Preiswürdig?

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© Superbass / CC-BY-SA-4.0 (via Wikimedia Commons)

Protest gegen eine Preisverleihung an die Israelkorrespondentin der ARD Sophie von der Tann

Von Roland Kaufhold

Die Journalistin und ARD-Israel-Korrespondentin Sophie von der Tann spaltet die Öffentlichkeit. In Israel lebende und mit Israel vertraute Menschen halten ihre Berichte für zumindest fragwürdig. Das vielfach bedrohte Israel erscheint in ihren Berichten vor allem als aggressiver Staat, dem willkürlich arme Palästinenser zum Opfer fallen. Am kommenden Donnerstag, den 4.12., wird ihr hierfür im WDR der Hanns-Joachim Friedrichs Preis verliehen.

Diese Preisverleihung hat starke Kritik hervor gerufen. Vor dem WDR-Gebäude ist am 4.12. ab 17 Uhr eine Mahnwache angekündigt.

 „Den Nachkommen der Schoah-Opfer kaltschnäuzig und nassforsch die Leviten gelesen“

Deutliche Kritik hatte in der Vergangenheit beispielsweise die bekannte Fernseh-Journalistin Esther Schapira geäußert. „Den Nachkommen der Schoah-Opfer kaltschnäuzig und nassforsch die Leviten gelesen“ überschrieb die langjährige Redakteurin des Hessischen Rundfunks einen Kommentar . „Ausgerechnet zum 60. Jubiläum der deutsch-israelischen Beziehungen“ habe die ARD-Korrespondentin die „Kriegsführung in Gaza“ kritisiert, und das auch noch, „ohne die Hamas zu erwähnen“, so Schapira. 

In ihrem Tagesthemen-Fernsehkommentar sei es von der Tann gelungen, „in gerade mal 90 Sekunden 60 Jahre Vertrauensvorschuss in die Tonne zu treten“, so Esther Schapira. Die Journalistin instrumentalisiere ausgerechnet Israels mutige Protestbewegung „dreist als Kronzeugen ihrer Tirade“. Der Kommentar Schapiras, Preisträgerin der Buber-Rosenzweig-Medaille, ist lesenswert. 

„Grundfalsch und aberwitzig“

Die Kritik an der fragwürdigen Auszeichnung lässt nicht nach. Der WDR-Journalist Lorenz Beckhardt, Vorsitzender des Verbandes Jüdischer Journalistinnen und Journalisten, vermochte die Meldung von der Auszeichnung von der Tanns anfangs kaum zu glauben. Er bezeichnet diese als „grundfalsch und aberwitzig“.

Hanns-Joachim Friedrichs journalistische Grundhaltung war eindeutig: Wenn Gefühle geweckt werden und sich erhitzen, müssten Journalisten »cool bleiben«, habe Hanns-Joachim Friedrichs 1995 kurz vor seinem Tod gesagt. Sie müssten »Distanz halten, sich nicht gemein machen mit einer Sache, auch nicht mit einer guten«.

Dass dies Grundhaltung ausgerechnet auf von der Tann mit ihrer emotionalisierenden und Palästinenser als unschuldige Opfer israelischer Aggression darstellenden Art zutreffen soll, verwundert Beckhardt. „Aus der Redaktion der Tagesschau höre ich, wie schwer sich die unerschrockene Korrespondentin nach dem Massaker vom 7. Oktober tat, die Hamas statt als »militante Kämpfer« als »von der EU als Terrororganisation eingestufte Gruppe« zu bezeichnen. Zu viel »Distanz halten, sich nicht gemein machen« war nicht ihr Ding.“

Wenn die Jury nun, sogar nach dem barbarischen Hamas-Pogrom vom 7.10.2023, den „Kontext der deutschen Geschichte“ heranziehe – also die Shoah, den millionenfachen Massenmord an unschuldigen Juden – so sei die Assoziation an die Attitüde der „Auschwitz-Keule“ mehr als naheliegend.

Die Erinnerung an Adornos präziser Definition des Antisemitismus als „Gerücht über die Juden“, das allgegenwärtige links-rechte Diktum, dass Juden die Shoah instrumentalisierten, das Geschwätz von der „jüdischen Lobby“ dränge sich bei dieser Preisverleihung geradezu auf. Hierdurch würden, so Beckhardt, „astreine antisemitische Narrative reanimiert.“ Man wird ihm wohl kaum widersprechen können.

„Befördern ein falsches Bild von Israel“

Auch die freie Journalistin Sarah Maria Sanders kritisiert die Berichte der Öffentlich-Rechtlichen und insbesondere die der Preisträgerin gleichfalls in scharfer Form als „oft einseitig“. Sie beförderten „ein falsches Bild von Israel.“

Als Kriegsreporterin aus der Region verfolge von der Tann konsequent eine einseitige Linie: „Fast jeder ihrer Berichte, fast jedes Interview, das sie führt, scheint darauf abzuzielen, Israel negativ darzustellen. Interviewt werden von ihr überwiegend jene, die am Rand des politischen Meinungsspektrums stehen – am äußersten linken oder am extrem rechten. Dass diese Stimmen existieren, bestreitet niemand. Es gibt sie. Doch sie repräsentieren nur einen kleinen Teil der israelischen Gesellschaft.“ 

Mit Sehnsucht erinnert man sich an die langjährige Tätigkeit des ARD-Israelkorrespondenten Richard C. Schneider. Selbst in den winzigen jüdischen Kontexten 1957 als Sohn von ungarischen Shoah-Überlebenden in München geboren und aufgewachsen berichtete der Publizist und Buchautor ab 1989 für die ARD über Israel und den Nahen Osten. Er verfügte über ein wirklich profundes Wissen über die komplexe Lage in Israel, vor allem jedoch auch über die alltägliche Bedrohung in Israel.

Er vermochte in überzeugender Weise auch Israels höchst umstrittenen Ministerpräsidenten Netanyahu zu kritisieren, besonders dessen Liaison mit rechtspopulistischen Regierungschefs wie dem Ungarn Orban. Und Netanjahus Iran-Politik kritisierte er scharf als ein Debakel – jedoch in einer Grundhaltung von Seriosität.

Das Gleiche trifft auf die vorzügliche ZDF-Korrespondentin Katrin Eigendorf zu. Auch sie wäre eine überzeugende Preisträgerin.

Für Donnerstag, den 4.12.2025 ist ab 17 Uhr vor dem Kölner Funkhaus am Wallraffplatz eine Mahnwache gegen die Preisverleihung angekündigt.

Petition gegen die Preisverleihung:

Zum Thema:
Esther Schapira – Warum Sophie von der Tanns Beiträge zu Nahost nicht preiswürdig sind
Lorenz Beckhardt – Gratulation!