Die geheimen Schätze der Krypto-Juden von Maschhad

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Die Imam-Reza-Moschee in Maschhad (ca. 1950er Jahre). Aus der Sammlung Yani Avidav, Foto: Ofer Avidav, Pritzker Family National Photography Collection in der Nationalbibliothek Israels

Die Nationalbibliothek Israels (NLI) präsentiert seltene Schätze, die Licht auf ein wenig bekanntes Kapitel der der Juden im Iran werfen. Es ist die Geschichte der Krypto-Juden von Maschhad, die über ein Jahrhundert lang gezwungen waren, als Muslime zu leben, während sie im Verborgenen ihren jüdischen Glauben bewahrten.

Maschhad gilt als eine der heiligsten Stätten des schiitischen Islams. Ursprünglich war Juden die Ansiedlung dort untersagt, doch im 18. Jahrhundert lud Schah Nader Shah jüdische Händler ein, um die Stadt zu einem Handelszentrum auszubauen. Nach seiner Ermordung änderte sich die Lage jedoch drastisch.

Am 26. März 1839 eskalierten die Spannungen: Eine falsche Anschuldigung führte zu einem Massaker. Dutzende Juden wurden ermordet, Mädchen wurden zwangsverheiratet und jüdisches Eigentum geplündert. Am darauf folgenden Tag standen die Überlebenden vor einer grausamen Wahl: Konvertierung zum Islam oder der Tod.

Das Doppelleben der „Jadid al-Islam“

Rund 120 Jahre lang führten diese sogenannten Jadid al-Islam („neue Muslime“) ein gefährliches Doppelleben: Sie besuchten die Moschee, fasteten im Ramadan und trugen traditionelle muslimische Kleidung. Doch sie behielten heimlich ihre jüdische Identität. So erhielt jedes Kind zwei Namen – einen offiziellen muslimischen und einen geheimen jüdischen. Um Ehen mit Muslimen zu verhindern, wurden Kinder oft schon im Alter von vier oder fünf Jahren innerhalb der Gemeinde miteinander verlobt. Händler öffneten ihre Geschäfte zwar am Schabbat, vermieden es aber, Geld anzufassen. Besonders die Frauen der Gemeinde fungierten als Hüterinnen des Glaubens. Unter ihren Tschadoren schmuggelten sie koscheres Fleisch oder religiöse Artefakte und waren verantwortlich für die jüdische Erziehung der Kinder im Haus.

Zeugnisse des Widerstands in der Nationalbibliothek

Die Nationalbibliothek bewahrt heute Objekte auf, die von diesem mutigen Überlebenskampf zeugen. So zum Beispiel einen Siddur, Slichot Gebete und eine Haggada aus den Jahren 1909–1910, ins Judeo-Persische übersetzt von Rabbi Mordechai Akaler. Er fürchtete, dass das Wissen um die jüdischen Riten ohne Übersetzung verloren gehen würde. Akaler wirkte im Geheimen als Prediger, Mohel und Schochet.

Gebetbuch (ca. 1909–1910), übersetzt ins Judäo-Persische von Rabbi Mordechai Akaler (1850–1935). Archiv des Valmadonna Trust in der Nationalbibliothek Israels.

Ein prachtvoller Koran der Familie Hakimian zeugt von einer besonders frommen muslimischen Fassade. Doch an den Rändern der Seiten notierte die Familie über Generationen hinweg heimlich Geburten, Todesfälle und wichtige Ereignisse. Er wurde 2023 von Danny Hakimian an die Bibliothek gespendet.

Koran der Familie Hakimian. Gestiftet von Danny Hakimian. Aus der Sammlung Islam und Naher Osten der Nationalbibliothek Israels.
Ein 200 Jahre altes Paar Tefillin (Gebetsriemen) aus Maschhad. Es wurde von der jüdischen Gemeinde Maschhads in Great Neck (Long Island) an Dr. Joseph (Joe) Levine gestiftet, der es als Zeugnis jener Zeit übergab, als die Juden Maschhads gezwungen waren, als Konvertiten zu leben. Die Sammlung „Haim und Hanna Solomon Judaica“ befindet sich in der Nationalbibliothek Israels.

In den 1940er Jahren verließen die letzten Mitglieder der Gemeinde Maschhad in Richtung Teheran, Israel oder in den Westen. Heute gibt es keine Juden mehr in Maschhad. Doch durch die Artefakte in Jerusalem bleibt ihre Geschichte lebendig.