Pessach sameach!

„Unsere Freiheit ist nicht nur ein Geschenk, sie ist auch eine Pflicht, denn der freie Wille des Menschen führt auch zur vollen Verantwortung des Menschen – für seine Taten und seine Untaten.“ Nach zwei Jahren Pessach unter Corona Bedingungen könnten wir in diesem Jahr fast ungestört feiern. Aber die Freude darüber wird getrübt durch den Krieg, der in Europa tobt. Unsere Herzen und unsere Gedanken sind bei den Menschen in der Ukraine und bei denen, die flüchten mussten. Seien wir verantwortungsvoll mit unserer Freiheit an diesem Pessach, auch mit der Freiheit, unser Fest feiern zu können.

Wir wünschen frohe und koschere Pessach-Tage: 
‚Pessach sameach wekascher‘

Die Herausgeber und Mitarbeiter
von haGalil onLine

Grundlagen und Zusammenfassungen

Die orthodoxe Sicht:
Praktische Anleitungen zum Fest
Grundsätzliches zur Vorbereitung und Durchführung

Unser Wissen vertiefen:
Ein liberaler Leitfaden durch den Seder
Der Seder ist jener Teil von Pessach, an den die meisten von uns sich von ihrer Jugendzeit her am besten erinnern, oder den sie einhalten – denn es ist ein Ritus, der zuhause stattfindet, ein Familienritual und wird beladen mit persönlicher, privater Bedeutung und Erinnerung. Das ist gut und sollte auch so sein – ABER …

„Herausforderung macht den Menschen weise“:
Merkblatt über die Vorschriften von Erew Pesach am Schabath
Wenn Erew Pesach auf den Schabbos fällt, bietet die Halacha uns allen, aber speziell der Hausfrau, eine besondere Herausforderung an, die uns weise macht. Weise macht, weil es spezielle Vorschriften für diesen Tag gibt, die wir lernen und beachten müssen.

Haggada, Gebet und Gesang

Die Ordnung der Erzählung vom Auszug aus Ägypten:
Die Hagadah schel Pesach
Auszüge aus der Hagadah zum Pessach, in hebr. Lautschrift u. deutscher Übersetzung.

Gemeinsam mit vielen Kindern und Jugendlichen erarbeitet:
Zum Familien-Seder mit einer neuen Haggada
Seit vielen Jahren schon war es für Ideengeber Rabbiner Tom Kučera ein Traum, eine Familien-Haggada zu gestalten. Denn für Familien ein fundiertes, ansprechendes und integrierendes Angebot zu bieten, ist seiner Auffassung nach ein Herzstück des Gemeindelebens.

Freiheit, Buntheit, Leben:
Eine alternative Haggada
Pessach-Haggada für die Gruppe Yachad – auf deutsch mit traditionellen und alternativen Berachot.

Freiheit und Ganzheit finden:
Vier Mädchen in uns
Zu unterschiedlichen Zeiten begegnen uns diese unterschiedlichen Mädchen in uns: Es gibt Zeiten, da sind wir interessiert und neugierig, zu anderen Zeiten sind wir frustriert und wütend, ruhig und zufrieden, traurig und voller Angst.

Gedanken zu Pessach:
Der böse Sohn in der Haggadah
Man muss versuchen das fragende Kind zu verstehen ohne es zu verurteilen und man muss ehrlich zugeben, dass man die Antworten nicht immer weiß.

Die Liebe G’ttes und die Liebe zu G’tt:
Ani leDodi veDodi li
Warum ist das Fest allgemein als „Pesach“ bekannt, und nicht, wie es in der Thora genannt wird, als „das Fest der ungesäuerten Brote“? Ein Vers aus Schir haSchirim deutet die Antwort auf diese Frage an.

Philosophische Aspekte

Rabbiner Edward van Voolen:
Das Fest der Freiheit
Es ist tatsächlich einzigartig mit Jung und Alt einen Festtag zu feiern, an dem wir gemeinsam fragen und antworten, essen und trinken, singen, weinen und lachen.

Wir sind ein Haufen ehemaliger Sklaven:
Der Weg
Wir haben die Sicherheit von Sklaven verloren, aber die endgültige Freiheit noch nicht erlangt.

