Erinnerungszeichen für Olga Maier

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Olga Maier mit ihren Neffen beim Besuch in Palästina, 1936, (c) privat

Am Donnerstag, den 11. Januar, wird in der Arcostraße 1 ein Erinnerungszeichen für die 1942 ermordete Münchnerin Olga Maier gesetzt. Von ihrem Schicksal erzählt bis zum 17. März die Ausstellung „Tante Olgas Silberleuchter. Eine Münchner Familiengeschichte“ im Jüdischen Museum München. Ausgangspunkt sind zwei silberne Kerzenleuchter, von denen sich Olga Maier 1939 trennen musste, als jüdische Menschen gezwungen wurden, Schmuck und wertvollen Hausrat abzugeben. Das Bayerische Nationalmuseum erwarb die Kerzenleuchter damals für seine Sammlung. 2022 wurden sie an die Erbengemeinschaft Olga Maiers zurückgegeben, und diese schenkte sie dem Jüdischen Museum. 

Am Donnerstag, dem Geburtstag Olga Maiers, findet um 15 Uhr eine Gedenkveranstaltung im NS-Dokumentationszentrum statt. Teilnehmen werden Dr. h.c. mult. Charlotte Knobloch, die Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde Mprünchen und Oberbayern, und Stadträtin Marion Lüttig in Vertretung des Oberbürgermeisters der Landeshauptstadt München. Um 16 Uhr wird in der Arcostraße 1 ein Erinnerungszeichen angebracht. Um 17 Uhr folgen ein Empfang im Jüdischen Museum und ein Rundgang durch die Ausstellung.

Olga Maier, Foto: Stadtarchiv München

Olga Maier, geborene Nussbaum, kam am 11. Januar 1876 als Tochter eines Tuchkaufmanns und Schneidermeisters zur Welt. Zu ihren drei Schwestern und ihrem Bruder hatte sie zeitlebens ein enges Verhältnis. Sie besuchte die Höhere Töchterschule in der Maxvorstadt, das heutige Luisengymnasium. 1896 heiratete sie Moses Moritz Maier, einen Lehrer für jüdische Religion. Die Ehe blieb kinderlos, 1923 starb ihr Ehemann. 1932 zog Olga Maier in die Arcostraße 1. Die Machtübernahme der Nationalsozialisten veränderte ihr Leben. Ihr Bruder emigrierte 1934 mit seiner Familie nach Palästina. Auch viele Nichten und Neffen sowie deren Kinder verließen Deutschland. Olga Maier pflegte zu ihnen weiterhin ein enges Verhältnis und schickte ihnen Briefe und Pakete, solange es möglich war. 

1935 zog sie aus der Beletage der Arcostraße 1 in den dritten Stock, 1939 musste sie das Haus verlassen und zog in die Thierschstraße zu Familie Walz. Im Februar des Jahres hatte sie ihre Wertsachen abgeben müssen. Die Gestapo zwang sie im Januar 1942 in die „Judensiedlung Milbertshofen“ zu ziehen. Im Juli 1942 wurde sie in das Ghetto Theresienstadt deportiert und am 19. September in das Vernichtungslager Treblinka, wo die SS sie am 20. oder 21. September 1942 ermordete. Zwei ihrer Schwestern wurden ebenfalls Opfer der Shoah.

Zur Ausstellung im Jüdischen Museum München „Tante Olgas Silberleuchter. Eine Münchner Familiengeschichte“

Zu den Erinnerungszeichen: Erinnerungszeichen werden seit 2018 an Orten angebracht, an denen Menschen lebten, die von den Nationalsozialisten verfolgt und ermordet wurden. Die Erinnerungszeichen bestehen aus gebürstetem Edelstahl und sind vergoldet. Es gibt sie als Wandtafeln an der Fassade und als Stelen auf öffentlichem Grund. Sie enthalten die wichtigsten Lebensdaten, Angaben zum Schicksal und – falls vorhanden – ein Bild. 
Weitere Informationen: www.erinnerungszeichen.de