Der kleine kurdische Schmuggler und der Jude aus Bagdad

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Musa und ich gehen auf den Balkon, wo er raucht. Weicher Schnee fällt und bringt die Stadt zum Schweigen. Ohne Mantel stehe ich da und blicke auf die Kirche, deren Turm weiß gestrichen ist. Das Gespräch, das ich mit ihm führe, ist ein Fest der Übersetzungen. Er spricht mit mir auf Deutsch, getaucht in Kurdisch und Arabisch. Ich antworte in meinem gebrochenen Deutsch, das oft mit Hebräisch und Arabisch vermischt ist. Ich habe sein Buch in englischer Übersetzung gelesen und Fragen auf Hebräisch vorbereitet, die ich während des Interviews übersetze.

Von Mati Shemoelof

Ich kenne den kurdischen Exildichter, Übersetzer und Kurator Abdulkadir Musa aus Berlin. Wir hätten uns eigentlich gar nicht im Nahen Osten treffen können. Musa wurde im Jahr 1969 in der nordsyrischen Stadt Amuda, direkt an der Grenze zur Türkei, geboren. Als Kind war es ihm verboten, in der Schule Kurdisch zu sprechen. Syrien versuchte ebenso wie die Türkei, die Kurden zu islamisieren und sie von ihren Traditionen zu trennen. Beispielsweise erhielt er den arabischen Namen Abdulkadir von den staatlichen Behörden und nicht von seiner Familie. Nach dem Abitur in Amuda ging er zum Studium an die Universität in Aleppo. Zu dieser Zeit gab es etwa sechzigtausend Studenten an der Universität. Er schrieb sich für einen Bachelor-Abschluss in Literatur und Französisch ein. Zwischen den Jahren 1987 und 1988 wurden viele Studenten wegen subversiver Aktivitäten inhaftiert, und auf dem Campus herrschte Furcht. Musa gehörte zu den Organisatoren von Literaturtreffen, bei denen Studenten unzensierte Literatur lasen. Aufgrund der drohenden Inhaftierung lebte er zwei Jahre lang illegal in Syrien unter einer falschen Identität. Schließlich beschlossen er und sein Vater im Jahr 1995, aus Syrien ins Exil zu flüchten. Mit einem Grenzschmuggler überquerte er die Grenze von Syrien in die Türkei und von dort weiter nach Deutschland. Vor etwa dreizehn Jahren zog er von der Stadt Magdeburg nach Berlin.

Wir treffen uns in seiner Wohnung beim Berliner Rathaus-Spandau, um einen herausragenden Moment in seiner literarischen Geschichte zu feiern. Musa hat bereits mehrere Bücher veröffentlicht, darunter eine Sammlung kurdischer Gedichte aus Rojava, eines seiner Bücher wurde in Abu Dhabi veröffentlicht, ein anderes in den USA. Und dies ist sein erstes Buch, welches in Berlin in kurdischer-Kurmancî Sprache im „tîr verlag“ erscheint. Der Verlag wurde von Matthias Hofmann gegründet. Er hat es sich zur Aufgabe gemacht, Bücher über die kurdische Kultur in kurdischer Sprache, sowie Bücher über die kurdische Kultur aus anderen Sprachen zu veröffentlichen.

Wir setzen uns und essen Fisch mit Bratkartoffeln und Zwiebeln; zwei Männer aus dem Nahen Osten, weit weg von ihrem Geburtsort. In der Vergangenheit traten wir gemeinsam in den Poesie-Initiativen „Poetic-Hafla“ und auch in den Veranstaltungen „Wir: Juden und Araber lesen in Berlin“ auf. Er wurde einer meiner besten Freunde in Berlin. Im Laufe der Jahre übersetzte Musa viele Gedichte ins Kurdische, darunter die des palästinensischen Dichters Mahmoud Darwish, der israelischen Dichterin Tal Nitzan und anderer. Seine Verbindung zur jüdischen Kultur begann Anfang der siebziger Jahre, als er als Kind mit seiner Familie zu einem Picknick in der Gegend von Qamishli unterwegs war und ein jüdisches Paar sah, welches ebenfalls ein Picknick machte. Der Mann mit den Schläfenlocken und der Kippa brachte ihn dazu, seine Eltern zu fragen, wer sie seien.

