Pioniere im Exil

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© The Lahr von Leïtis Academy & Archive

Es begann mit einem Foto. Im Nachlass des österreichischen Exilkomponisten Egon Lustgarten fand Michael Lahr von Leïtis ein Bild, das 14 Komponisten aus verschiedenen Ländern zeigt. Sie veranstalteten im August 1922 in Salzburg das erste Internationale Kammermusikfestival, um ihre zeitgenössischen Kompositionen vorzustellen und gründeten die Internationale Gesellschaft für Neue Musik, die sich bis heute weltweit um die Verbreitung zeitgenössischer ernster Musik kümmert.

Schon bald nach der Gründung wurde dieser musikalische Aufbruch in die Moderne torpediert. Erzkonservative Kritiker beschimpften die in Salzburg versammelten Komponisten als „musikalische Bolschewiken“. Als die Nationalsozialisten an die Macht kamen, mussten acht der deutschen und österreichischen Gründungsmitglieder ihre Heimat verlassen: Egon Wellesz floh nach dem Anschluss Österreichs 1938 nach England. Die übrigen sieben Exilkomponisten – Wilhelm Grosz, Paul Hindemith, Hugo Kauder, Egon Lustgarten, Paul Pisk, Rudolf Reti und Karl Weigl – fanden in den USA Zuflucht. Obwohl sie sich schwertaten und vielfach unbeachtet und mittellos starben, waren sie weiterhin sehr kreativ. Außer Paul Hindemith sind die anderen Komponisten heute kaum bekannt.

„Pioniere im Exil“ präsentiert in drei Konzerten Streichquartette, Klaviersolostücke und Lieder dieser verfemten Komponisten, sowie das erste Streichquartett der Berliner Hindemith-Schülerin Charlotte Schlesinger. Die meisten der gespielten Werke entstanden im Exil, einige zeigen Spuren der Musikstile aus der neuen Heimat – Jazz, American Folk Music u.ä. Viele dieser Stücke wurden in Archiven und Bibliotheken gefunden und sind deutsche Erstaufführungen.

Die Konzertreihe beginnt am Montag, dem 29. April um 19.00 Uhr im Österreichischen Kulturforum Berlin, Stauffenbergstraße 1, 10785 Berlin.

Am Donnerstag, 2. Mai um 19.30 Uhr findet eine Aufführung im Festsaal des Münchner Künstlerhaus, Lenbachplatz 8, 80333 München statt.

Am Montag, 6. Mai um 19.00 Uhr wird das Programm in der Goethe-Universität Frankfurt, PA-Gebäude (Foyer), Campus Westend, Theodor-W.-Adorno-Platz 1, 60323 Frankfurt präsentiert.

Interpreten sind das Diplomatische Quartett – Matthias Hummel (1. Violine), Felix Klein (2. Geige), Waltraut Elvers (Viola), Gabriella Strümpel (Violoncello) – der österreichische Pianist Gottlieb Wallisch und die amerikanische Sopranistin Alexi Rodda.

„Pioniere im Exil“ wird veranstaltet von der transatlantischen Kulturaustauschorganisation Elysium – between two continents e.V. / The Lahr von Leitis Academy & Archive in Kooperation mit dem Leo Baeck Institute – New York │ Berlin.