Lesungen in der Eberhard-Ossig-Stiftung

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Die Eberhard-Ossig-Stiftung fördert ein tieferes Verstehen des Judentums unter den Christen und des Christentums unter den Juden. Sie will dazu beitragen, dass Christinnen und Jüdinnen aufeinander hören und in vielfältiger Weise Glaubens- und Lebenserfahrungen miteinander teilen. Sie fördert also Begegnung und Dialog auf Augenhöhe.

Seit dem Sommer 2018 verfügt die Eberhard-Ossig-Stiftung über einen Veranstaltungsraum, schräg gegenüber vom jüdischen Museum Berlin. Hier werden in verschiedenen Formaten und Veranstaltungen Begegnung, Austausch, aufeinander hören, sich seiner selber vergewissern gefördert. 

Die kommenden Lesungen

Anmeldung jeweils per e-Mail erbeten! info@eberhard-ossig-stiftung.de.

ORT: Stiftungsraum, Markgrafenstraße 84, 10969 Berlin; schräg gegenüber vom Jüdischen Museum

Eintritt frei, Spenden gern.

23. April 2026 | 19.00 Uhr
Stephan Lebert:
Der blinde Fleck

Stephan Lebert, Jahrgang 1961, besuchte die Deutsche Journalistenschule in München. Ab 1985 arbeitete er bei der „Süddeutschen Zeitung“, danach folgte ein Jahr beim „Spiegel“, und von 1999 bis 2004 war Stephan Lebert leitender Redakteur beim „Tagesspiegel“ in Berlin. Heute arbeitet er als Redakteur für besondere Aufgaben bei der Wochenzeitung „Die Zeit“. Er wurde mit dem Egon-Erwin-Kisch-Preis ausgezeichnet. Im Jahr 2000 veröffentlichte Stephan Lebert das Sachbuch „Denn Du trägst meinen Namen“ über das Erbe prominenter Nazi-Kinder mit Porträts von seinem Vater, dem SZ-Journalisten Norbert Lebert. 2002 gab er gemeinsam mit seiner Mutter Ursula Lebert, einer langjährigen „Brigitte“-Autorin, die Reportagen-Sammlung „Du bist mein Augenstern. Was die Zeit aus Ehen macht“ heraus.

Die Schoah und das Ende des Zweiten Weltkriegs liegen weit zurück, es leben nur noch wenige Zeitzeugen und Zeitzeuginnen. Ihre Vergangenheit jedoch hinterlässt bis heute Spuren in den Familien. Geprägt durch eine Katastrophe, die sie nicht selbst erlebt haben, haben viele Nachkommen der Täter, Komplizen, Handlanger, Mitläufer und Opportunisten seelische Wunden, deren Ursachen sie oft nur vage kennen: zwischenmenschliche Kälte, Schuldgefühle, Ängste, Einsamkeit, ein Gefühl der Entwurzelung. In vielen Familien sind bleiernes Schweigen, verdrängte Erinnerungen, wohlgehütete Geheimnisse, hartnäckige Lügen allgegenwärtig – ein erdrückendes Erbe, dessen Gift bis heute wirkt. Doch nun bricht dieser Panzer des Schweigens auf: Da sie keine Konfrontation mit den Großeltern oder Eltern mehr fürchten müssen, recherchieren immer mehr Menschen ihre Familiengeschichte und spüren nach, wie sich diese auf die eigenen Lebensmuster ausgewirkt hat. Der Trauma- und Stressexperte Louis Lewitan und der preisgekrönte Journalist Stephan Lebert schreiben anhand von ergreifenden Gesprächen mit Betroffenen über die ebenso schwierige wie befreiende Auseinandersetzung mit der Last der eigenen Familiengeschichte. Ein Beitrag zur deutschen Erinnerungskultur, der aktueller denn je ist.

Musik: Jakub Sawicki | Piano

28. Mai 2026 | 19.00 Uhr
Jacques Schuster:
Im raschelnden Laub der Vergangenheit
Der Jüdische Friedhof in der Schönhauser Allee in Berlin. Ein literarischer Spaziergang

Jacques Schuster, geboren 1965 in Berlin, ist promovierter Historiker und Journalist. Er studierte Zeitgeschichte, jüdische Geschichte und Politikwissenschaften. Seit 1998 ist er in verschiedenen Positionen in der WELT-Gruppe tätig. Er war Ressortleiter Außenpolitik, leitete einige Jahre die „Literarische Welt“, war Chefkommentator und Ressortleiter Innenpolitik. Heute ist er Chefredakteur der WELT am Sonntag.

Dieses Buch ist mehr als ein Friedhofsführer. Jacques Schuster entführt den Leser in eine längst versunkene Welt des deutschen Judentums. Er beschreibt, was Tod und Trauer im Judentum bedeuten, zeichnet in präzisen und zugleich eindringlichen Worten die Geschichte des Judenhasses von seinen Anfängen bis zum 7. Oktober 2023 nach und schildert, was die Gräber auf dem Jüdischen Friedhof in der Schönhauser Allee von denen erzählen, die dort seit Jahrzehnten und Jahrhunderten liegen. Schuster verleiht den Toten eine Stimme und nimmt den Leser in seinen lebendig erzählten Reportagen mit auf eine Zeitreise in die Vergangenheit. Mit Fotografien von Marlene Gawrisch.

Musik: Bar Zemach | Schofar
Moderation: Dr. Nora Pester

25. Juni 2026 | 19.30 Uhr
Gerhard J. Rekel
Lina Morgenstern: Die Geschichte einer Rebellin

Gerhard J. Rekel wurde 1965 in Graz geboren und absolvierte die Filmakademie Wien. Er ist Drehbuchautor von Tatort-Folgen, Regisseur wissenschaftlicher Dokumentationen für ARTE und ZDF sowie erfolgreicher Romanautor. Sein Buch „Monsieur Orient-Express“ wurde mit dem ITB-BookAward 2023 ausgezeichnet.

Im Anschluß laden wir zu Lina Morgensterns Lieblingssuppe.

Berlin, 1866: Während der Preußisch-Österreichische Krieg tobt, nimmt Lina Morgenstern (1830–1909) das Schicksal selbst in die Hand: Sie gründet Lazarette und Volksküchen, rettet Soldaten und wird zur Pionierin der Wohlfahrt. Sie baut ein soziales Netzwerk auf, initiiert die erste Frauenzeitung und organisiert den ersten „Internationalen Frauenkongress“ in Deutschland. Spannende Einblicke in das Wirken einer der bedeutendsten Sozialreformerinnen des 19. Jahrhunderts.

Musik: Juliane Felsch-Grunow | Piano