Vor einem Jahr gründete sich der Verband jüdischer Journalistinnen und Journalisten JJJ e.V.. Der 7. Oktober habe das „Gerücht über die Juden“ wieder zu einem alltäglichen Teil des Weltbildes von Millionen Menschen gemacht, auch von Journalisten, heißt es auf der Verbandswebseite.
Eigentlich ist es erstaunlich, dass es einen solchen Verband noch nicht gab. Andere Berufsgruppen haben sich schon vor längerem entsprechend zusammengeschlossen, es gibt beispielsweise Verbände jüdischer Ärzte oder Rechtsanwälte. Aber es war bisher ganz einfach noch nicht nötig. Und dass es nun auch diesen Verband geben muss, der seinen Mitgliedern einen geschützten Raum für Austausch und Unterstützung bietet, das ist definitiv ein weiteres Alarmsignal und Zeichen des explodierenden Antisemitismus seit dem 7. Oktober 2023. Auch „Journalisten verbreiten Antisemitismus“, heißt es weiter in der Selbstbeschreibung. „Kolleginnen und Kollegen, mit denen wir die Redaktionsstuben teilen, die mit uns recherchieren und publizieren, verbreiten antisemitische Narrative – unbewusst oder aus Überzeugung. Sie bedrohen dadurch die Freiheit und berufliche Existenz jüdischer Journalisten. Sie bedrohen die liberale Demokratie.“
Die Bilanz, die der Co-Vorsitzende Lorenz Beckhardt, selbst Redakteur beim WDR, nach einem Jahr Arbeit des Verbands zieht ist äußerst positiv. Gut 40 Mitglieder haben sich zusammengefunden, die in den deutschsprachigen Medien, neben Deutschland auch in Österreich, der Schweiz und Luxemburg, tätig sind. Nicht unbedingt sind diese Journalistinnen und Journalisten auch in ihrer täglichen Arbeit mit jüdischen Themen beschäftigt. Gerade für sie hat sich aber das Arbeitsklima seit dem 7. Oktober sehr verändert, sie werden mit antisemitischen Narrativen und auch persönlichen Angriffen konfrontiert, denen sie nicht selten alleine begegnen müssen. Das Gefühl nicht alleine zu sein, sei für alle Mitglieder sehr wichtig, so Beckhardt.
Auch die positive Reaktion von außen auf die Gründung des Verbands beschreibt Beckhardt als unerwartet groß. Der Verband werde häufig angefragt, welche Positionen er zu verschiedenen Themen vertrete und ob er als Kooperationspartner für Veranstaltungen zur Verfügung stehe.
Für die Zukunft ist einiges geplant. Im Frühjahr plant der Verband, einen Journalistenpreis auszuloben, der 2026 dann auch erstmals verliehen werden soll. Ein großes Anliegen ist, Möglichkeiten der Fortbildung für Journalistinnen und Journalisten im Bereich der Antisemitismusprävention zu schaffen, die von den Redaktionen angenommen werden. Klar ist, nach einem Jahr startet der Verband jüdischer Journalistinnen und Journalisten gerade erst so richtig durch. Die allgemeine Stimmung wird seine Arbeit wohl auch leider nicht überflüssig machen. (al)
Mitglied können Jüdinnen und Juden, die im Journalismus arbeiten, übrigens ganz einfach werden. Alle Infos dazu und mehr unter:
https://juedische-journalisten.org/



