Jahrestag der Deportation Münchner Sinti und Roma

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Erinnerungszeichen, Foto: Tom Hauzenberger

Am 13. März 1943 veranlasste die Münchner Polizei die Deportation von 141 Sinti*zze und Rom*nja aus München und Umgebung in das Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau. Unter ihnen waren Barbara, Joseph und Julius Winter. Im Rahmen eines mehrtägigen Gedenkprogramms zum Jahrestag der Deportation werden am 14. März um 11 Uhr zu ihren Ehren Erinnerungszeichen an ihrem ehemaligen Wohnort in der heutigen Sintpertstraße 15 gesetzt.

Teilnehmen werden Stadtrat Winfried Kaum in Vertretung des Oberbürgermeisters der Landeshauptstadt München, Erich Schneeberger, der Vorsitzende des Verbands Deutscher Sinti und Roma – Landesverband Bayern e.V. und Initiator der Erinnerungszeichen, sowie Carmen Dullinger-Oßwald vom Bezirksausschuss 17 – Obergiesing-Fasangarten.

Barbara Winter (*1890 in Roßhaupten) und ihr Ehemann Joseph (*1891 in Siebnach) hatten zwei Söhne: Julius wurde 1917 in Veitsbuch geboren, Joseph kam 1921 in Moosburg zur Welt und starb bereits 1935 im Alter von 14 Jahren. Die Familie wohnte lange in einer gut eingerichteten Wohnung in Augsburg und ging einem Wandergewerbe als Händler nach. Ab 1942 war sie in München in der Perlacher Straße 123 gemeldet, wo sie ein Gartenhäuschen besaß. Ab Ende 1938 wurden die Sint*izze und Rom*nja entrechtet, die Ausübung des Händlerberufs wurde nach und nach unmöglich.

Am 8. März 1943 inhaftierte die Polizei Barbara, Joseph und Julius Winter und deportierte sie fünf Tage später nach Auschwitz-Birkenau. Barbara Winter wurde wenige Wochen nach der Ankunft ermordet, ihr Todesdatum ist unbekannt. Im Oktober 1943 wurde Joseph Winter von seinem 26-jährigen Sohn Julius getrennt. Dieser musste sich in der chirurgischen Abteilung des Lagers untersuchen und vermutlich operieren lassen. Er wurde wenig später ermordet, auch sein Todesdatum ist nicht bekannt. Möglicherweise war er Opfer pseudomedizinischer Versuche. Joseph Winter wurde 1944 ins Konzentrationslager Buchenwald transportiert, wo er in den Außenlagern schwerste Zwangsarbeit leisten musste. Im Februar 1945 räumte die SS das Außenlager Harzungen, mit über 4000 Häftlingen verschleppte sie Winter in das Konzentrationslager Bergen-Belsen. Britische Truppen befreiten das Lager am 15. April 1945. Nach wenigen Wochen in Freiheit starb Joseph Winter am 16. Juni 1945 im Lazarett von Bergen-Belsen an den Folgen der Haft.

Zum Gedenken an die Deportationen organisieren städtische, staatliche, kirchliche und zivilgesellschaftliche Institutionen und Initiativen ein gemeinsames Programm vom 9. bis 14. März. Am Jahrestag, dem 13. März, findet um 16 Uhr eine öffentliche Namenlesung am Platz der Opfer des Nationalsozialismus statt, um 19 Uhr eine Gedenkveranstaltung im NS-Dokumentationszentrum. Weitere Informationen finden Sie in dem Flyer.

Zu den Erinnerungszeichen: Erinnerungszeichen werden seit 2018 an Orten angebracht, an denen Menschen lebten, die von den Nationalsozialisten verfolgt und ermordet wurden. Die Erinnerungszeichen bestehen aus gebürstetem Edelstahl und sind vergoldet. Es gibt sie als Wandtafeln an der Fassade und als Stelen auf öffentlichem Grund. Sie enthalten die wichtigsten Lebensdaten, Angaben zum Schicksal und – falls vorhanden – ein Bild.

Weitere Informationen: www.erinnerungszeichen.de