Von TikTok bis TV-Serie: Jiddisch ist nicht nur eine Sprache der Vergangenheit. Ob auf Social Media oder in zeitgenössischen Serien – das Jiddische erlebt weltweit eine Renaissance. Einen Einblick in diese lebendige Sprachkultur bietet eine Podiumsdiskussion am 20. März in Augsburg. Dort diskutieren Dr. Carmen Reichert, Direktorin des Jüdischen Museums Augsburg Schwaben und Philip Schwartz im Begleitprogramm zur aktuellen Sonderausstellung „Jiddisch. Jüdisch. Taitsch.“ Anlass ist das Erscheinen des begleitenden Ausstellungskatalogs.
In fünf Beiträgen bieten Expert*innen darin einen vertiefenden Einblick in die Themen der Ausstellung: Jiddisch wurde knapp acht Jahrhunderte lang in Süddeutschland geschrieben, gedruckt und gesprochen. Im 16. Jahrhundert erschienen die ersten jiddischen Druckerzeugnisse in Deutschland, wobei Augsburg und Schwaben eine bedeutende Rolle spielten. Auch Familien aus Kriegshaber (heute ein Stadtteil von Augsburg) nutzten sogar noch Anfang des 19. Jahrhunderts Jiddisch in ihren schriftlichen Korrespondenzen. Obwohl etwa die Hälfte der jiddischsprachigen Menschen in der Schoa ermordet wurde, hat die Sprache überlebt. Jiddisch wird weiterhin aktiv gesprochen, nicht nur in religiösen, sondern auch in säkularen Kreisen. Von Theateraufführungen über TV-Serien bis hin zu TikTok-Videos, Jiddisch ist auch im 21. Jahrhundert präsent.
Podiumsdiskussion beleuchtet die Vielfalt des lebendigen Jiddisch
Von Antwerpen bis London, von Jerusalem bis New York – Jiddisch ist eine lebendige Sprache, die auch heute noch in vielen Teilen der Welt gesprochen wird. Im Gespräch mit Carmen Reichert, Direktorin des JMAS, beleuchtet Philip Schwartz, Kulturjournalist und Dozent für die jiddische Sprache, das heutige jiddische Kulturleben: Welche Rolle spielt Jiddisch in der sogenannten jüdischen Orthodoxie? Wer spricht Jiddisch außer den streng religiösen Charedim und Chassidim? Was verbindet Jiddisch-Sprecher*innen mit der Sprache, was bedeutet sie ihnen?
Im Rahmen der Veranstaltung wird auch der neu erschienene Ausstellungskatalog „Jiddisch. Jüdisch. Taitsch. Aspekte jiddischer Sprachgeschichte in Süddeutschland“ vorgestellt. Der Eintritt ist frei.
Sonderausstellung „Jiddisch. Jüdisch. Taitsch.“
Noch bis zum 29. Juni 2025 ist in der Ehemaligen Synagoge Kriegshaber eine Ausstellung zur jiddischen Sprache zu sehen. Diese lädt dazu ein, die Spuren einer fast vergessenen Sprache zu entdecken. Rund acht Jahrhunderte lang wurde in Süddeutschland Jiddisch gesprochen. Alltägliche Begriffe wie „Boazn/Beisl“, „Kaff“ oder „schmusen“ stammen aus dem Jiddischen und erinnern noch heute an das enge Zusammenleben jüdischer und nichtjüdischer Menschen in Schwaben.
Von mittelalterlichen jiddischen Heldengeschichten bis zu moderner Popkultur, von Jiddisch als Gebetssprache bis zu jiddischem Kitsch – die Ausstellung zeigt Jiddisch als lebendige Sprache zwischen Kult und Kultur. Mit Beispielen aus Augsburg, Schwaben und der ganzen Welt richtet sich die Ausstellung an alle, die neugierig auf eine alte, neue Sprache sind.
Jiddisch lebt! Katalogpräsentation und Podiumsdiskussion mit Museumsdirektorin Dr. Carmen Reichert und Philip Schwartz
Ort: Jüdisches Museum Augsburg Schwaben, Ehemalige Synagoge Kriegshaber,
Ulmer Straße 228, 86156 Augsburg
Datum: Donnerstag, 20. März 2025 um 19 Uhr
Anmeldung: per Mail unter empfang@jmaugsburg.de oder Tel. 0821-513611
Eintritt frei
Mehr Infos für Besucher*innen: https://jmaugsburg.de/veranstaltungen/jiddisch-lebt/