In meiner Hand halte ich das innovative Buch, das sowohl Prosa als auch Gedichte enthält und den Titel „Der geflüchtete Kopf und das Kopfkissen, das Albträume hat“ (so heißt auch eines der Gedichte im Buch) trägt. Für das Hardcover des Buches wählte Musa eine Zeichnung aus Kafkas Tagebüchern. Die Zeichnung zeigt ein schwarzes Wesen mit schielenden Augen. Wenn man näher kommt, kann man erkennen, dass dieses schwarze Wesen beide Teile des Buchtitels liest. Musa konnte Kafka in Syrien nicht lesen, weil das Regime die Lektüre von Schriftstellern mit jüdischen Wurzeln verbot; und es war gefährlich, eine Kopie zu bekommen. Doch im Jahr 1990 brachte ihm ein Freund, welcher als Soldat diente, ein Exemplar von Kafkas Kurzgeschichten aus der Bibliothek der syrischen Armee. Und Musa verliebte sich in Kafkas Worte, in die Symbole seines Judentums und seiner Andersartigkeit. Jahrzehnte später spürte er, dass es in seiner Lebenserfahrung darum ging, Grenzen zu durchbrechen, zu zerreißen, sich gegen sie zu wehren, sich gegen den Krieg zu stellen, sich gegen Grausamkeiten zu wenden, sich der kafkaesken Literatur ein wenig anzunähern. Dazu kommt, dass er jetzt nicht weit vom Ort der Entstehung von Kafkas Geschichten wohnt. Die Farbe des Covers ist hellblau, wie Wasser, welches das Papier umhüllt.

Musa weist mich darauf hin, dass das Buch voller Mythologie ist, die sich mit Katastrophen befasst, wie die mythische Geschichte, die er von der jesidischen Minderheit, die nicht weit von ihm lebte, gelernt hat: Die Welt ruht auf dem Horn eines Stiers, und wenn er es zu seinem anderen Horn tauschen möchte, dabei ereignen sich Katastrophen und Überschwemmungen, die die Welt überfluten und zerstören. So sagt die Jesidische Mythologie.

Aus diesem Grund, das ganze Buch in hellblaue Farbe gehüllt, als wäre es in der Flut.

Dieser glückliche Moment der Veröffentlichung des Buches auf kurdischer Sprache in Berlin verdeutlicht uns die schwierige Situation, in der sich die kurdische Gemeinschaft in Bezug auf ihre Sprache befindet. In Syrien, der Türkei und dem Iran ist es verboten, auf Kurdisch zu publizieren, wie mir Musa mitteilt. Folglich lernen die KurdInnen die lokale Sprache, während ihre Muttersprache ihnen unbekannt bleibt. Die Buchverlage fragen sich nun: Gibt es überhaupt ein Publikum für Bücher in kurdischer Sprache? In Berlin habe ich erfahren, dass es noch einen anderen Verlag gibt, der Bücher auf kurdischer Sprache herausgibt, allerdings nicht von so hoher Qualität, wie Verlage, die in verschiedenen Sprachen veröffentlichen, darunter auch auf Kurdisch. Außerdem legen diese Verlagshäuser nicht den nötigen Schwerpunkt auf die kurdische Kultur.

Ich frage Musa, wieso sein Buch ausgerechnet erst jetzt veröffentlicht wird, und er nennt mir drei Gründe. Erstens, sei er in den letzten Jahren ein freiberuflicher Schriftsteller und Übersetzer geworden und arbeite nicht mehr als Sozialarbeiter. Zweitens aus dem Wunsch heraus, in der kurdischen Kultur zu lesen. Vor dem Krieg und dem Arabischen Frühling galten die KurdInnen in Europa im Allgemeinen und leider auch in Deutschland als „Kriminelle“ – aber das hat sich nach dem Bürgerkrieg in Syrien geändert. In Europa werden die KurdInnen nun als friedliebende Menschen gesehen, die wie alle anderen zusammenleben wollen. Der dritte Grund sei der Erhalt des Berliner Senatsstipendiums für in Berlin lebende nicht-deutsche Schriftsteller im Jahr 2018. Das Stipendium verschaffte ihm ein Jahr lang eine Atempause, um sich in das Schreiben des Buches zu vertiefen. Er erzählt mir, dass ihn das Schreiben des Buches vor dem Erhalt des Stipendiums gequält hatte und er in der Zeit überall, wo er sich aufhielt, Notizen für das zukünftige Buch gemacht hat, sei es in der U-Bahn, im Bus oder in den Pausen bei der Arbeit.

