„A Jid is a Sznajder“

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DP-Camp Gabersee 1947: Martin Greenfield (Mitte) und seine Kameraden warten auf die Auswanderung in die USA. Foto: Privatarchiv Martin Greenfield, New York

Martin Greenfield überlebte Auschwitz und wurde zu einem der „besten Herrenschneider der Welt“. Zu seinen Kunden zählten US-Präsidenten und Schauspieler. Vor wenigen Tagen starb er im Alter von 95 Jahren.

Viele der aus Osteuropa in die USA ausgewanderten Juden waren Schneider, Schuhmacher, Mützenmacher oder in anderen Textilberufen tätig – so auch Martin Greenfield, einer der berühmtesten und gefragtesten Herrenausstatter.

Als Maximilian Grünfeld wurde er 1928 in der damaligen Tschechoslowakei in eine gut situierte jüdische Familie hinein geboren. Er überlebte mehrere Konzentrationslager. „In Auschwitz wurde ich in der Wäscherei eingesetzt, um Nazi-Uniformen mit einer Borstenbürste zu reinigen. Ich schrubbte ein Hemd so stark, dass der Kragen zerriss. Ein Mithäftling nahm mich beiseite und zeigte mir, wie man näht und einen einfachen Stich macht. Das war meine erste Lektion im Schneidern,“ erinnert sich der damals 16-jährige Junge. Maximilian wurde nach einem Todesmarsch in Buchenwald befreit; seine gesamte Familie wurde ermordet.

Danach strandete der Waise in der US-amerikanischen Besatzungszone von Deutschland im DP-Camp Gabersee in der oberbayerischen Stadt Wasserburg. Dort verbrachte Grünfeld etwa ein halbes Jahr, bevor er eines der begehrten Visa für die USA erhielt. Im September 1947 bestieg er in Bremerhaven die „SS Ernie Pyle“ und erreichte kurz darauf den Hafen von New York. Im Stadtteil Brooklyn begann der Jugendliche, der sich nun Greenfield nannte, in einer Großschneiderei als Laufbursche. In den 1970er-Jahren kaufte er das Unternehmen, gab ihm mit „Martin Greenfield Clothiers“ einen neuen Namen und der jüdische Schneider aus Osteuropa wurde bald zu einem der „besten Herrenschneider der Welt“ gekürt. Zu seinen prominenten Kunden zählten etwa die Schauspieler Frank Sinatra, Paul Newman oder Leonardo DiCaprio sowie die US-Präsidenten Dwight D. Eisenhower, Barack Obama und Donald Trump. Über seine Biografie und das unvorstellbare Grauen, das Greenfield erleben musste, hatte er lange Zeit geschwiegen.

Erst 2014 legte er seine Erinnerungen vor. „Measure of a Man” ist nicht nur ein persönlicher Überlebensbericht, sondern auch das Zeugnis eines Mannes, der nie die Hoffnung verlor. Vor wenigen Tagen, am 20. März, ist Martin Greenfield in einem Krankenhaus in New York City im Alter von 95 Jahren gestorben. – (jgt)

Lesetipp!
Martin Greenfield, Measure of a Man: From Auschwitz Survivor to Presidents‘ Tailor, Washington DC 2014, 234 Seiten.