Erstmals präsentiert die Nationalbibliothek Israels im Rahmen ihrer Dauerausstellung eine prächtige und reich illuminierte Handschrift der Mischna Tora von Maimonides aus dem 14. Jahrhundert. Dieser monumentale Text, der als Höhepunkt von Maimonides’ Gelehrsamkeit gilt, umfasst alle Bereiche des jüdischen Rechts. Besucher der Dauerausstellung „Ein Schatz der Worte“ können diese außergewöhnliche Handschrift nun besichtigen.
Die erste Abschrift entstand zwischen 1300 und 1350 in der Provence und gelangte später nach Spanien, wo der italienische Künstler Matteo di Ser Cambio sie mit farbenprächtigen Illustrationen, Goldverzierungen und dekorativen Motiven von Figuren, Tieren und Pflanzen ausschmückte. Der Band enthält Korrekturen, Auslassungen und Anmerkungen, die von jahrhundertelanger Beschäftigung und Überlieferung zeugen. Er trägt auch Spuren christlicher Zensur des 16. Jahrhunderts, darunter Streichungen auf der letzten Seite und ein Zensursiegel aus dem Jahr 1574.
Ebenfalls erstmals öffentlich ausgestellt wird ein kleines Gebetbuch aus dem 15. Jahrhundert aus Lissabon, eines der letzten Zeugnisse der liturgischen Traditionen der spanischen und portugiesischen Juden vor ihrer Vertreibung. In Blockschrift verfasst und mit farbenfrohen Goldverzierungen versehen, bietet es einen ergreifenden Einblick in eine untergegangene Welt.

Der Wormser Machsor aus dem 13. Jahrhundert wurde bereits ausgestellt, doch nun präsentiert die Bibliothek erstmals ein neu entdecktes Pijjut (liturgisches Gedicht) aus dem Or Yesha Meusharim, das sich in seinen Seiten fand. Das wunderschön handgeschriebene und illuminierte Gedicht ist zwischen zwei Säulen gesetzt, die jeweils von Löwen getragen werden.

Besucher können außerdem die weltweit älteste gedruckte Pessach-Haggada besichtigen, die 1482 in Guadalajara, Spanien, zehn Jahre vor der Vertreibung der Juden, hergestellt wurde. Ein weiteres Ausstellungsstück ist die Bengasi-Haggada, ein unkonventioneller Pessach-Text, der von Soldaten der Jüdischen Brigade für einen Seder kurz nach Libyens Befreiung von den Nazis im Jahr 1943 verfasst wurde. Hastig auf beschlagnahmten Telegrammformularen gedruckt, wurde diese Haggada von den Soldaten und Hunderten libyschen Juden verwendet, die die Verfolgung unter faschistischer und nationalsozialistischer Herrschaft überlebt hatten.
Die Ausstellung präsentiert erstmals auch mehrere persische Gedichte aus der Sammlung Islam und Naher Osten der Bibliothek. Darunter befindet sich die berühmte Geschichte von Layla und Majnun, verfasst vom Dichter Nizami Ganjawim aus dem 12. Jahrhundert – eine tragische Liebesgeschichte, die später unzählige Künstler inspirierte, darunter Eric Clapton mit seinem Gedicht „Layla“.

Eine weitere poetische Handschrift aus dem 15. Jahrhundert, verziert mit prächtigen Goldilluminationen, erzählt die Geschichte von Yusuf und Zulaikha, der biblischen Figur des Josef und Potiphars Frau. Anhand der koranischen Erzählung zeigen diese Werke, wie die muslimische Tradition Zulaikha von einer intriganten Verführerin zu einer reuigen Frau wandelte, die schließlich beichtet und Buße tut.
Diese und weitere Objekte sind derzeit in der Dauerausstellung „Ein Schatz der Worte“ der Nationalbibliothek Israels in der William Davidson Permanent Exhibition Gallery zu sehen. Aufgrund der großen Nachfrage wurden die Laufzeiten der Wechselausstellungen „Blumen: Ein Blick in die Seiten der Nationalbibliothek“ und der Einzelausstellung von Hadassa Goldvicht, „Zu den inneren Bibliotheken“, bis zum 15. Mai 2026 verlängert. Tickets für die Dauerausstellung und die Wechselausstellungen sind auf der Website der Nationalbibliothek Israels erhältlich: https://www.nli.org.il/en