Jüdische Freiheit:
Exodus heute
Der Auszug ist nicht Geographie. Der Auszug ist nicht Geschichte. Er ist Philosophie, Kultur, Gesetz und Moral. Hier und jetzt.

Manche sagen, die Welt wird im Feuer enden, andere, im Eis:
Zwischen Feuer und Eis
Der Exodus ist das Komma im Manuskript der Weltgeschichte, die Erlösung der Schlusspunkt. Aber über die Form entscheidet die Gesamtheit unseres Handelns, ob wir die „schlechte“ oder „gerechte“ Generation sind, ob Erlösung Blut, Feuer und Rauchsäulen oder die langsame Entwicklung meint…

Zur Entwicklung des Opferbegriffes:
Opfer im Judentum
Unser heutiges Verständnis von „Opfer“ ist anders als das der Menschen in der Antike. Für sie war es ein religiöser Ritus – meistens ein freudiger. Die Größe und der Umfang des Opfers hing von den Lebensbedingungen des Opfernden ab.

Fordernde Herzen:
Harren, das sich in die Länge zieht
Hoffnung erscheint als etwas lang Vergangenes und weit Entferntes. Der Terrorismus hat meinen Optimismus verbraucht…

Sie haben Namen:
Die Stimme der Frauen an Pessach
„Nur der frommen und mutigen Frauen wegen wurden die Hebräer aus Ägypten befreit“, steht im Babylonischen Talmud, Sota 11b und im Midrasch Numeri / Bamidbar 9,13. Doch in der häuslichen Liturgie, der Pessach-Haggada, werden die Frauen nicht erwähnt.

Kasches zur Kaschruth

Koscher durch das Jahr:
Gebote über Chametz zu Pessach
Weizen, Gerste, Roggen, Hafer oder Dinkel, die mit Wasser oder anderen Flüssigkeiten in Berührung gekommen sein könnten, gelten als Chametz, weil in diesem Falle eine Fermentation (Gärung) eingesetzt hätte.

Hülsenfrüchte:
Kitnijot an Pessach
Wäre es im Licht des „Einsammelns der Verstreuten“ aus dem Exil nicht möglich, den aschkenasischen Brauch, an Pessach keine Hülsenfrüchte zu essen, abzuschaffen?

Midraschim, Lehrgeschichten und Anekdoten

Ein Pessach-Wunder 1938 in Wien:
Sie gingen vorüber
Als wären unsere Türen und Fenster mit dem Blut des Lammes bestrichen gewesen, so wie es in der Heiligen Schrift berichtet wird. Bis zum heutigen Tag weiß ich nicht, warum gerade wir gerettet wurden. Ein Pessach Wunder? Falls dem tatsächlich so ist, dann war es das erste in einer ganzen Reihe von Wundern, die es mir ermöglichten, diese Geschichte niederzuschreiben.

Von einem G’tt der Liebe und des Verständnisses geleitet:
Ein Jude sein
Ein Jude zu sein bedeutet, zu einer sehr besonderen Familie innerhalb der Familie der Nationen zu gehören, diese Familie der Freude und der Tragödien zu beleben und seine Zukunft auf den Erfahrungen der Vergangenheit aufzubauen.

Anekdoten von Rabbiner Pinchas Paul Biberfeld (s“l):
Eine Nacht, die anders ist
Da thront der Vater über der Familie, plötzlich aus der trivialen Alltagsroutine emporgehoben – die Tischrunde entschwebt im Geiste Jahrtausende zurück – in die ägyptische Antike.

Midrasch zu Pessach:
Die zehn Plagen
Mit wem ist Pharao vergleichbar: Einem Hirten, der eine Schweineherde hütete. Da fand er ein Schaf, nahm es und steckte es unter seine Tiere. Der Eigentümer des Schafes schickte zu ihm und ließ ihm sagen: Sende mir mein Schaf zurück! Da antwortete der Hirt: Du hast kein Schaf bei mir.

Tief aus dem Unterbewusstsein:
Altes und neues Wunder
Überall wo Juden sich auch angesiedelt haben, sobald die Pessach-Zeit naht, erwachen – fast möchte ich sagen, wie ein urhafter Instinkt – die Sehnsucht und der unwiderstehliche Wunsch, das Fest der Erlösung gemäß der uralten Tradition zu feiern.

