Antijüdisches Brauchtum

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Kurz vor Ostern werden auch heute noch in Teilen Bayerns sogenannte „Judasfeuer“ entzündet, die in einer antisemitischen Tradition stehen. Der Brauch, bei dem teilweise Puppen in Menschengestalt verbrannt werden, dient der symbolisch-rituellen „Bestrafung“ der biblischen Figur Judas Iskariot für seinen Verrat an Jesus Christus. Judas Iskariot wird in antijudaistischer Tradition christlicher Prägung mit „den Juden“ identifiziert.

Die „Judasfeuer“, die nicht mit traditionellen Osterfeuern zu verwechseln sind, konzentrieren sich auf die Gegend zwischen Donauwörth, Ingolstadt, Augsburg, Landsberg am Lech und München sowie Teile Unterfrankens. Dabei handelt es sich seltener um kirchliche Veranstaltungen. Ein Großteil der Feuer wird von christlichen Laien, oft Jugendlichen, die in örtlichen Vereinen organisiert sind, veranstaltet.

Ein „Judasfeuer“ im polnischen Pruchnik sorgte 2019 für weltweite Empörung, Anlass für die Recherche- und Informationsstelle RIAS Bayern hier weiter nachzuforschen. In Pruchnik wurde eine Puppe mit der Bezeichnung „Judas 2019“ verbrannt, die mit Hakennase und orthodox-jüdischer Kopfbedeckung und Haartracht entsprechend stereotyper antisemitischer Vorstellungen gestaltet war. Die „Judasfeuer“ in Bayern finden laut RIAS Bayern zwar nicht mit einer derartigen antisemitischen Markierung statt, gründen aber auf derselben Tradition. Noch im 20. Jahrhundert wurden in Bayern die Feuer teilweise „Jud“ oder „Judenfeuer“ genannt.

RIAS-Veröffentlichung zum Thema(PDF): „Das Judasfeuer – Ein antisemitischer Osterbrauch in Bayern“

Mehr zum Thema bei haGalil: Bayerisches Brauchtum bizarr: „Der Jud muß verbrannt werden!“

RIAS Bayern nimmt Meldungen über antisemitische Vorfälle auf und unterstützt Betroffene von Antisemitismus in Bayern. RIAS Bayern ist beim Bayerischen Jugendring (BJR) angesiedelt und wird vom Bayerischen Staatsministerium für Familie, Arbeit und Soziales finanziert.