„Wir haben lange auf diese Nachricht gewartet“

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Gedenken am Gärtnerplatz, 2020, (c) haGalil

Berichten des SPIEGEL zufolge haben Ermittler der Staatsanwaltschaft nach Jahrzehnten einen Tatverdächtigen für den Brandanschlag auf das jüdische Gemeindezentrum in der Reichenbachstraße am 13. Februar 1970 ausfindig gemacht.

Die Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern, Dr. h.c. mult. Charlotte Knobloch, erklärte dazu: „Dass der Anschlag in der Reichenbachstraße nach fast 56 Jahren womöglich doch noch aufgeklärt werden kann, hätte ich nicht mehr für möglich gehalten. Unsere ganze Gemeinde und alle, die wie ich persönliche Erinnerungen an diese furchtbare Nacht haben, haben lange auf diese Nachricht gewartet.“ Von Erleichterung könne man zwar nicht sprechen, so Knobloch weiter. „Die Ermordeten werden davon schließlich nicht wieder lebendig. Aber wenigstens hätten wir damit endlich eine Antwort auf eine Frage, die uns über ein halbes Jahrhundert bedrückt hat.“

Tafel mit den Namen der Opfer am Gärtnerplatz

Die Präsidentin betonte, es schmerze sie sehr, dass der mutmaßliche Täter nicht mehr zur Verantwortung gezogen werden konnte: „Wer jüdische Menschen ermordet, noch dazu aus dem einzigen Grund, weil sie Juden sind, der darf gerade in diesem Land nicht straffrei ausgehen. Sollte Bernd V. tatsächlich der Täter gewesen sein, ist es für alle Angehörigen der Opfer von damals, für unsere Gemeinde und auch für mich persönlich unerträglich, dass er bis zu seinem Lebensabend für dieses barbarische Verbrechen nicht belangt wurde.“

Knobloch dankte abschließend allen, die an den Ermittlungen beteiligt waren und zu einer Aufklärung beigetragen hatten, insbesondere Oberstaatsanwalt Andreas Franck, „ohne dessen Einsatz es diesen Durchbruch nicht hätte geben können.“ Ihr „tief empfundener Dank“ gelte außerdem dem Kabarettisten Christian Springer, der immer wieder mit Installationen und Aktionen rund um den Jahrestag auf den Anschlag aufmerksam gemacht hatte. „Christian Springer setzt sich seit etlichen Jahren mit unglaublicher Beharrlichkeit dafür ein, dass dieser Anschlag nicht aus dem Gedächtnis der Stadt verschwindet. Sein Engagement ist außergewöhnlich.“

–> „Es ist höchste Zeit, sich dem Geist des Hasses entgegenzustellen“
Rede von Esther Schapira zum 50. Jahrestag des Brandanschlags auf das Jüdische Altersheim in der Reichenbachstraße 27.

–> „Hilfe! wir werden verbrannt!“
Dieser Ruf ertönte lautstark am Abend des 13. Februar 1970, als bereits dutzende Menschen im jüdischen Gemeindehaus in der Reichenbachstraße 27 von Flammen und Rauch eingeschlossen waren. Im Vorderhaus war ein jüdisches Altersheim untergebracht, es war Schabbat, die meisten Bewohnerinnen und Bewohner waren daher daheim. Sieben Menschen konnten sich nicht retten, sie wurden bei diesem Brandanschlag grauenvoll ermordet.