Besuch auf dem jüdischen Friedhof von Allersheim

Die jüdische Familiengeschichte Unterfrankens ist riesig. So kommt es immer wieder vor, dass Jüdinnen und Juden weltweit auf der Suche nach ihren Angehörigen an das Johanna-Stahl-Zentrum für jüdische Geschichte und Kultur in Unterfranken herantreten.

Von Ricardo Altieri

Am 31. Oktober 2022 kamen die Enkel von Eduard Friedlein, Monica und Stanley, eigens aus den USA und aus England nach Allersheim. Auf dem dortigen jüdischen Friedhof sollte Eduard begraben sein. Doch der Friedhof ist noch nicht abschließend dokumentiert, eine zuverlässige Belegungsliste gibt es bisher nicht.

Der langjährige Metzger Eduard Friedlein war 1934 in Kirchheim gestorben und dann in Allersheim beigesetzt worden. Seine Witwe Paula Friedlein, geb. Kirchheimer, und die Kinder waren nach Frankreich und Rhodesien (Simbabwe) emigriert und hatten so die NS-Verfolgung überlebt. Doch das Grab Eduard Friedleins geriet somit in Vergessenheit. Niemand wusste mehr, wo es lag.

Dr. Monika Berwanger, die den Friedhof seit Jahren erforscht und die Grabsteininschriften gemeinsam mit ihrem Team von Sprachkundigen vom Hebräischen ins Deutsche übersetzt, kam der Familie zur Hilfe, ermittelte den ungefähren Standort des Grabes und half bei der Suche vor Ort. Unter einer dicken Schicht aus Flugalgen war dann der Name zu finden: Eduard Friedlein, Kirchheim.

Mehr nicht. Abgebrochene Metallschrauben deuten darauf hin, dass die eigentliche Grabinschrift entfernt wurde. Sofern sie ebenfalls aus Metall bestanden hatte, wurde sie mutmaßlich gegen Kriegsende im Zuge der sogenannten „Metallspende des deutschen Volkes“ gestohlen und zu Kriegsgerät oder ähnlichem umgeschmolzen. Monica und Stanley waren dennoch überglücklich, das Grab ihres Großvaters gefunden zu haben.

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