Musa verwendet Metaphern aus der Welt der Kunst, wenn er seine Art zu schreiben beschreibt. Er ist ein Bildhauer, der mit Worten modelliert. Er nennt seine Methode „kreativen Anarchismus“, was bedeutet, dass er ohne Grenzen schreibt, dass er dem Text erlaubt, von selbst geschrieben zu werden, und dass er dem Text erlaubt, seine Form zu entdecken. Andererseits, so sagt er, geht es in der Kunst nicht nur darum, was man schreibt, sondern auch darum, worüber und wie man schreibt.

Als ich Musa frage, welche Unterschiede es zwischen eingewanderten und exilierten Dichtern gibt, erklärte er, die KurdInnen hätten auch heute kein Land, in das sie zurückkehren könnten.

Wenn ihn also das Heimweh überkommt, schöpft er Erinnerungen an seine Heimatstadt, Amuda, Qamishli und andere Orte. Er zeichnet die Orte, pflanzt herausfordernde Motive in sie und fügt die Flecken erneut ein.

Ich fordere ihn auf, die Situation des kurdischen Volkes zu erläutern. Er sagt mir, dass staatenlose Bevölkerungsgruppen Schmerzen haben. Zum Beispiel Sinti und Roma, die kurdischen Menschen und auch die Juden (bevor sie einen Staat bekamen). Es gibt ein Sprichwort, das die Yeziden verwenden: “ Wir haben nicht zwei unserer Toten auf demselben Friedhof begraben.“ Als Flüchtling werden ständig neue Friedhöfe gegründet. Dies ist auch in seiner Familie der Fall, und es ist auch Teil der instabilen Situation des kurdischen Volkes insgesamt, dass es aufgrund der politischen Lage, des Krieges, des Zwangs und der Unterdrückung gezwungen ist, von Ort zu Ort zu fliehen. Als Beispiel nennt er die Tatsache, dass er wie sein Vater in Amuda geboren wurde. Aber er wird nicht in Amuda sterben. Sein Großvater wurde auf der anderen (türkischen) Seite der Grenze geboren und in Amuda begraben. Seine Tochter wurde in Deutschland geboren, und er fragt sich, wo wird sie leben, wo wird sie begraben werden, wo werden ihre Kinder leben?

Das Buch setzt mit dem Thema „Vom Flüchtlingssein und Gräbern“ ein. Das Wort „gefallen“ (Ket) leitet das Gedicht ein, welches den ersten Teil des Bandes Das Kopfkissen, das Albträume hat“ eröffnet. Mit dem Wort „gefallen“ endet auch das Gedicht, das den zweiten Teil des Buches „Der weggestoßene Stein ein übergebliebenes Amulett der Kriegstrauer“ abschließt. Es wird gezeigt, dass ein Geflüchteter zu sein, heißt, zu fallen. Doch nicht wie ein Stein, der zu Boden fällt, sondern auf poetische Art und Weise verlangsamen die Gedichte den Fall des Dichters.

Das ganze Buch handelt vom Überschreiten von Grenzen. In einem der eindringlichen Gedichte, „Der kleine Grenzschmuggler“, hören wir Musas Lebenserfahrungen: als kleiner Junge, dass seine Familie durch Grenzen getrennt war und er sie heimlich überschritt; als kleiner Junge, dem es verboten wurde, in der Schule Kurdisch zu sprechen, der aber in den Pausen trotzdem mit seinen Freunden in der verbotenen Sprache sprach; als Student, der Sprachverbote überschritt und Lesungen auf Kurdisch hielt; als kurdischer Dichter, der in der verbotenen Sprache zu schreiben begann und später nach Europa geschmuggelt wurde.

Die Feuersteine in meiner Lasttasche sind zusammengestoßen. Grenzfeuer im Stoppelfeld,
Flammen wie die Sehnsucht nach Gebirgen. Das Geräusch von Schüssen regnet aus dem siebten Himmel an die Ohren.[1]

Als Kind überquerte er oft die Grenzen zwischen Syrien und der Türkei mit den Arbeitern des Orient-Express, der bis nach Europa fuhr. Die Arbeiter konnten Kurdisch sprechen und brauchten Produkte, die aus Syrien kamen und in der Türkei nicht verkauft wurden (oder teuer waren), wie hochwertigen schwarzen Ceylon-Tee. Sie gaben ihm dafür entweder Kartoffeln oder Datteln aus Mosul oder auch Tabak, der in Syrien teuer war.

