Jerusalem Berlin

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Ein Fotoband mit Arbeiten von Benyamin Reich zeigt seine Reise zwischen den Welten, vom ultraorthodoxen Judentum in Jerusalem zum selbstbestimmten Leben in Berlin.

Geboren in Bnei Brak als Sohn eines Rabbiners, aufgewachsen in den engen Strukturen der ultraorthodoxen Gemeinschaft, begann Benyamin Reich als Teenager Fragen zu stellen, für die in seiner Welt kein Platz war. Eine Welt, in der Kunst nicht erlaubt ist, auch freies Denken nicht, wie er selbst es beschreibt. Eine Kamera, die er geschenkt bekam, gab schließlich den Anstoß. Reich verließ seine Heimat und die ultraorthodoxe Welt, studierte in Paris an der École des Beaux-Arts und lebt in Berlin. 

Eine Auswahl seiner Fotografien ist nun in einem Band unter dem Titel „Jerusalem Berlin“ im Secession Verlag erschienen. Sie zeigen seine Suche nach Identitäten, zwischen Nation, Religion und Tradition, eine Vermischung von Facetten derselben Person, zwischen queerem und ultraorthodoxem Leben.

Auch wenn einige dieser Bilder durchaus provokant sind, spürt man in ihnen auch, dass Reich keine Kunst um der Provokation willen schafft. Er zeigt die Suche nach dem Wahren, der Schönheit, trotz der Widersprüche, trotz des Schmerzes, auch im Leben des Künstlers, der mit dem Ausstieg aus der ultraorthodoxen Gesellschaft verbunden ist.

„Meine photographische Arbeit entspringt aus den Spannungen mit der Tradition, sie reibt sich an einem Generationen alten Verbot, überhaupt ein Abbild zu schaffen und eine Statue. Vielleicht ist diese Arbeit ein Akt des Widerstands, ein Symbol meines stolzen Ungehorsams“, so Benyamin Reich. 

© Benyamin Reich

Ein eindrucksvoller Band, der beiden Welten trotz der scheinbaren Unvereinbarkeit mit viel Respekt begegnet und dabei der analogen Kamera eine Offenbarung zuschreibt, die weit über das Ablichten von Motiven hinausgeht: „Sehnsüchte, meine Enttäuschungen, meine Einsamkeit – und mein Glück“. (al)

Benyamin Reich, Jerusalem Berlin. Analoge Photographie mit Textbeiträgen von Simon Strauss und Alexander Ochs, Secession Verlag 2026, Bestellen?