Iranische Raketen mit Streumunition über Israel

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Iranische Chorramschahr Raketen, Foto: Foto: Fars Media Corporation / CC BY 4.0

Seit einigen Tagen verwendet der Iran Raketen mit Streumunition. Der Einsatz ist schon im Schutzraum zu erahnen, wenn zahlreiche Detonationen zu hören sind, die darauf hinweisen, dass es mehr als ein oder zwei Raketen abzufangen gilt. Gestern hatte eine solche Rakete in Tel Aviv für 16 Einschläge gesorgt.

Im Gegensatz zu herkömmlichen Raketen, die einen massiven Sprengkopf tragen, um ein punktgenaues Ziel zu zerstören, fungieren die Raketen mit Streumunition wie ein Transporter und tragen in ihrem Inneren Dutzende oder sogar Hunderte kleinerer Sprengkörper, sogenannte „Submunitionen“ oder Bomblets. In großer Höhe öffnet sich der Hauptsprengkopf und schleudert die kleineren Bomben heraus. Dadurch wird der Zerstörungsradius deutlich erweitert und die Chance, die Abfangraketen zu umgehen erhöht.

Auch wenn die kleineren Bomben deutlich weniger Sprengstoff, zwischen 2,5 und 7 kg, enthalten, was mit der Sprengkraft einer Qassam-Rakete vergleichbar ist, können sie enormen Schaden anrichten, vor allem durch die unzähligen Metallsplitter, die bei der Explosion freigesetzt werden. 

Gestern wurde bei einem Angriff mit einer solchen Rakete ein Mann schwer verletzt. Auch am heutigen Vormittag schoss der Iran wieder eine Rakete mit Streumunition auf das Zentrum Israels. Ein Mann musste noch vor Ort für tot erklärt werden, zwei weitere erlitten schwerste Verletzungen. 

Der Einsatz dieser Waffen ist völkerrechtlich umstritten. International haben sich 112 Staaten in einem Abkommen („Oslo-Konvention“) von 2010 dazu verpflichtet, Streumunition weder einzusetzen noch herzustellen, da sie als „unpräzise“ gilt und die Zivilbevölkerung unverhältnismäßig gefährdet.

Die Angriffe kommen zu einem Zeitpunkt, zu dem der Zivilschutz eine teilweise Öffnung ermöglicht. Danach ist das Arbeiten vor Ort wieder möglich, wenn es einen Schutzraum gibt, der in der vorgegebenen Zeit erreicht werden kann. Raketen mit Streumunition machen jedoch auch den Weg zur Arbeit lebensgefährlich. Insgesamt wurden Zusammenkünfte bis zu 50 Personen ermöglicht, also auch in Cafes, Bars, Synagogen und Fitnessstudios. Die Schulen bleiben weiterhin geschlossen und unterrichten online.