelen auf öffentlichem Grund. Sie enthalten die wichtigsten Lebensdaten, Angaben zum Schicksal und – falls vorhanden – ein Bild.
Weitere Informationen: www.erinnerungszeichen.de