Gedanken zu Pessach:
Es führt ein mühsamer Weg ans Licht
Im Moment des Exodus war Israel unbedeckt und entblößt. In unserer Zeichensprache werden die Mizwot Kleider benannt. Die jüdische Nation – war bloß, bar von Mizwot! Er konnte sie nicht erlösen ohne dieses Lösegeld – Mizwot maasiot, positive Tatengebote.

Pessach für Kinder

Mit Text und Musik:
Die vier Fragen
Kinder haben während des Seders einige sehr wichtige Aufgaben. Der oder die Jüngste am Tisch stellt die „vier Fragen“, die die Essenz von Pessach berühren: „Was unterscheidet diese Nacht von allen anderen Nächten?“

HaLajlah haseh:
Levi und die Pessachfrage
Wenn Levi vor anderen Leuten etwas sagen soll, ist er immer ganz furchtbar aufgeregt, weil ihn alle anschauen und das macht ihn nervös.

Historische Texte zu Pessach

Aus „Ost und West“ von 1914:
Pessach-Legenden
In einer Stadt war einmal ein hochgelehrter Mann aus vornehmem Stamme und sehr reich. Er führte ein frommes Leben, gab reichlich Almosen an die Armen, lernte ständig Thora und übte alle Gebote streng nach den Vorschriften mit allen Kawwanoth, wie nur einer, der in die tiefsten Geheimnisse der Lehre eingedrungen ist.

Innere Freiheit:
Eine Pessach-Betrachtung
Der vorliegende Text erschien 1914 im Organ der Zionistischen Bewegung “Die Welt”. Autor ist Max Joseph, der zwischen 1902 und 1936 Rabbiner in Stolp (Pommern, heute polnisch Słupsk) war. Max Joseph konnte emigrieren und überlebte in Palästina.

Kotzker und Belser:
Ein Pessachgespräch
Ich selbst habe an der Hagadah meine unbändigste Freude. Ich sitze und lese laut, zähle die Plagen der Aegypter, zähle und dopple sie und verdopple sie immer wieder und wieder.

Ben-Ami:
An einem Erew-Pessach
Es war am Rüsttage des Pessachfestes, um zehn Uhr morgens. Wir hatten soeben unser frugales Frühstück beendet; es bestand aus Brot, welches wir bei einer unserer Nachbarinnen entliehen, das in einen salzigen Saft, worin Gurkenscheiben schwammen, getunkt wurde. Ich muss gestehen, dass auch diese Tunke bei derselben Nachbarin geborgt war, die ihren Gurkenkrug bis auf den Grund geleert hatte, um nicht über die Feiettage Chomez zu bewahren.

Sch. Rosenfeld:
Die erste Pessach-Nacht
Pessach-Nacht. Oben in der Stube schlafen, sie schon längst. Das Licht auf meinem Nachttisch ist erloschen. Eine geraume Zeit ist es wohl her, dass die Uhr die dritte Stunde geschlagen hat. Auf der Strasse ist der Widerhall der Schritte erstorben…

Interkulturelle Aspekte

Einladungen zu Pessach:
Nichtjuden am Sedertisch
Juden wie Nichtjuden fragen sich, ob es einem Nichtjuden überhaupt erlaubt sei, am Sedertisch Platz zu nehmen und wenn die Frage mit „ja“ beantwortet werden kann, so stellt sich die sofort die nächste: in wie weit darf ein Nichtjude aktiv am Seder teilnehmen?

Empfehlungen:
Pessach im christlichen Religionsunterricht
In den letzten Jahren gibt es immer mehr christliche Gemeinden oder Gruppen, die „Pessach-Feiern“ veranstalten. Auch im Religionsunterricht greift diese Praxis um sich.

Dialog:
Wenn Christen Pessach feiern
In den letzten Jahren werden Pessach-Seder in Kirchengemeinden immer populärer. Christen verbinden damit den Wunsch, Jesus als Juden in seiner Tradition tiefer zu verstehen, indem sie tun, was er – wie sie meinen – getan hat.

Wege und Irrwege christlich-jüdischer Gebetsgemeinschaft:
Religiöser Raub?
In bester Absicht gestalten gerade um Ostern herum immer häufiger christliche Gemeinde „Pessachfeiern“ – vielen Juden aber ist dieses ein Ärgernis.

Kommentar verfassen