Abi Shek: Natur? Kultur?

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Da Abi Shek seine Jugendjahre in einem Kibbuz verbrachte, ist seine Kunst durch seine damalige Arbeit in der Landwirtschaft des Kibbuz geprägt. Die Versorgung von Rindern gehörte dazu wie auch die arbeit auif den Getreidefeldern. Abi Shek - die Wandinstallation "Stiere" kombiniert mit der Rauminstallation "Weizenähren"

Große Metallskulpturen an den Wänden und Darstellungen von Tieren, Rinder, Vögel, Antilopen, Ziegen, auf weißer Leinwand prägen die aktuelle Wechselausstellung im Jüdischen Museum Westfalen in Dorsten. Die Arbeiten stammen vom israelischen Künstler Abi Shek, der seit 1990 in Deutschland lebt und arbeitet. Das Museum zeigt eine beeindruckende Auswahl seiner Wandinstallationen und großformatigen Holzschnitten.

„Ich versuche, eine Formensprache zu finden, die allgemein verständlich ist. Wenn man Kinderzeichnungen ansieht, so sind sie fast nicht voneinander zu unterscheiden, ob das Kind jetzt aus den USA, aus Deutschland, China oder Afghanistan kommt. Die Kinderzeichnung hat ganz klare Formen, und so versuche ich, auch zu arbeiten.“

Abi Shek wurde 1965 in Rehovot (Israel) geboren und wuchs im Kibbuz Beit Nir, in einer ländlichen trockenen Gegend auf. Er war von viel Natur umgeben, Viehhaltung und Landwirtschaft waren Teil seiner gewohnten Umgebung und seines täglichen Lebens. Kunst war ebenfalls immer präsent. Abis Vater war der Bildhauer und Keramikkünstler Moshe Shek und Shula Shek seine Mutter war Goldschmiedin. Von 1990 bis 1996 studierte Abi Shek freie Kunst (Bildhauerei) bei Prof. Micha Ullman an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste in Stuttgart. Es folgten zwei weitere Jahre Aufbaustudium ebenfalls bei Prof. Ullman. 1998 war er Mitarbeiter der Kunstschule Labyrinth in Ludwigsburg.
Abi Shek lebt seit seinem Studium in Stuttgart. Bereits mit 16 Jahren war er fasziniert von der Kunst des Holzschnitts und seiner deutschen Tradition. Dies war ein Grund für seinen Umzug nach Deutschland. Seine monumentalen Darstellungen von Tieren (Rinder, Vögel, Ziegen und mehr) sind meistens Holzdrucke, manchmal ergänzt mit minimalistischen Pinselstrichen, seinen „Zeichnungen“.

Er produziert auch Skulpturen und Wandobjekte aus Metall im Groß-und Kleinformat, oftmals aus gebrauchtem Material vom Schrottplatz. Abi Shek findet Inspiration im landwirtschaftlichen Alltag des Kibbuzes, wo er aufwuchs, in der jüdischen Schrifttradition, aber auch in den Berberkulturen und in den antiken Künsten des Nahen Ostens. Natur und Kultur liegen darin immer nahe beieinander, sind ineinander verschränkt und produzieren einen eigenständigen Kosmos im Ausstellungsraum.

Diese Ausstellung begibt sich auf die Suche nach den unterschiedlichen Inspirationen und verschiedenen Mal-, Druck und Skulptur-Techniken, die Abi Shek in seinem Werk verwendet. Dabei ist es ihm immer wichtig, das Material seinen Eigenschaften entsprechend zu verarbeiten und dabei eine universelle Formensprache zu verwenden. Damit produziert er archaische, beständige und klare Bilder.

„Die Kunst ist wichtiger als ich, also gebe ich ihr Platz. Sie hat ein eigenes Leben, und sobald sie fertig ist, hat sie mit den Beobachter*innen zu tun. Die sehen möglicherweise etwas Anderes darin als ich.“

An die Thematik des Jüdischen Museums anschließend, liegt ein Fokus dieser Ausstellung auf Abi Sheks Werken mit jüdischem Inhalt. Dies sind metallene Wandobjekte, die aus der Beschäftigung mit religiösen Traditionen und Schriften hervorgegangen sind und teils für spirituelle Räume erschaffen wurden. Etwa ein stilisierter Toraschrank, der von zwei Löwen flankiert wird und von Mosaiken in der Beth Alpha-Synagoge aus dem 6. Jahrhundert unserer Zeitrechnung inspiriert ist, und an der Außenwand des Museums sind zwei Hände aus Metall angebracht, die den Segen der Cohanim, der Hohepriester des antiken Tempels in Jerusalem repräsentieren.

Die aus recyceltem Blech gefertigte Wandinstallation „Die segnenden Hände der Cohanim“ ist zurzeit an der Außenwand des Jüdischen Museums Westfalen angebracht. 

Im Rahmen seiner Ausstellung hat Abi Shek auch einige Objekte in der Dauerausstellung untergebracht. Seine modernen Skulpturen machen sich nach Meinung der Museumsleiterin Dr. Kathrin Pieren gut neben den traditionellen Judaica und anderen historischen Objekten, „sie schärfen den Blick für die Kontinuität von Materialien und Formen und lassen uns die alten Judaica mit neuen Augen sehen“
Abi Shek hat mehrere Preise und Stipendien erhalten, darunter 1993 den Akademiepreis der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Stuttgart. In den letzten Jahren hat er zahlreiche Soloshows und Gruppenausstellungen in ganz Deutschland und im benachbarten Ausland gehabt. Seine Werke sind in den Sammlungen von Museen und Kunstgalerien in Deutschland und der Schweiz vertreten.

Die Ausstellung kann vom 27. November 2022 bis zum 22. Januar 2023 besucht werden. Sie wird gefördert durch das Ministerium für Kultur und Wissenschaft des Landes NRW.

–> https://www.jmw-dorsten.de/

Bild oben: Da Abi Shek seine Jugendjahre in einem Kibbuz verbrachte, ist seine Kunst durch seine damalige Arbeit in der Landwirtschaft des Kibbuz geprägt. Die Versorgung von Rindern gehörte dazu wie auch die arbeit auif den Getreidefeldern. Abi Shek – die Wandinstallation „Stiere“ kombiniert mit der Rauminstallation „Weizenähren“