Ich frage ihn, ob dies nicht riskant war. Musa antwortet, dass er als Kind den Grenzübergang überqueren konnte, ohne dass die Soldaten auf ihn schossen. Aber wäre er älter gewesen und hätte sich der Grenze genähert, wäre er sofort erschossen worden. Einer der Angestellten der Orient-Express Firma, war der Cousin seines Vaters aus der Familie, die auf der türkischen Seite lebte. Er brachte ihm Tee und bekam dafür Tabak, Datteln und einen Seidenschal aus Mosul. In dem Gedicht bezieht Musa auch die Lebenserfahrung anderer ein. Er erklärt, dass jedes Kind diese Dinge tun würde.

Ich fragte dazu, ob er als Kind versucht hatte zu rauchen, erklärte Musa, die Bafra-Zigaretten wären ohne Filter weshalb er beim Rauchen fast erstickt sei.

Meine Ausbeute:

der Seidenschal meiner Mutter! Der Husten meines ersten ängstlichen Zuges an der Bafra-Zigarette steckt mir im Hals fest. Ich beobachte den Tomatris, warte auf das Abfahrsignal, das so lange eine Krankheit für mich war. Der Versuch des Schmugglers, einen verbotenen Gott über die verbotene Grenze zu bringen, mein stecken gebliebenes Ich im Grenzzaun, Schlieren aus dunklem Blut am Stacheldraht. Der Schmerz der Bienenstiche beim Verlassen des Stocks. Ohne dass hier Hände winken.[2]

Als Musa die Grenze überquerte, verlor er einmal das Gefühl in seinen Beinen, und diese Erfahrung entsprach auch der Erfahrung eines kurdischen Kämpfers, der seine Beine verlor und sagte: „Er würde gerne mit seinen Beinen begraben werden.“ Diese Erfahrung wurde auch von vielen KämpferInnen im Krieg in Syrien geteilt, die ihre Beine verloren haben.

Mein allein gelassenener Fuß,
er hat vor sich hingesprochen,
er robbt hinter mir her [3]

In dem Gedicht „Suizidales Gedicht“ hört man dessen Dichtkunst, die das Schreiben auf Kurdisch in Berlin als eine Form des Selbstmords impliziert:

Ein Liebesgedicht wollte Selbstmord begehen
es stapelte die Worte auf sich selbst, übereinander
und noch eins
und ein anderes
und [4]

Wenn wir über die Toten sprechen, erklärt Musa, meinen wir oft, dass die Dinge, welche vergangen sind, heilige Dinge sind, die zur Ewigkeit gehören. Die Gedichte hingegen artikulieren es auf die ästhetischste und vollkommenste Weise. Die Gedichte über die Toten, das sind die Gedichte, die nicht mehr angetastet werden können. Wenn man die Gedichte liest, lernt man die tote Form des Lebens kennen, die in den Gedichten zum Ausdruck kommt.

Seine Frau starb in Deutschland an einer schweren Krankheit und wurde auf Wunsch ihrer Eltern in Amuda begraben. Daher konnte er ihr Grab nicht besuchen. Das traumatische Erlebnis, das er bei ihrem Tod durchgemacht hatte, ist in dem Gedicht “ Wieder Du“ zu hören.

Lass Deine Augen schmelzen
Schlaf
Dass ich träume auf dem Kissen,
was mich aus Deiner Zeit
nie einen schönen Traum erleben ließ.
Reihe meine Träume aneinander wie deine Kette,
wie leuchtenden Korallen sich am Hals meiner Mutter entzündet.[5]

Er fühlte sich einsam und konnte nicht am selben Ort mit seiner Tochter bleiben, an dem er mit seiner Frau gelebt hatte. Seine Freunde rieten ihm, nach Berlin zu ziehen, wo er sein Leben neu beginnen könne.

Im Jahr 2018 habe ich in der Kolumne „Kultur und Literatur – in der Zeitung Haaretz“ meine Übersetzung seines Gedichts „Afrin“ veröffentlicht. Ich fordere ihn auf, mir mehr über dieses Gedicht zu erzählen. Musa sagt, dass er während seines Studiums an der Universität in Aleppo die Gelegenheit hatte, mit anderen Studenten die Afrin-Berge zu besuchen, sei es für ein Picknick oder um ein glückliches Ereignis eines seiner Freunde zu feiern. Sie hielten dort auch kulturelle Veranstaltungen ab. Afrin war für ihn ein kleines Paradies mit Bergen, Gewässern und vielen Bäumen.

