Der letzte große religiöse Lehrer des deutschen Judentums

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Rabbiner Leo Baeck, Foto von Laelia Goehr (1950), Roland Merton Collection AR 11776 (© Leo Baeck Institute New York | Berlin)

Vor 150 Jahren wurde Leo Baeck geboren, liberaler Rabbiner und einer der bedeutendsten deutsch-jüdischen Persönlichkeiten des 20. Jahrhunderts

Leo Baeck wurde am 23. Mai 1873 in Lissa in Posen geboren. Sein Vater Samuel Baeck war Rabbiner in Lissa, Mutter Eva war die Tochter von Abraham Placzek, dem Oberrabbiner von Mähren. Leo Baeck studierte zunächst am jüdisch theologischen Seminar von Breslau und ab 1894 an der Hochschule für die Wissenschaft des Judentums in Berlin. Gleichzeitig belegte er ein Philosophie-Studium.

Ab 1895 wirkte Leo Baeck als Rabbiner in Oppeln, später in Düsseldorf und ab 1912 in Berlin. Im Ersten Weltkrieg war er als Militärrabbiner tätig. 1912 begann er an der Hochschule für die Wissenschaft des Judentums zu lehren. Vorlesungen zu halten über Midrasch und Homiletik (Predigtlehre). Die Hochschule für die Wissenschaft des Judentums war eine liberale Einrichtung, die Judentum in allen seinen Erscheinungen erforschen und darstellen wollte. Sie bildete auch liberale Rabbiner und Religionslehrerinnen und Religionslehrer aus. Baeck wurde zum wichtigsten Vertreter des liberalen Judentums in Deutschland. 1922 wurde er Vorsitzender des Allgemeinen Rabbinerverbandes in Deutschland und ab 1925 Vorsitzender der Zentralwohlfahrtsstelle der Juden in Deutschland. Bereits 1905 hatte er das als sein Hauptwerk geltende „Das Wesen des Judentums“ verfasst.

1933 war für Baeck die „tausendjährige Geschichte“ der Juden in Deutschland zu Ende gegangen. Er wirkte als Präsident der Reichsvertretung der Juden in Deutschland und wies alle Möglichkeiten zur Emigration zurück. Leo Baeck machte deutlich, daß er mit dem letzten Minjan von Juden in Deutschland bleiben würde, und zwar so lange wie möglich. 1943 wurde er in das Konzentrationslager Theresienstadt deportiert. Dort ermutigte er und half den Menschen, soweit es die Möglichkeiten dort zuließen, war als Seelsorger tätig und hielt Vorträge zu Judentum, Geschichte und Philosophie. Leo Baeck überlebte und ging im Juli 1945 nach London.

In seinem letzten Lebensjahrzehnt wirkte Leo Baeck als Präsident der von ihm gegründeten Weltunion für Progressives Judentum und als Professor am Hebrew Union College in Cincinnati. Leo Baeck starb am 2. November 1956 in London.

–> Leo Baeck – Das Wesen des Judentums

Lesetipp:
Michael A. Meyer, Leo Baeck, Rabbiner in bedrängter Zeit. Eine Biographie, C.H. Beck Verlag 2021, Bestellen?

Linktipp:
Leo Baeck über Maimonides: Eine Sternstunde jüdischen Geistes