Die neue Bücherbox

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Von weitem ist die Friedenstaube zu erkennen, ein sehr wichtiges gegenwärtiges Symbol in der gesamten Welt. Oben am Dach der Bücherbox flattert sie für den Frieden. Die neue Bücherbox ist aufgestellt und steht am alten Ort auf dem Vorplatz des Bahnhofes Grunewald unterhalb vom Mahnmal Gleis 17, zu dem alljährlich Menschen aus der gesamten Welt pilgern. In den 1940er Jahren werden von diesem Gleis im feinen Villenort Grunewald Tausende von jüdischen Bürgern in die Vernichtungslager deportiert.

Von Christel Wollmann-Fiedler

Im letzten Sommer, in der Nacht vom 11. zum 12. August 2023, brennt die zwölf Jahre alte Bücherbox, das Lebenswerk von Konrad Kutt, dem ideenreichen Initiator. Die gesammelten und gespendeten Bücher von jüdischen Autoren und jüdischem Inhalt, auch die Musikanlage mit jüdischen Melodien und komponierten Musikstücken von Tal Koch und anderen, liegen am nächsten Morgen wie Briketts am Fuß des Mahnmals Gleis 17.

Ein kruder Text, ein ideologischer, ein verlogener, der vor Dummheit strotzt und antisemitischem Hintergrund wird an der Telefonzelle gefunden. Die Tat erinnert an die Bücherverbrennung der Nazis im Mai 1933. Ein Szenario zum Weinen. Der 63jährige Täter wird vor Tagen auf dem Gericht in Berlin-Moabit freigesprochen.

Am 23. Februar 2024 wird die neue Bücherbox am alten Platz aufgestellt. Rainer Ehrt, der bekannte Künstler, Designer und Cartoonist, gestaltet das Äußere der neuen Bücherbox. Ehrt studierte Kunst in Halle an der Saale an der berühmten Burg Giebichenstein, der Hochschule für Kunst und Design. Gespendete Bücher mit jüdischen Themen sind in den Regalen untergebracht, die neue Audiobox mit jüdischen Kompositionen von Tal Koch und lyrischen Texten, gelesen von Irene Aselmeier, ist installiert.  Interessierte vorbeikommende und hineinschauende Fremde sind begeistert und beeindruckt über die Ausstattung der neuen Bücherbox mit der Friedenstaube am oberen Ende. Konrad Kutt hat es mit Helferinnen und Helfern geschafft in dieser recht kurzen Zeit diese neue Bücherbox zu verwirklichen.

Über einhundert Interessierte aus Grunewald und Umkreis, letztlich von überall her, sind gekommen. Die Politikerin der Grünen, Kirstin Bauch, die derzeitige Bezirksbürgermeisterin von Charlottenburg-Wilmersdorf, nimmt selbstverständlich auch an der erfreulichen Zeremonie teil, auch die damalige Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde in Berlin Lala Süsskind und der Antisemitismusbeauftragte der Berliner Jüdischen Gemeinde Sigmount Königsberg sind unter den Gästen zu sehen. Der ehemalige Regierende Bürgermeister von Berlin, Michael Müller, hält eine ergreifend schöne Rede.

Die Kameras der Abendschau sind eingeschaltet und zeigen und berichten abends im Fernsehen einige Minuten von diesem wichtigen Ereignis in Grunewald unweit von Gleis 17.

Gaby und Konrad Kutt laden Freunde zum Abendempfang in ihren privaten Salon gleich um die Ecke ein. Der frühere Bezirksbürgermeister Reinhard Naumann überreicht den Gastgebern einen sicherlich exzellent schmeckenden französischen Rotwein mit wunderbaren Worten. Naumann ist ein Freund des Hauses. Von 2011 bis 2021 hatte er seinen Amtssitz als Bezirksbürgermeister von Charlottenburg-Wilmersdorf im Rathaus. In zahlreichen Ausschüssen und Verbänden ist der SPD-Politiker Vorsitzender oder Mitglied.

Die beiden japanischen Künstlerinnen, die Violonistin Akiyo Fujiwara und die Pianistin Yukino Kaihara, spielen hervorragend für uns Gäste das  D-Dur Violin- und Klavierkonzert von Pjotr Tschaikowski, 1. Satz. Der ebenfalls aus Japan stammender Oboist Katsuya Watanabe ist der Dritte in der musikalischen Runde, eine französische Komposition hat er für seine Oboe ausgesucht. Oft spielte er in den Jahren zu dem Thema Bücherbox und Holocaustgedenken. Seine Balkonkonzerte während der Coronazeit sind in Erinnerung. Die musikalische Belohnung der drei KünstlerInnen ist ein vollendetes festliches Erlebnis. Feierlich und nachdenklich geht der Salonabend zu Ende.

Alle Fotos: (c) C. Wollmann-Fiedler