Diese Farben hinterließen einen Eindruck und eine Prise Hoffnung, welche in das Gedicht der Sehnsucht einsickerte:

Von weitem
Unter dem geölten Haar des Berges
Dein Gesicht, geprägt aus gesammelten Oliven, duftete vom Hügel,
es regnete unter den Wäldern, ich war ganz grün[6]

Die Erinnerungen kehren mit Nostalgie zu ihm zurück, doch er unternimmt einen subversiven Akt in diesen Gedichten und fügt die Namen der kurdischen Kultur in sie ein. Zum Beispiel enthält „Und das grüne Nowruz von Kela Hori“ den Hinweis auf das Nowruz-Fest, das den ersten Tag des traditionellen Kurdischen und Persischen Kalenders markiert; und Kela Hori ist eine Festung in Afrin. Viele Orte in Afrin wurden islamisiert und er verwendete die alten Namen, von denen einige auch Alawiten und Jesiden gehörten. Der Krieg in Syrien hat heutzutage auch die Bäume in Afrin beschädigt und die Berge sind nicht mehr wie zuvor.

Zurzeit arbeitet er an der Übersetzung eines Gedichtbandes von Erich Fried, einem österreichisch-britischen Dichter, Schriftsteller und Übersetzer jüdischer Herkunft, der nach dem Zweiten Weltkrieg zu einer der wichtigsten Stimmen der politischen Poesie in Deutschland wurde. Er macht die Übersetzungsarbeit im Rahmen eines Übersetzungsstipendiums, welches er dafür erhalten hat. Bevor ich gehe, gibt er mir einen Karton mit all seinen Büchern und bittet mich, ihn an die Nationalbibliothek in Givat Ram in Jerusalem zu schicken. Die Verbindung zu dieser Bibliothek entstand, als ich einige seiner Gedichte in der Bibliothekszeitschrift „Hamusach“ veröffentlichte. Er möchte, dass Kopien seiner Bücher in Jerusalem aufbewahrt werden. Ich nehme den Karton und verspreche ihm, dass ich mich darum kümmern werde. Er möchte mich dafür bezahlen. Ich bin strikt dagegen. Draußen schläft die Stadt bereits.

Der Schnee hat die Fassaden der Häuser schon still und rund geformt. In meinem Herzen hallen die Worte immer noch wieder und ich denke daran, was passieren würde, wenn ich aus dem Viertel meiner verstorbenen Großmutter in Bagdad mit demselben Orient-Express-Zug nach Amuda reisen könnte, um dort gemeinsam meine Übersetzungen von Musas Gedichten vorzulesen.

Von Mati Shemoelof erschien zuletzt der Band „Das kleine Boot in meiner Hand nenn ich Narbe“. Mehr über den Autor.

Übersetzung: Zehava Khalfa

[1] Musa, Abdulkadir: Der geflüchtete Kopf und das Kopfkissen, das Albträume hat, Experimentelle Texte – Kurmancî, tîr verlag -2022,1. Aufl., S 8., Berlin.
[2] Musa, Abdulkadir: Der geflüchtete Kopf und das Kopfkissen, das Albträume hat, Experimentelle Texte – Kurmancî, tîr verlag -2022,1. Aufl., S 8., Berlin.
[3] Musa, Abdulkadir: Der geflüchtete Kopf und das Kopfkissen, das Albträume hat, Experimentelle Texte – Kurmancî, tîr verlag -2022,1. Aufl., S 10., Berlin.
[4] Musa, Abdulkadir: Der geflüchtete Kopf und das Kopfkissen, das Albträume hat, Experimentelle Texte – Kurmancî, tîr verlag -2022,1. Aufl., S 28., Berlin.
[5] Musa, Abdulkadir: Deine Flügel haben mich das Fliegen gelehrt, Gedichtband-Kurmancî, AR Verlag- 2013, 2. Aufl., S 29., Istanbul
[6] Musa, Abdulkadir: Der geflüchtete Kopf und das Kopfkissen, das Albträume hat, Experimentelle Texte – Kurmancî, tîr verlag -2022,1. Aufl., S 86., Berlin.