Orte der Bildung

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Bildung soll helfen, heißt es derzeit überall. Bildung gegen Antisemitismus!

Von Ramona Ambs

Und ja, klar: Bildung ist super! Bitte! Bildet Euch stets weiter! Bildung ist ein Segen und kann auch was bewirken bei Menschen, die anständig, selbstkritisch und offen sind. Für Leute, die das nicht sind, ist Bildung oft nur Mittel zur Macht. Zur Definitionsmacht um genau zu sein. Mit der man wiederum Gewalt ausüben kann, die so gebildet und moralisch daher kommt, dass jedem Zuschauer der Mund offen stehen bleibt…

Und deshalb ist es nicht weiter verwunderlich, wenn Orte der Bildung derzeit hart umkämpft sind. D.h. eigentlich sind sie nicht umkämpft, sondern bereits okkupiert von einem „Free-Gaza“-Mob, der sich teils antikapitalistisch, antikolonial, antirassistisch geriert, defacto aber nur ein Ziel hat: Juden zu verängstigen.

Und zwar weltweit.

An der Hillcrest High School in New York musste sich eine jüdische Lehrerin vor einem Schülermob verstecken. Ihr Vergehen: sie hatte an einer proisraelischen Demonstration teilgenommen. Die 400 Schüler hatten sich zuvor verabredet, um für die Entfernung der Lehrkraft aus dem Schuldienst zu demonstrieren. Die Lehrerin musste sich in einem Zimmer der Schule verbarrikadieren.

An einer Schule in Neukölln griff ein Schüler mit einer Palästina-Flagge einen Lehrer an, der ihm das Tragen politischer Symbole im Schulgelände verbieten wollte. Daraufhin griff ein weiterer Schüler ein und versetzte dem Lehrer einen Kopfstoß. Der Lehrer wehrte sich und schlug den Schüler, der dann wiederum nach dem Lehrer trat.

In Niedersachsen wurde eine Meet-a-Jew-Veranstaltung abgesagt, weil die Stimmung der Schülerschaft so aufgeheizt israel- und judenfeindlich war, dass man Ausschreitungen nicht zuverlässig ausschließen konnte und somit die Sicherheit des besuchenden Juden nicht gewährleistet war.

An der Elite-Uni Harvard wurden jüdische Studenten bedroht und am Betreten des Campus gehindert, in Stanford soll ein Lehrer seinen jüdischen Studenten befohlen haben, die Hand zu heben und hat sie danach als Kolonialisten beschimpft. An der Cornell University nannte ein anderer Professor (laut NZZ) die Oktoberpogrome „beglückend und kraftspendend“.

An der Freien Universität in Berlin-Dahlem schrie ein Lehramtsstudent „Yallah Intifada – von Dahlem bis nach Gaza!“ bei einer „Solidaritätskundgebung mit hunderten Studenten. An der UdK versammelten sich weitere Studenten mit Free Palastine und Stop Colonialism-Schildern und rot bemalten Händen (ein Symbol für den Lynchmord an Juden), was sie allerdings kurzerhand zum „indigenen Brauch“ erklärten. Offenbar ist kulturelle Aneignung- sonst ja Todsünde in diesen Kreisen- plötzlich kein Problem mehr, wenn es gegen Juden geht…

und… und… und…

überall.

Orte der Bildung.

Die hiesige Kultusministerkonferenz (das ist der Zusammenschluss der zuständigen Minister und Senatoren der Bundesländer) teilte in einer Pressemitteilung mit: „Unsere Schulen sind der Ort, an dem Frieden, Versöhnung und Toleranz vermittelt werden (…) An unseren Schulen, Hochschulen und Forschungseinrichtungen gibt es keinen Platz für Antisemitismus und keinen Platz für Israelhass!“

Well… – eine schöne Verlautbarung. Fürwahr! Nur…

Wie soll ichs sagen? – Ich hab mir fast in die Hose gepinkelt vor Lachen.

1 Kommentar

  1. Diese Glosse ist für mich der Beitragsquicky des Jahres 2023 – 5784, weil sie die unsinnige Trivialparole der helfenden Bildung ins genaue Gegenteil spiegelt. Diese KMK-Erklärung, stellvertretend für deren bislang im Kampf gegen Antisemitismus den Anschein von Wirkung und Entschlossenheit erweckenden Verlautbarungen zu widerlegen, ist mehr als gerechtfertigt da überfällig.

    77 Jahre nach Auschwitz gibt es in der Ausbildung der später damit beauftragten Lehrer, immer noch keine flächendeckenden Seminarangebote an deutschen Universitäten. Der Gesetzgeber hat es trotz aller Nie-Wieder immer noch nicht geschafft hierzu verbindliche Mindeststandards zu erlassen.
    Da man offenkundig unfähig ist den Bildungsauftrag dieser Thematik in einer angemessenen Art und Weise zu erfüllen, unterzeichneten die KMK und Landesbildungsministerien einzeln und zeitlich versetzt, mit Yad Vashem Absichtserklärungen über Zusammenarbeit und Fortbildungsmaßnahmen.

    Diese Dokumente sind in ihren englischsprachigen Originalversionen überschriftlich als “LETTER OF INTEND“ ausgewiesen, dessen vertragsrechtliche Bedeutung hierzulande meist unbekannt ist. Juristisch gilt ein solches Dokument als unverbindliche Absichtserklärung. Die unterzeichnenden Parteien bekunden damit lediglich ihr momentanes Interesse, ohne eine einzige damit vertraglich vereinbarte Maßnahme. Diese Marketing Seifenblasen sind deswegen voller: „man beabsichtigt, man ist bestrebt, man vertieft, man ist sich einig, man stimmt überein“.

    Diese mittels der Begrifflichkeit „Zusammenarbeit“ als bilateraler Wissenstransfer zwischen kompetenzgleichen Partnern getarnten Nachhilfemaßnahmen für Deutschland in Sachen Antisemitismus, mutet aus einem anderen Blickwinkel äußerst bizarr an. Denn dadurch übertragen die 16 Landesbildungsministerien als Nachfahren des Tätervolkes, die Verwantwortung zur pädagogisch richtigen Behandlung der Shoa an deutschen Schulen auf die Nachfahren des Opfervolk. Das sich dieser ewig währende Bildungsauftrag noch immer in Länderhand befindet, ist eine weitere Katastrophe. Was passiert mit diesem Auftrag, wenn in Zukunft die Höckes in Thüringen, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Brandenburg die dortigen Bildungsminister bestimmen?